Ein Schaffner gibt das Signal für die Weiterfahrt des Zuges, der symbolisch an die ersten Gastarbeiter in Deutschland erinnert.

Die EU-Osterweiterung und die Finanzkrise in Südeuropa haben die Zahl der Ausländer in Deutschland 2012 so stark steigen lassen wie seit rund 20 Jahren nicht mehr. Mehr als 7,2 Millionen Menschen ohne deutschen Pass wohnten laut Ausländerzentralregister (AZR) Ende 2012 in der Bundesrepublik. Das waren 282 800 Menschen oder 4,1 Prozent mehr als vor Jahresfrist, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte.

Rund 80,52 Millionen Menschen lebten insgesamt Ende 2012 in Deutschland. Damit hatte mehr als jeder Zwölfte keinen deutschen Pass.

Von allen Ausländern in Deutschland waren Türken mit 1,6 Millionen die größte Gruppe. Ihre Zahl ging im Jahresvergleich jedoch erneut zurück, um zwei Prozent – vor allem der zahlreichen Einbürgerungen wegen. Die zweitgrößte Gruppe ausländischer Staatsbürger waren Polen (rund 532 000), gefolgt von Italienern, Griechen und Kroaten.

80 Prozent der neu ins Register aufgenommenen Ausländer stammten aus den EU-Mitgliedstaaten. Die Zahl der Ausländer aus den Staaten, die 2004 beigetreten waren, legte mit 15,5 Prozent besonders stark zu. Vor allem Polen, Ungarn, Rumänen, Bulgaren, Griechen und Spanier ließen sich in Deutschland nieder. Die anderen Menschen – jeder Fünfte – kamen vor allem aus Syrien, China, Indien und der Russischen Föderation. Die ausländische Bevölkerung aus den Nicht-EU-Staaten legte im Jahresvergleich aber insgesamt nur um 1,3 Prozent zu.

Viele Ausländer ziehen nach Bayern

Die meisten Ausländer verlegten 2012 ihren Wohnsitz nach Bayern (plus 65 900), gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Den größten prozentualen Anstieg verzeichnete jedoch Thüringen mit 11,5 Prozent (plus 4300). Die Gesamtzahl von 7,2 Millionen Ausländern könnte allerdings noch korrigiert werden, da der Zensus von anderen, niedrigeren Daten ausgeht. Die Behörden analysieren diese Abweichungen noch. Die meisten Ausländer in Deutschland gab es dem AZR zufolge 1997 mit fast 7,4 Millionen Menschen. Bei einer Revision 2004 war die Zahl dann allerdings nach Behördenangaben um rund 500 000 nach unten korrigiert worden.

Die Vorsitzende des Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR), Christine Langenfeld, nannte den leichten Anstieg der Einbürgerungszahlen „erfreulich”. „Allerdings wird das Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft.” Langenfeld forderte, stärker für die Einbürgerung zu werben. „Vorbildlich ist die Initiative Hamburgs, in einem Brief des Bürgermeisters alle seit acht Jahren in Deutschland lebenden Ausländer auf die Möglichkeit einer Einbürgerung hinzuweisen.” (dpa/dtj)