Der Bayerische Rundfunk hat es gut gemeint. Ein Halbmond versah die Beiträge zum diesjährigen Ramadan, mit denen man eine Normalisierung in der Darstellung von muslimischem Leben in Deutschland unterstützen möchte. Nun hat ein Shitstorm im Netz und darüber hinaus schnell dafür gesorgt, dass das Ramadan-Logo wieder verschwand. Der BR besteht aber auf seinem Programmschwerpunkt und sendet wohltuende Beiträge in Hörfunk und Fernsehen, was jenseits der sonst üblichen Katastrophenberichterstattung das normale Leben der Menschen abbildet. Nun ja, schon wieder das außergewöhnliche Leben, denn das Fasten an den langen Sommertagen bedeutet schon eine besondere Anstrengung. Aber man sieht und hört erfreute Menschen, die diesen Monat als besonders besinnlich empfinden.

Wie kommt der Bayerische Rundfunk zum Ramadan?

Zum Ziel des Projektes sagt der Programmverantwortliche Andreas Bönte im Spiegel-Interview (25.06.2015): „ Ich glaube, es ist wichtig, dass man richtige und umfassende Informationen zu dem Thema liefert. Es geht uns als Sender darum, Vorurteile abzubauen und unseren Zuschauern und Hörern mehr Kenntnisse über den Islam zu vermitteln. Allein in Bayern leben rund 500.000 Muslime, auch sie haben Anspruch darauf, in den Programmen des Bayerischen Rundfunks präsent zu sein. Der BR-Themenschwerpunkt Ramadan ist ein Zeichen der Anerkennung gegenüber unseren muslimischen Mitbürgern und soll zugleich allen Zuschauern breiteres Wissen über den Ramadan vermitteln. Denn oft beherrschen Vorurteile das Denken über Religion und Kultur.“

Tatsächlich entrichten Muslime ihren Rundfunkbeitrag und demnach haben auch sie einen Anspruch auf Repräsentanz im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Diese Normalisierung hätten wir freilich schon vor 20 Jahren oder mehr gebraucht, denn auch damals wurde gefastet und im Ramadan gefeiert. Die Iftar-Einladungen für Nichtmuslime gehören schon seit vielen Jahren zum festen Repertoire vieler Muslime im Ramadan.

Richtige Entscheidung, falscher Zeitpunkt?

Das Problem in der aktuellen Situation ist die aktuelle Situation. Die eigentlich richtige Entscheidung – solange wir ein säkularer und kein laizistischer Staat sind –Muslime in der Feiertagsberichterstattung gleich zu stellen und ihnen ihren rechtmäßigen Platz in den Medien zu gewähren, findet aktuell in einer aufgeheizten Stimmung statt. Diese schlägt sich nieder in hetzerischen Internetforen und neuerdings auch auf den Straßen in Form von Hogesa- und Pegida-Demonstrationen. Das Thema Terror bleibt gleichzeitig weiterhin dominant in den Medien und wird vor allem Muslimen angelastet – und weniger geostrategisch verortet oder im Kontext der Kriege in der sog. Islamischen Welt gedeutet.

In dem Kontext ist die Stimmung vergiftet und da bedienen Programme, wie das des BR oder auch des Deutschlandfunks, neuerdings Koranstellen zu interpretieren, eher die Verschwörungstheorie von einer Islamisierung Deutschlands. Ganz im Duktus verschwörungstheoretischen Denkens meinte auch ein Kritiker des Bayerischen Rundfunks, man kooperiere nun wohl mit Al Jazeera.

Die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte sind nur schwer wieder auszubügeln, wie wir an dem aktuellen Beispiel sehen können. Dennoch führt kein Weg an einer Normalisierung vorbei – das hat der BR erkannt und ändert nichts am Programm. Dies war vor Jahren noch anders, als der SWR eine Serie zum „Islam“ ausstrahlte, in der viele der erstellten Beiträge nicht gesendet wurden, weil sie für „zu verharmlosend“ gehalten wurden.