Die Türkei hat den Abzug von Truppen aus dem Nordirak angekündigt, um nach eigenen Angaben die Spannungen mit der Regierung des Nachbarlandes zu entschärfen. In einer Stellungnahme des türkischen Außenministeriums am Samstagabend war die Rede von Rücksichtnahme auf „irakische Bedenken“ und einer Stärkung des Kampfes gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Erstmals wurde auch „Fehlkommunikation“ mit Bagdad eingeräumt. Wenige Stunden zuvor hatte Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu erklärt, dass die Türkei in Mossul bleiben werde, bis die Stadt „gerettet“ sei.

Am Freitag hatte US-Präsident Barack Obama die Türkei in einem Telefonat mit Staatschef Recep Tayyip Erdoğan aufgefordert, ihre Truppen aus dem Irak abzuziehen sowie die staatliche Souveränität und territoriale Integrität des Nachbarlandes zu akzeptieren, um die Lage im Irak zu deeskalieren. Davon erhofft sich Washington mehr Durchschlagskraft im Kampf gegen den IS.

Die Türkei hatte Anfang Dezember rund 150 Soldaten und 25 Panzer in die Nähe der vom IS besetzten Stadt Mossul entsandt, später einen Teil von dort wieder abgezogen. Die Truppen sollten sunnitische Kämpfer und kurdische Peschmerga für Gefechte mit den Dschihadisten ausbilden. Während die Türkei geltend machte, die Entsendung sei mit Bagdad vereinbart, wertete der Irak die Truppenverlegung als Rechtsbruch und legte Beschwerde bei den Vereinten Nationen ein.