Archivfoto: Kühe stehen auf einer Weide in Bayern. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Drei Monate vor der Bundestagswahl will Bundesagrarministerin Julia Klöckner mit Initiativen zum Tierwohl punkten. Beim Treffen mit ihren EU-Kollegen macht sie Druck bei Tiertransporten und Pelztierzucht. Vor allem Marokko, die Türkei, Russland, der Nahe Osten und Asien stehen dabei im Fokus.

Zu Beginn der heißen Phase des Bundestagswahlkampfs zeigt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein Herz für Tiere: Gemeinsam mit anderen EU-Ländern will sie europaweit die Zucht von Pelztieren und lange Tiertransporte ins EU-Ausland verbieten. Entsprechende Initiativen brachte sie am Montag bei einem Treffen mit ihren Amtskolleg:innen der anderen EU-Länder auf die Agenda.

Bei den Transporten stehen vor allem Marokko, die Türkei, Russland, der Nahe Osten und Asien im Fokus. „Tierschutz darf nicht an den EU-Grenzen haltmachen“, sagte Klöckner. Hintergrund ist, dass nicht garantiert werden kann, dass Tierschutzvorgaben auf den langen Reisen eingehalten werden. Österreichs Agrarministerin Elisabeth Köstinger sprach etwa davon, dass es passieren könnte, dass Tieren außerhalb der EU vor der Schlachtung die Sehnen durchgeschnitten werden.

Verbot von langen Schiff- und Landtransports?

Deshalb wird nun gefordert, dass die EU-Kommission EU-weite Regeln ausarbeitet, um lange Tiertransporte in Drittländer auf der Straße und per Schiff zu verbieten. Zudem müsse die Kommission bis zu einem Verbot für kurzfristige Verbesserungen sorgen. Dabei soll es nicht nur um den Transport von Schlachttieren, sondern auch um den von Zuchttieren gehen. Klöckner sprach davon, dass man künftig genetisches Material, aber keine Tiere verschicken solle. Grüne und Tierschützer begrüßten den Vorstoß der Ministerin grundsätzlich, kritisierten aber, Klöckner habe auf Bundesebene einem Verbot immer wieder im Weg gestanden.

Die Transporte in Länder außerhalb der EU stehen schon länger in der Kritik. Je nach Region hätte ein Verbot für Deutschland unterschiedliche Auswirkungen: Mehrere Bundesländer haben bereits Beschränkungen oder Verbote erlassen.

Niederlande stellt Pelztierzucht ein

Neben Rindern und Schafen gibt es auch gute Nachrichten für Nerze. Sie könnten in der EU künftig nicht mehr für Mäntel und Mützen gezüchtet und getötet werden. Österreich, die Niederlande und Deutschland fordern ein europaweites Verbot der Pelztierzucht. „Ein generelles Verbot der Pelztierhaltung in der EU ist überfällig“, teilte Klöckner mit. Auch dieser Vorstoß hat für Deutschland quasi keine Auswirkungen. Hohe Hürden haben dazu geführt, dass es kommerzielle Nerzfarmen in der Bundesrepublik seit vielen Jahren nicht mehr gibt, wie das Agrarministerium mitteilte.

Die Branche war in der Corona-Pandemie in die Schlagzeilen geraten, weil Millionen Nerze in Dänemark und den Niederlanden getötet wurden, nachdem Infektionen mit dem Virus nachgewiesen worden waren. Die Niederlande – einst einer der größten Nerzfellproduzenten in Europa – haben bereits die Einstellung der Pelztierzucht beschlossen. Die letzten Nerzfarmen sollten 2024 schließen.

dpa/dtj