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Wirtschaft

Atomkraftwerk in der Türkei: Japaner und Franzosen wollen mitmischen

Nachdem der Zuschlag für das erste Atomkraftwerk, das in der Türkei gebaut werden soll, an einen russischen Anbieter gegangen war, hat nun ein japanisch-französisches Konsortium Interesse an einem weiteren Projekt in Sinop bekundet. (Foto: cihan)

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Atomkraftwerk in der Türkei: Japaner und Franzosen wollen mitmischen

Die japanischen Konzerne Itochu und Mitsubishi sowie das französische Unternehmen GDF Suez haben ein gemeinsames Angebot zum Bau des zweiten türkischen Atomkraftwerkes abgegeben. Das Konsortium würde eine Gesamtinvestitionssumme von 20-25 Milliarden US-$ umfassen, hielten die türkische Regierung und die Offiziellen der beteiligten Unternehmen fest.

Die Türkei, die mit großer Wahrscheinlichkeit im Laufe der kommenden Dekade Großbritannien als drittgrößten Nachfrager von Elektrizität in Europa ablösen wird, plant in dieser Zeit den Bau mehrerer Atomkraftwerke, um ihre Abhängigkeit von fremdem Öl und Gas zu verringern.

Türkische und japanische Offizielle hätten im Laufe der Vorwoche Gespräche abgehalten, um zwischen den Regierungen einen Konsens hinsichtlich des Baus eines zweiten Atomkraftwerks in Sinop am Schwarzen Meer zu erzielen, gaben Sprecher des türkischen Energieministeriums und von GDF Suez gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters angegeben.

Die Türkei hat im Zusammenhang mit dem geplanten Kraftwerk in Sinop auch mit Unternehmen aus Kanada, Südkorea und China gesprochen. Derzeit erschienen nach Angaben türkischer Offizieller die Angebote aus China und jenes des japanisch-französischen Konsortiums als die meistversprechenden. „Die Gespräche über das Angebot des Konsortiums haben begonnen. Die Angebote werden geprüft“, betont ein Sprecher des Energieministeriums. Die Leistungskapazität des Atomkraftwerkes soll nach Angaben von GDF Suez bei 5.000 Megawatt liegen.

Hohes Maß an Entschlossenheit seitens des Konsortiums

„Sollte es keine Einigung mit dem türkischen Energieministerium hinsichtlich der Anlage in Sinop geben, wird das gleiche Konsortium unabhängig davon auch ein Angebot mit Blick auf ein drittes Kraftwerk abgeben“, unterstrich der Unternehmenssprecher.

Der russische Anbieter Rosatom, der bereits den Zuschlag für den Bau des ersten türkischen Atomkraftwerkes bekommen hat, wird Mitte 2015 mit der Konstruktion beginnen. Der stellvertretende Geschäftsführer des Unternehmens, Nikolai Spasskiy, rechnet damit, dass die Anlage im Jahre 2019 mit der Energieerzeugung beginnen wird.

Das von Rosatom mittels einer Investitionssumme von 20 Milliarden US-$ zu bauende Kraftwerk in Mersin Akkuyu an der Mittelmeerküste soll vier Kraftwerksblöcke und eine Leistungskapazität von 4.800 Megawatt aufweisen. Im Januar hatte der französische Handelsminister in Istanbul im Vorfeld der Ausschreibung für das neue Projekt im Rahmen mehrerer Treffen das Interesse seines Landes am Bau der Anlagen bekundet.

Im Falle zweier französischer Unternehmen hatte Ankara zuvor Beteiligungsambitionen zurückgewiesen. Dieses Vorgehen hing zusammen mit einem Gesetz der französischen Nationalversammlung, in dem es für strafbar erklärt wurde, die Qualifikation der Vertreibung von Armeniern durch Türken im Osmanischen Reich in den Jahren 1915 und 1916, die nach offiziellen osmanischen Zahlen 800.000 Todesopfer gefordert hatte, als „Völkermord“ in Zweifel zu ziehen.

In Teilen der Bevölkerung ist die Atomenergiepolitik der türkischen Regierung umstritten. In der Vergangenheit hat es regelmäßige Kundgebungen und Protestaktionen in mehreren Städten gegeben, zuletzt auch in Sinop. (reuters/dtj)

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