Sigmar Gabriel (4.v.r., Wirtschaft/Energie) stellt am 15.12.2013 in Berlin die Kabinettsmitglieder der SPD vor. Heiko Maas (l-r, Justiz/Verbraucher), Andrea Nahles (Arbeit), Manuela Schwesig (Familie), Barbara Hendricks (Umwelt), Frank-Walter Steinmeier(Außen), Staatsministerin im Kanzleramt für Migration, Flüchtlinge und Integration wird Aydan Özoguz und der neue SPD Bundestags-Fraktionschef Thomas Oppermann - dpa

Die Nachfolgerin von Maria Böhmer steht fest: Aydan Özoğuz (2. v. re.) wird Staatsministerin als Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Sie ist die erste türkischstämmige Frau in der Parteiführung der SPD, wofür sie besonders im Fokus steht. Doch wer ist diese Frau und was steckt alles in ihr? Wer ist Aydan Özoğuz?

„Ich bin Migrantin, aber sehr sesshaft und in Wirklichkeit noch nie migriert”, sagt die Politikerin selbst über sich. Da, wo Hafenfischbrötchen und Elbe hingehören, nämlich in Hamburg, wurde Aydan Özoğuz am 31. Mai 1967 als Kind türkischer Gastarbeiter geboren und wuchs laut ihren Worten in einem „sehr deutschen Umfeld” auf, das sie stark prägte. Ihre Eltern kamen bereits vor der Anwerbung der Gastarbeiter nach Deutschland und führten ein eigenes Unternehmen.

Sie absolvierte ihr Abitur in Hamburg und nahm 1989 die deutsche Staatsbürgerschaft an. Nachdem sie angefangen hatte, im Fach Anglistik mit den Nebenfächern Spanisch und Personalwirtschaft zu studieren, schloss sie 1994 ihr Magisterstudium ab. Nebenbei war sie Mitglied und (für zwei Jahre) Vorsitzende der türkischen Studentenvereinigung Hamburg. Außerdem leitete sie im gleichen Jahr als wissenschaftliche Mitarbeiterin bereits deutsch-türkische Projekte bei der Körber-Stiftung. Seit der Bundestagswahl 2009 ist sie dort freigestellt.

Olaf Scholz bringt Özoğuz in die Politik

Aydan Özoğuz hatte sich zwar schon immer für Politik interessiert, doch sie hatte nie beabsichtigt, in die Politik einzusteigen, bis sie im Jahr 2000 vom damaligen Landesvorsitzenden der SPD, Olaf Scholz, gefragt wurde, ob sie kandidieren wolle. Sie begegneten sich bei einer von der Körber-Stiftung an der Universität Hamburg organisierten Tagung zur Islamischen Theologie an deutschen Universitäten.

Scholz suchte dort das Gespräch mit Özoğuz und gab ihr zwei Tage Bedenkzeit, ob sie für die SPD kandidieren wolle. Scholz‘ Absicht war es, die Sozialdemokraten zu einer Partei zu machen, in der auch Menschen mit Migrationshintergrund aktiv Verantwortung übernehmen konnten.

Seit 2012 war und ist sie Mitglied in verschiedenen Organisationen, unter anderem Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, des Integrationsbeirates Hamburg, des Kuratoriums der Muslimischen Akademie in Deutschland und auch noch anderer Institutionen. Am 5. Dezember 2011 wurde sie stellvertretende SPD-Vorsitzende.

Özoğuz steht gegen Klischees und Schubladendenken. Sie ist in einem liberalen Elternhaus aufgewachsen. Bereits als Kind wusste sie sich selbstbewusst gegen Beschimpfungen wie „Türkengöre” zu wehren und ging ihren eigenen Weg.

Rechtsextreme machen Özoğuz ihre radikalen Brüder zum Vorwurf

Ihre beiden Brüder Yavuz und Gürhan Özoğuz, die das Internetportal „Muslim-Markt” betreiben, gelten hingegen als radikale Muslime. Die beiden Schiiten fallen vor allem durch eine sehr einseitige pro-iranische und vor allem extrem antiisraelische Einstellung auf.

Als Reaktion auf eine Kampagne, die ein rechtsextremes Blog deshalb gegen sie lanciert hatte, betont Aydan Özoğuz, sie fände es „unfair, wenn ich für meine Brüder verantwortlich gemacht würde. Man muss mich nach dem beurteilen, was ich sage und tue. Diesen fairen Umgang mit mir erwarte ich.”

Sie ist mit dem Hamburger SPD-Innensenator Michael Neumann verheiratet und die beiden haben gemeinsam eine Tochter.