Am Abend des 31. August ist es wieder soweit. Das jährliche Kurban-Fest, besser bekannt als das Opferfest, steht vor der Tür und die Muslime verfallen voraussichtlich ab dem 1. September, also nach dem Festgebet am Morgen, in eine Feierstimmung. Während sich zeitgleich Millionen Muslime weltweit in der heiligen Pilgerstätte von Mekka und Medina aufhalten und zu Gott beten, bereiten sich die Muslime zu Hause darauf vor, am Opferfest einen freudigen Tag zu erleben. Im Zentrum dieser Feierlichkeit steht das Schlachten eines Tieres. Sowohl die Pilgerer, als auch die übrigen Muslime auf der Welt sind dann angehalten, ein Opfer für ihren Schöpfer zu erbringen. Der islamische Glaube gibt dabei vor, welche Tiere geschlachtet werden dürfen und welche Kriterien erfüllt sein müssen. Die vorgeschriebenen Tierarten sind Kamele, Rinder, Schafe und Ziegen beiderlei Geschlechts. Das vorgeschriebene Alter muss eingehalten werden. Bei einem Kamel sind es fünf Jahre, bei einer Ziege mindestens ein Jahr, Rinder frühestens im zweiten Lebensjahr und Schafe ab sechs Monaten. Zudem spielt es eine erhebliche Rolle, dass die Opfertiere frei von Geburtsfehlern oder Krankheiten sein müssen. Auch Verletzungen und Mängel an der Hufe eines Tieres kann schnell ein Ausschlusskriterium sein.

Spenden steht im Mittelpunkt

Diese Tradition ist in der Thora, der Bibel und dem Koran auf den Propheten Abraham zurückzuführen. Insofern hat es auch einen verbindenden Charakter. An diesem Tag opfern die Muslime ein Tier für ihren Gott und verteilen das Fleisch. Das Fleisch eines Opfertieres darf nur bedingt selbst verzehrt werden. Das Verteilen des Fleisches ist vordergründig und dieses Fest erfüllt also primär einen gesellschaftlichen Zweck. In der Türkei und in vielen muslimischen Ländern wird das Fleisch zunächst an enge Verwandte und dann an die Nachbarn verteilt. Auf den Straßen in muslimisch geprägten Ländern steigen dann wohlig riechende Düfte aus kochenden Töpfen und in jedem Haushalt gibt es kostbares Fleisch auf dem Tisch. In der Türkei sind die Fleischpreise momentan so hoch, dass viele Menschen beim Opferfest nach langer Zeit zum ersten Mal rotes Fleisch verzehren. In ärmeren Regionen der Türkei, aber auch in vielen Hauptstädten müssen Menschen notgedrungen traditionelle Rezepten anpassen. So ersetzt Hähnchenhackfleisch vielerorts längst das normale Hackfleisch. Selbst die türkische Pizza oder gefüllte Fleischbällchen (Icli Köfte) werden in zunehmenden Regionen aus Hähnchenhackfleisch gebacken, respektive gebraten.

Spenden in die Türkei – Trotz wirtschaftlichem Aufschwung sinnvolle Überlegung

Obwohl die türkische Regierung mit den Werten der heimischen Wirtschaft zufrieden scheint und keine Gelegenheit auslässt, finanzielle Kraft und Stärke zu demonstrieren, sieht es in der Bevölkerung anders aus. Die traditionelle türkische, kurdische, aber auch die arabische und armenische Küche der Türkei ist eigentlich geprägt von Lamm, bzw. Rindfleisch. Doch die Preise sind sehr hoch. Ein Kilo Rindergehacktes kostet laut der türkischen Behörde für Fleisch und Milch (Et ve Süt Kurumu) aktuell knapp 30 Türkische Lire. Ein Kilo Rinderfilet kostet demnach ab 65 Türkische Lire. Die besonders bevorzugten Lammkoteletts kosten in der Türkei aktuell ab 50 Türkische Lire pro Kilo, ein Kilo Lammhack ab 40 Türkische Lire. Deshalb gibt es unter den Türken in Europa einen seit vielen Jahren bestehenden Trend, das Geld für ein Opfertier an die Verwandtscahft in der Türkei zu überweisen, da es dort einen größeren Bedarf gibt. Besonders in Deutschland sind die Fleischpreise, verglichen mit der Türkei, erschwinglich. Muslime, die das Geld für ihre Opferspenden an Verwandte in der Türkei überweisen, kaufen im Vorfeld des Opferfestes frisches Fleisch vom Metzger ein und bereiten sich anlässlich der Feiertage besondere Fleischgerichte zu.

Spenden in noch ärmere Länder auch beliebt

Doch es gibt immer noch größere Krisen und Armutsregionen auf der Welt, in der die Menschen nahezu gar nichts zu essen haben. Während Menschen in der Türkei zumindest auf Hähnchen zurückgreifen können, sind viele Länder in Afrika und auch in Asien, insbesondere in muslimisch geprägten Ländern von vernichtender Armut betroffen. Das Bewusstsein gegenüber dieser weltweiten Armut, die das Leben vieler Kinder bedroht, ist in der wohlhabenden muslimischen Community, besonders unter den Muslimen in Europa, geschärft. Seit Jahren erreichen diese Regionen Tausende von Geldspenden, mit denen in diesen Ländern am Opferfest Tiere geschlachtet werden. Hilfsorganisationen und ehrenamtliche Engagierte reisen dann in diese Länder und verteilen das Fleisch an Bedürftige. Eines dieser Hilfsorganisationen ist Time to Help e.V. mit Sitz in Offenbach am Main.

„Viele Menschen finden weder am Kurban-Fest, noch an gewöhnlichen Tagen Zugang zu Fleisch. Diesen Menschen gilt es zu helfen. Deshalb reisen wir vorrangig in Entwicklungsländer. Damit wollen wir dem Anspruch des islamischen Gebots zum Kurban-Fest gerecht werden“, erklärt ein Sprecher von Time to Help ihre Motivation. Dabei werden die Mitarbeiter der Hilfsorganisation Time to Help von Freiwilligen unterstützt. „Oftmals reisen Interessierte aus Deutschland mit und helfen uns beim Verteilen des Fleischs“. Damit sich die Spender sicher sein könne, dass ihre Spenden und Gelder nicht zweckentfremdet werden, werde „die Schächtung und das Verteilen über mitgereiste Ehrenamtler im Namen der Spender“ vollzogen. Die einzelnen Etappen dieser traditionsreichen Spendenaktion würden jedes Jahr als Video dokumentiert werden. Dabei werden auch die Namen der Spender aufgerufen und auch der Schächtungsprozess mit aufgezeichnet. Auf Wunschäußerung von Spendern gibt die Hilfsorganisation Time to Help die entsprechenden Stellen aus der Dokumentation an die Personen raus.

Time to Help lädt ein

„Wir freuen uns, wenn Sie und weitere Interessierte uns auf unseren Reisen begleiten würden. Das entspricht auch unserem Prinzip der Transparenz. Wir wollen unsere Arbeit transparent durchführen“, so die offizielle Einladung der Hilfsorganisation auf der eigenen Webseite. Eine beliebte Alternative für viele Gläubige und Humanisten, die den Menschen in den ärmsten Regionen der Welt einen kleinen Trost spenden wollen.

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