Ali Babacan (r.) war jüngst zu Gast bei Cüneyt Özdemir. "Statistikamt und Zentralbank müssen sofort rechtlich unabhängig werden", forderte der Parteichef von Deva in der Sendung des bekannten Journalisten. Foto: Screenshot/Youtube

Trotz der starken Abwertung des Landeswährung Lira hat der türkische Präsident aufs Neue seine Politik der niedrigen Leitzinsen verteidigt. Deva-Chef Ali Babacan vermutet ein Mangel an Wissen.

„Zinsen machen die Reichen reicher und die Armen ärmer“, sagte Recep Tayyip Erdoğan einem Bericht der Staatsagentur Anadolu zufolge am Sonntag. Er werde nicht zulassen, dass sein Volk von Zinsen zermürbt werde.

Die türkische Notenbank hatte den Leitzins am Donnerstag erneut gesenkt. Die Währung erreichte daraufhin ein neues Rekordtief zu Dollar und Euro. Die Notenbank stellte sich damit hinter die umstrittene Wirtschaftspolitik des türkischen Präsidenten.

Babacan: „In Europa gibt es sogar Negativzinsen“

Der ist entgegen der gängigen Lehrmeinung der Ansicht, dass hohe Zinsen Inflation verursachen statt sie zu bekämpfen. Gleichzeitig beruft sich der Präsident auf islamische Ansichten (Anm. der Redaktion: Er verwendet den Begriff „Nas“, was so viel wie „Islamisches Gesetz“ bedeutet.) Der Leitzins wurde zuletzt von 15 auf 14 Prozent gesenkt. Es war die vierte Leitzinssenkung in Folge. Die Inflationsrate liegt zurzeit offiziellen Angaben zufolge bei 21 Prozent.

Der frühere Wirtschaftsminister und jetzige Oppositionspolitiker Ali Babacan forderte Erdoğan auf, entweder die weltweit anerkannte Lehrmeinung oder die islamische Lehrmeinung zu verwirklichen. „Wenn es ein „Nas“ ist, müsste er die Zinsen auf Null senken. In den USA gibt es sie schon, in Europa sogar Negativzinsen“. Der Präsident kenne sich nicht aus. „Er denkt, dass er sich auskennt. Niemand will hohe Zinsen. Wissen Sie, wie der Leitzins sinkt? Wenn unabhängige staatliche Organisationen Vertrauen ausstrahlen. Der Leitzins sinkt, wenn Gerichte unabhängig entscheiden. Der Leitzins sinkt, wenn qualifizierte Personen das Sagen haben.“

Am Montag verlor die Landeswährung weiter an Wert. Für einen Euro wurden erstmals fast 20 Lira notiert.

dtj/dpa