Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev posiert für die Medien, als er seinen Stimmzettel in einem Wahllokal in Baku in die Wahlurrne wirft.

Während der Präsident und Wahlsieger Ilcham Alijew am gestrigen Abend auf fast 85 Prozent der Wahlstimmen kam, sah der einzige wirklich nennenswerte Oppositionskandidat Cemil Gassanli mit mageren 5 Prozent blass aus. Alijews Wahlkampfleiter Ali Ahmadow erklärte den Amtsinhaber bereits am Wahltag zum Wahlsieger. Wundern konnte sich darüber keiner. „Ilcham Alijew hat die bedingungslose Unterstützung der Bevölkerung“, erklärte Ahmadow. Und auch für ausländische Beobachter war der Wahlsieg Alijews keine Überraschung. Insgesamt waren neun Gegenkandidaten aus der ehemaligen Sowjetrepublik angetreten. Eine Chance, sich durchzusetzen, hatte aber keiner.

Während Kritiker dem Regierungschef und seiner Familie schwere Verstöße gegen die Menschenrechte vorwerfen und jetzt nach den Wahlen offen von Manipulation des Wahlergebnisses sprechen, halten ihm seine Anhänger den Aufschwung der Wirtschaft zugute. Zu verdanken habe Aserbaidschan seine neu gewonnene Prosperität hauptsächlich dem Ölboom.

Wolkenkratzer, Luxus-Hotels, exklusive Boutiquen und deutsche Limousinen zieren das Stadtbild der aserbaidschanischen Hauptstadt. Baku hat sich in den letzten Jahren zu einer modernen Metropole hochgearbeitet. Alijew brachte seinen 9 Millionen Aserbaidschanern, nach einem unerbittlich geführten Krieg mit Armenien in den 90er Jahren, nun den lang ersehnten Wohlstand.

„Ich gehöre zur russischen Minderheit und fühle mich wohl in meiner Heimatstadt”, so eine Passantin. „Ich bin glücklich. Und natürlich werde ich für denjenigen stimmen, der das alles möglich gemacht hat.” Ein Mann erklärt: „Wir werden für ein gutes Leben stimmen, für unseren Präsidenten. Wir sehen die Erfolge, sowohl international, als auch daheim in unserem Land.”

Verzehnfachtes Bruttoinlandsprodukt

Die kleine Südkaukasusrepublik kann erstaunliche Wirtschaftsdaten vorweisen. In kaum einem anderen Land der Welt wuchs die Wirtschaft so rasant wie in Aserbaidschan. So verzehnfachte sich das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf innerhalb von nur 9 Jahren auf 6000 Euro. Mit diesem Faustpfand im Hintergrund schien eine Wiederwahl von Präsident Ilcham Alijew mehr als klar.

Ein Ende der Familiendynastie ist also nicht in Sicht: Ilcham hatte sein Amt vor zehn Jahren von seinem Vater Haydar Alijew übernommen, einem bis heute kultisch verehrten Politiker. Alijew ist ein charismatischer Präsident. Er ist sich seiner Macht bewusst und solange die Ölreserven des Landes nicht erschöpft sind und es keinen erneuten Krieg mit dem Nachbarn Armenien gibt, wird sich daran auch nichts so schnell ändern. Auch in absehbarer Zeit wird sich deswegen keine starke Opposition in Aserbaidschan entwickeln können. Erstaunlich wirkt, dass Alijew auch unter der aserbaidschanischen Jugend auf eine starke Anhängerschaft setzen kann. Mit dem unaufhaltsamen Aufstieg Ilcham Alijews ist auch das wirtschaftliche Wohlergehen seines jungen Volkes unweigerlich verbunden.