Präsidentschaftswahlen in der Türkei: Ekmeleddin İhsanoğlu positioniert sich in einem Interview zu den Themen Religion und türkische Geschichte.

Der Kandidat der Oppositionsparteien zu den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in der Türkei, Ekmeleddin İhsanoğlu, hat Beschuldigungen säkular-fundamentalistischer Kreise, er wäre gegen den Gründer der türkischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk, und gegen die Republik, zurückgewiesen.

Auf die Nachfrage des Cumhuriyet Kolumnisten Utku Çakırözer sagte äußerte sich İhsanoğlu wie folgt zu den Vorwürfen: „Solche Anschuldigungen machen mich traurig. Unsere Freunde, die das behaupten, sollten sich meine Vergangenheit anschauen. Sie sollen die Positionen betrachten, die ich während meiner Amtszeit in Einrichtungen, bei denen Atatürk auch eine Rolle spielte, vertreten habe. Es ist völlig falsch Atatürk, die Realität der Republik und seine Verdienste zurückzuweisen.“ Die Tageszeitung Cumhuriyet gilt als säkular-kemalistisch.

„Für die Türkei ist Atatürk das, was Napoleon für Frankreich ist“

Atatürk, so İhsanoğlu weiter, habe einen „besonderen Platz im Herzen der türkischen Nation als Held des Unabhängigkeitskampfes und als Gründer der Türkischen Republik.“ Dies zu leugnen, würde der geschichtlichen Realität nicht gerecht werden. „Für die Türkei ist Atatürk das, was Napoleon für Frankreich und George Washington für die USA ist“, so İhsanoğlu.

Atatürk solle „weder zur Heiligenfigur erhoben noch abgelehnt werden“, meinte der Präsidentschaftskandidat. „Die Türkei hätte solche Debatten bereits vor langer Zeit überwinden müssen“.

Zum Verhältnis von Staat und Religion betonte İhsanoğlu: „Die Beziehung zwischen Religion und Politik ist ein Feld, das neu zu ordnen ist. Es war immer problematisch die Grenze zwischen beiden (Bereichen) festzulegen. Politische Kräfte sollen keinen Druck auf die Religion ausüben. Gleichzeitig soll aber auch nicht Druck auf die Politik mittels der Religion ausgeübt werden. Dafür, dass diese Einstellungen zu Problemen und Misserfolg geführt haben, gibt es sowohl in der islamischen als auch der Weltgeschichte reichlich Beispiele.“