Erstmalig möchte Aserbaidschan nicht mehr nur Erdöl und Erdgas fördern, sondern in der OGPC – Oil and Gas Processing and Petrochemical Complex – genannten Anlage selbst weiterverarbeiten und auf dem Weltmarkt verkaufen. Das bestätigte der SOCAR-Deutschlandchef Elmar Mamedov in einer Pressemitteilung.

Betont wurde darin die hohe strategische Bedeutung des Megaprojektes. Mit einem Schlag könne Aserbaidschan nun seinen ständig wachsenden Bedarf an Erdöl- und Erdgasprodukten selbst decken, so SOCAR-Präsident Rovnag Abdullayev, der in der Mitteilung zitiert wird. Der eigene Energiebedarf könne von dem neuen Komplex mit Leichtigkeit gedeckt werden, der größte Teil der Erdöl und Erdgas-Produkte werde exportiert. „Da noch nicht alle Aufträge vergeben sind, gibt es gute Chancen für deutsche Unternehmen. Deutsche Ingenieurskunst steht auch in Aserbaidschan hoch im Kurs“, so Mamedov.

Bearbeitung von Kohlenwasserstoffketten

Der Petrochemie-Komplex 60 Kilometer südlich von Baku soll 900.000 Tonnen Polymer-Produkte pro Jahr produzieren – Ethan und Propan aus der eigenen Gasaufbereitungsanlage dienen als Grundstock. High-Tech-Anlagen wie „Steamcracker“ oder Dampfspalter stellen dann Rohstoffe her, die zu Kunststoffen, Lacken, Lösemitteln oder Pflanzenschutzmitteln verarbeitet werden. Es entstehen High-Tech-Anlagen für Ethylene und Propylene ebenso wie High-Density Polyethylene (HDPE), Linear Low-Density Polyethylene (LLDPE/HDPE), Polypropylene (PP) und Butene-1.

Weiterhin hohe Potentiale

Die bestätigten Erdgas-Reserven Aserbaidschans in den Erdgasfeldern am Kaspischen Meer belaufen sich auf 2,55 Billionen Kubikmeter, beim Erdöl seien es zwei Milliarden Tonnen. Experten gehen allerdings von einem Gesamtvorkommen von bis zu sechs Billionen Kubikmetern beim Erdgas aus, davon allein 2,2 Billionen Kubikmeter in den Erdgasfeldern Babek, Nakhchivan, Zafar-Mashal, Araz-Alov-Sharg and Shafag-Asiman.

SOCAR beschäftigt zur Zeit 61.000 Mitarbeiter weltweit und fördert 29,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus den Tiefen des Kaspischen Meeres. In 2020 soll die Förderung auf 50 bis 55 Milliarden Kubikmeter gesteigert werden.

Wohin mit dem Geld?

Aserbaidschan verdient Milliarden mit dem Verkauf von Erdgas und Erdöl. Die Gewinne fließen in den staatlichen aserbaidschanischen Ölfonds SOFAZ. 37 Milliarden Dollar sollen dort für die Entwicklung des Landes bereitliegen. Die Entscheidung über die Verteilung der Mittel liegt dabei in der Hand des aserbaidschanischen Parlaments. Viel Geld steckt Aserbaidschan in den Ausbau der Infrastruktur – Baku möchte z.B. mit den Europaspielen vom 12. bis 18. Juni 2015 ein Aushängeschild für die Welt sein – und investiert in Hilfen für die Flüchtlinge aus den von Armenien besetzten Gebieten in und um Berg-Karabach. Laut UN-Resolutionen gehören Bergkarabach und sieben weitere Bezirke völkerrechtlich zu Aserbaidschan. Armenien hält damit noch immer völkerrechtswidrig 20 Prozent des aserbaidschanischen Staatsgebietes illegal besetzt. Der Konflikt um Siedlungsgebiete schwelt seit 100 Jahren.