Auf entspannende Weise die türkische Kultur kennenlernen

Türken lieben es, die Winter drinnen und die Sommer draußen zu verbringen und in den Parks zu spazieren oder am Strand. Vor allem in den großen Städten gibt es regelmäßig vieles, was man in der Freizeit tun und sehen kann und Plätze, die zum Verweilen einladen.

Türken lieben Musik. Diejenigen, die es sich leisten können, gehen zu Konzerten. Große Städte bieten zahlreiche kulturelle Veranstaltungen mit internationalen Stars und lokalen Performern. Klassische Musik zu hören ist sehr charakteristisch für die Türkei.

In der volkstümlichen Musik sind Rhythmen und Takt typisch orientalisch und die Musik ist entweder für einen Chor geschaffen oder hält sich im Balladen-Stil. Es kann dabei einen kompletten Chor oder Solo-Sänger geben, die zum Einsatz kommen. Typische Instrumente sind das Kanun (ein Zither-ähnliches Instrument mit 72 Saiten), das Tambur (ein Langhals-Saiteninstrument, das der Mandoline ähnelt), das Ud (einer Laute ähnlich), das Ney (eine Längsflöte) und die Bağlama (eine kleine Laute).

Türkische Musik ist voller Emotion und Ausdruck. Oft bewegt sie das Publikum zum Mittanzen und Mitsingen. Livemusik in Restaurants beinhaltet im Regelfall zahlreiche traditionelle Volkslieder (fasıl). Jedes Jahr gibt es aber auch eine große Zahl an Musik- und Filmfestivals in Istanbul, die privat gesponsert werden. Neben Jazz, Klassik und populärer Musik umfassen diese ein breites genremäßiges Spektrum.

Es gibt in der Türkei auch populäre Musik, die an westlicher Popmusik orientiert ist. Diese hat einen lebendigen Rhythmus, der die Füße der Zuhörer zum Tanzen bringt und die Hüften und Schultern zum Schwingen. Allerdings basiert auch diese Musik auf orientalischen Noten. Türken werden es lieben, wenn Sie die Namen populärer Artisten kennen. Sertab Erener gewann den Eurovision Song Contest im Jahre 2003 mit einem großen Beispiel für die türkische Popmusik, dem Song „Every Way That I Can”. Auch Tarkans Dance-Hit „Şımarık“ aus den späten 90er-Jahren wurde weit über die türkische Community hinaus bekannt.

Arabesque – die Musik von tief drin aus dem Herzen

In öffentlichen Verkehrsmitteln oder auch in kleineren Imbissgaststätten wird man oft etwas zu hören bekommen, das die Türken „Arabesque” nennen; das sind melancholisch klingende Songs, in denen es meist um den Tod oder den Verrat einer geliebten Person geht oder über eine unglückliche oder unerwiderte Liebe geklagt wird. Berühmte und in der Türkei vor allem im einfachen Volk beliebte Vertreter dieses Genres reichen von Klassikern wie Orhan Gencebay oder Emrah bis hin zu Mahsun Kırmızıgül oder dem auch in Deutschland bekannten Muhabbet.

Türkische Filme sind sehr dramatisch, die Handlung beinhaltet fast immer Verfolgungsjagden oder Romanzen. Ein trauriges Ende ist typisch.

Aber auch die aktuellen Hollywood-Filme werden in den lokalen Kinos gezeigt. Normalerweise werden die Filme in der Originalsprache gesendet, mit türkischen Untertiteln. Die einzigen Ausnahmen sind Kinderfilme, die synchronisiert werden. Nach der Hälfte des Films wird es eine abrupte Pause geben. Die Filmrolle ist dann nicht eingerastet, sondern dies ist die obligatorische zehnminütige Pause, die den türkischen Kinogängern erlaubt, ihre Zigaretten zu rauchen.

Die Welt des Tanzes in der Türkei reicht von regionalen Volkstänzen über klassischem Ballette bis hin zu modernem Tanz. Halay ist dabei etwa ein berühmter Volkstanz, der in einem Kreis getanzt wird, begleitet von einer Trommel oder einer Flöte. Der Bauchtanz wird auch immer wieder der Türkei zugeordnet, obwohl der Ursprung nicht von dort stammt, sondern dem Nahen Osten zugeordnet werden muss. Speziell ausgebildete Tänzer heißen dansöz. Ein Tänzer kann engagiert werden, um im Rahmen einer privaten Feier, für eine Hochzeit oder einen Geburtstag zu performen. Andere erscheinen regelmäßig als Teil eines Cabarets in einem Club oder zu besonderen Shows für Touristen.

Türken beides Geschlechts und jedes Alters schätzen die Fähigkeit und das Training eines Spitzentänzers und zeigen ihre Anerkennung, indem sie ihre Hände klatschen und ihnen einen Schein zustecken, wenn sie am Tisch vorbei kommen. Die Tänzer teilen ihr Geld mit der Musikgruppe. Die Liebhaber der Bauchtänzerinnen sind nicht immer männlich, es sind auch oft ältere, konservative Frauen, welche diese Tänze genießen.

„Spitting Image“ auf Türkisch

Auch das Puppenspiel ist sehr beliebt. Karagöz und Hacıvat sind Schattenspielfiguren (Foto), die in osmanischer Kleidung gekleidet sind. Dies ist eine Volkskunst-Tradition und nicht nur für Kinder gemacht. Politische Satire bedient sich oft dieser Kunstrichtung. Der Karagöz (der Dorftrottel) sagt immer die falschen Worte und ergattert das falsche Ende des Stocks. Hacıvat ist aufgeweckt und setzt ihn immer gerade hin. Diese traditionelle Volkskunst wird dabei oft aktualisiert, um über aktuelle politische Figuren und Themen zu parodieren.

Türken haben einen guten Sinn für Humor und können gut über sich selbst und andere lachen. Sie lieben Nasreddin Hoca und Temel-Witze. Die beiden sind sehr unterschiedlich: Fiktionale Temel-Witze von der Küstenregion am Schwarzen Meer sind normalerweise allerdings eher niveauarm und manchmal enthalten sie gewagte Gags. Temel-Witze projizieren ein Bild des einfachen Volkes, Temel ist immer der Idiot, der viele Fehler macht. Auf der anderen Seite ist Nasreddin Hoca eine anatolische Figur, würdevoller als Temel. Die Art, wie er seine Botschaften vermittelt, ist unkonventionell mit einer tiefgründigen Einfachheit. Man kann sagen, dass Nasreddin Hocas Witze clevere Geschichten sind, welche auf geniale und hintergründige die Mängel der Gesellschaft aufzeigen.

Nehmen Sie sich ruhig Zeit, um in diesen Sommer etwas Freizeit auf türkische Art zu verbringen!