Erst Ende des Jahres wird feststehen, wie die tatsächlichen Wirtschaftszahlen der Türkei für 2015 aussehen. „Ende dieses Jahres werden wir sehen, welches Bild das Außenhandelsdefizit und die Inflation aufzeigen. Und das wird auch davon abhängen, wie der Ölpreis sich entwickelt“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident und Staatsminister für Wirtschaft, Ali Babacan, bei der Veranstaltung „İhracatın Yıldızları-İhracatı Teşvik Ödülleri“ (Sterne des Exports – Preisverleihung zur Förderung des Exports). Das Land bezieht den größten Teil seines Öls aus den Nachbarstaaten und zahlt dafür in Dollar. Hinzukommt, dass die Landeswährung TL gegenüber dem Dollar massiv an Wert verloren hat, was die Wirtschaft des Landes noch weiter unter Druck setzt.

Türkei braucht Investitionen, Produktion und Export

Babacan betonte vor den Unternehmern, dass die türkische Wirtschaft nur gesund sein könne, wenn ausreichend Investitionen getätigt, produziert und exportiert werde. Zwar sei der innertürkische Verbrauch gut, doch für ein Wachstum reiche das nicht aus, so der stellvertretende Ministerpräsident.

Das Land müsse vor allem exportieren und das möglichst innovative Produkte. Wenn man etwa Gold importiert und anschließend exportiert, bleibt der Gewinn gering – anders dagegen etwa bei Hightech-Produkten. „Ein solcher Export bringt der Türkei etwas“, sagte Babacan.

Babacan moniert mangelnde Rechtsstaatlichkeit

Als größtes Problem für die Türkei sieht der Politiker die mangelnde Rechtsstaatlichkeit. „Die Türkei ist in vielen Bereichen vorangekommen, aber in einem Bereich nicht. Da gab es sogar ein Rückschritt und das ist leider die Justiz. „Wenn wir uns die Umfragen anschauen, landet unsere Justiz leider auf den hinteren Plätzen“, so Babacan.

Derzeit ist es um die Justiz des Landes tatsächlich nicht gut bestellt. Zahlreiche Korruptionsermittler, Staatsanwälte und sogar Richter ließ die Regierung in Ankara verhaften oder versetzen. Auch regierungskritische Journalisten sitzen in Haft, weiteren wird der Prozess gemacht. Internationale Organisationen wie Reporter ohne Grenzen und Amnesty International hatten mehrfach die AKP-Regierung mehrfach kritisiert.