Der türkische Atheismus-Verband (Ateizm Derneği) möchte ein Krematorium in der Türkei, in dem Menschen nach ihrem Tod verbrannt werden können. Deshalb wandte sich der Verband an die Stadtverwaltung von Istanbul. Nach einer Meldung der Zeitung Vatan haben mittlerweile 5.000 Menschen das Anliegen mit ihrer Unterschrift unterstützt.

Das Verbrennen der Leiche ist nach islamischer Auffassung nicht gestattet und wird traditionell abgelehnt. Der Verband vertritt den Standpunkt, dass es keine gesetzlichen Hindernisse bei der Errichtung eines Krematoriums gebe.

In der Erklärung zu der Kampagne heißt es:

„Wir müssen nicht begraben werden! In vielen Ländern der Welt können Menschen nach ihrem Tod auf ihren Wunsch hin verbrannt werden. In der Türkei gibt es viele Menschen, die nach ihrem Tod verbrannt werden wollen. Da es jedoch kein Krematorium gibt, wird dieser Wunsch nicht erfüllt. In Japan beträgt die Rate derjenigen, die nach ihrem Tod verbrannt werden, 99,85 Prozent, in Indien 85 Prozent, in der Schweiz und in Dänemark 76 Prozent, in Großbritannien 72 Prozent, in Schweden 70 Prozent, in Holland 50 Prozent und in den USA 40 Prozent. Was mit den Menschen nach ihrem Tod passiert, bestimmen in der Türkei nicht die Menschen, sondern die Stadtverwaltungen.“

Süleyman Karan, stellvertretender Vorsitzender des Verbands, teilte auf Anfrage von DTJ mit, dass es ihnen eigentlich nicht um die Art der Bestattung gehe, sondern darum, „nicht mit Ritualen einer Religion, an die wir nicht glauben, auf die letzte Reise geschickt zu werden“.

Der im April 2014 gegründete Verband hat nach eigenen Angaben etwa 300 Mitglieder und sei der einzige seiner Art in der Türkei, im Nahen Osten und in Osteuropa. Zur Situation der Atheisten in der Türkei erklärt Karan: „Ich selbst lebe im Stadtteil Nişantaşı in Istanbul. Hier ist es sogar fast von Vorteil, Atheist ist zu sein. Aber im Rest des Landes sieht das anders aus. Die Situation ist sehr schlecht, als Atheist spürt man den sozialen Druck der Straße, wird ausgegrenzt und kann als Staatsbeamter seinen Job verlieren.“