In diesem Bild, das aus vom aserbaidschanischen Verteidigungsministerium am Sonntag, 27. September 2020, veröffentlichten Filmmaterial stammt, schießen aserbaidschanische Soldaten aus einem Mörser auf die Kontaktlinie der selbsternannten Republik Bergkarabach, Aserbaidschan. Die Kämpfe zwischen armenischen und aserbaidschanischen Streitkräften um die umstrittene separatistische Region Bergkarabach gingen am Montagmorgen nach dem Ausbruch am Vortag weiter, wobei sich beide Seiten gegenseitig die Schuld für die Wiederaufnahme der Angriffe zuschieben. Foto: Uncredited/Azerbaijan's Defense Ministry/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

In der Konfliktregion Bergkarabach sollten die Waffen ruhen. Armenien und Aserbaidschan hatten sich darauf verständigt. Doch das Töten geht weiter. Indes verändern neue Waffen den Konflikt.

Der Waffenstillstand in der umgekämpften Konfliktregion Bergkarabach verdient seinen Namen nicht. Denn bereits kurz nach Inkrafttreten der mühsam ausgehandelten Waffenruhe kam es offenbar erneut zu Kämpfen zwischen Armenien und Aserbaidschan.
Das armenische Verteidigungsministerium ließ verlautbaren: „Unter Missachtung des zuvor erklärten humanitären Waffenstillstands“ hätten aserbaidschanische Streitkräfte um 12.05 Uhr einen Angriff gestartet. Aserbaidschan warf indes Armenien vor, mit Artilleriefeuer auf zahlreiche Orte begonnen zu haben. Die armenische Armee habe „in eklatanter Weise gegen das Waffenstillstandsregime“ verstoßen, hieß es aus Militärkreisen in Baku.
Die Lage in der abgelegenen Bergregion bleibt verworren. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell forderte: Beide Seiten sollten die Vereinbarung vollständig respektieren und sich „unverzüglich auf substanzielle Verhandlungen unter der Schirmherrschaft der sogenannten Minsk-Gruppe einlassen“.

Bergkarabach galt lange als schwer einnehmbar

Lange galt das gebirgige und abgelegene Gebiet als schwer einnehmbar für aserbaidschanische Truppen. 176 Kilometer lang ist die Frontlinie. Weitverzweigte Systeme aus Schützengräben umgeben das Gebiet. Tief vergraben liegen armenische Streitkräfte mit Panzern und Geschützen auf der Lauer. Die Region ist hochgerüstet und war deswegen lange von einer Offensive verschont geblieben.

Doch diese Zeiten sind vorbei. Der Erzfeind hat aufgerüstet: Die Führung in Baku nutzte ihre reichlichen Einnahmen aus Öl und Gas zur Modernisierung ihrer Streitkräfte. Aserbaidschan greift nun mit modernster Militärtechnik an. Dazu zählen offensichtlich auch Drohnen aus der Türkei, die den Armeniern die Verteidigung erschweren.

Drohnen werden zum einträglichen Geschäft der Türkei

Neben Kampfjets und weitreichenden Raketensystemen setzt Aserbaidschan vor allem auf die unbemannten Flugkörper im Krieg gegen das Nachbarland. Erst im Juni orderte das Militär türkische Drohnen vom Typ „Bayraktar“. Für die Türkei ist das Geschäft mit Drohnen ein einträgliches.

Bislang fehlen zwar offizielle Meldungen über den Einsatz der Drohnen. Experten weisen indes auf Bildmaterial des Verteidigungsministeriums in Baku hin, das Aufnahmen enthalte, die typisch für „Bayraktar“-Drohnen seien. Doch auch Armenien setzt Drohnen ein. Militärkooperationen mit Russland und China machen das möglich.

Bereits zu Beginn der neuerlichen Auseinandersetzung war zu sehen, dass Drohnen den geografischen Nachteil Aserbaidschans ausgleichen können. Das Gebirge und die Schützengräben um Bergkarabach können ihnen nichts anhaben. Armenien versucht indes alles, um sich zu verteidigen und setzt seinerseits auf moderne Militärtechnik.

In Bergkarabach testen bis unter’s Kinn gerüstete Nationen neueste Waffentypen. Es ist zu befürchten, dass die Kämpfe weiter eskalieren und sich bis ins Landesinnere der beiden Staaten verlagern könnten.