Im Fokus: Ayhan Bilgen. Foto: hdp.org.tr

Ayhan Bilgen kommt frei. Ein Gericht in Ankara hat die Entlassung des ehemaligen prokurdischen HDP-Bürgermeisters der osttürkischen Stadt Kars angeordnet. Mit ihm werden drei weitere Angeklagte das Gefängnis verlassen.

Ayhan Bilgen kommt frei. Er dürfe das Land aber nicht verlassen und müsse sich regelmäßig bei den Behörden melden, teilte seine Partei, die prokurdische HDP, am Dienstag auf Twitter mit. Das Gericht habe zudem die Freilassung von drei weiteren Angeklagten unter Auflagen angeordnet.

Bilgen war im Oktober vergangenes Jahr verhaftet und als Bürgermeister der osttürkischen Provinz Kars abgesetzt worden (DTJ-Online berichtete). Der Politiker und 107 weitere Angeklagte müssen sich im Zusammenhang mit den sogenannten Kobane-Protesten in Ankara vor Gericht verantworten.

Kobane-Proteste

Die Demonstrationen Anfang Oktober 2014, zu denen die HDP aufgerufen hatte, richteten sich gegen die Belagerung der syrisch-kurdischen Grenzstadt Kobane durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Die Proteste in mehreren türkischen Provinzen schlugen in Gewalt um, mindestens 37 Menschen wurden getötet. Die HDP spricht sogar von 43 Todesopfern, 27 von ihnen waren demnach prokurdische Demonstranten.

Den Beschuldigten wird nach Anwaltsangaben unter anderem „Zerstörung der Einheit des Staates und Integrität des Landes“ und 37 Mal Totschlag vorgeworfen. Unter den Angeklagten sind die inhaftierten ehemaligen HDP-Vorsitzenden Selahattin Demirtaş und Figen Yüksekdağ. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

dpa/dtj