Befriedung des Nahen Ostens durch Energie aus dem Mittelmeer

Politische Verstimmungen werden häufig durch schwierig zu lösende Energiefragen begünstigt, vor allem im Nahen Osten nähren auch solche die jahrzehntelangen Konflikte. Dort konzentrieren sich große Mengen an Energieressourcen auf ein paar wenige Länder, während viele andere kaum fossile Rohstoffe besitzen und sich um die Aufrechterhaltung ihrer Wirtschaft große Sorgen machen. Das sorgt für eine explosive Stimmung unter den Ländern des Nahen Ostens. Für die meisten Länder ist es ein Kampf ums Überleben in einer Region, die wie keine andere in der Welt hochgerüstet ist und wo man einander nichts schenkt.

Nicht ohne Grund gehört der Orient zu den gefährlichsten Krisenherden der Welt. Nach mehreren Kriegen, mittels derer sich die Supermacht USA im Orient Respekt und Geltung erkämpfte, dem anscheinend nicht enden wollenden Israel-Palästina-Konflikt und dem 2010 ausgebrochenen Arabischen Frühling befindet sich die Region mitten in einem noch nie dagewesenen Umbruch. Zudem konnte sich das kleine Zypern vor wenigen Monaten nur knapp einem folgenreichen Staatsbankrott entziehen.

Schließlich wären da vor allem auch noch zwei alles entscheidende Akteure der Region zu nennen. Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel lagen bis vor kurzem noch vollständig auf Eis. Nachdem Präsident Obama vor einigen Wochen beiden Parteien in diesem Zusammenhang Starthilfe gegeben hatte und vermittelte, befinden sich beide Mächte erstmals seit den Vorkommnissen rund um die Marmara-Flottille auf einem Annäherungskurs. Das schafft Hoffnungen. Vor allem im Bereich der energiepolitischen Zusammenarbeit erwartet sich die Türkei noch mehr an Kooperationsmöglichkeiten mit Israel.

Türkei möchte einen Platz am Verhandlungstisch

Mit der Entdeckung eines riesigen Erdgasfeldes von circa 3 Billionen Kubikmetern im Mittelmeer waren heftige Auseinandersetzungen zwischen der Türkei, Zypern und Israel entstanden. Es geht dabei hauptsächlich um die Frage, wer sich diese Rohstoffe aneignen darf. Offensichtlich geht es bei dieser Menge Erdgas um sehr viel Einfluss und Kapital, dass alle Parteien am liebsten alleine für sich vereinnahmen würden. Griechisch-Zypern beabsichtigte anfänglich, das Gas alleine mithilfe der Israelis auszubeuten. Dem aber widersprach die türkische Regierung in Ankara vehement und wies darauf hin, dass Bewohner des türkischen Teils der Insel das gleiche Recht auf Zugang zu diesen Ressourcen haben wie die griechischen Zyprer.  

Präsident Abdullah Gül wurde am vergangenen Freitag noch deutlicher und äußerte sich auf einer Energiekonferenz in Istanbul mit folgenden Worten: „Ich glaube, dass alle Projekte bezüglich der Erdölfelder im östlichen Mittelmeerraum zum Scheitern verurteilt sind, wenn sie nicht alle Akteure der Region einbeziehen. Dazu zähle ich selbst Ägypten und den Libanon. Selbstverständlich gehören aber auch Israel und Zypern mit dazu.“

Im Grunde genommen spielt Zypern in der Entscheidung um die Förderrechte kaum eine entscheidende Rolle, denn aufgrund seiner hohen Verschuldung wäre es aus eigener Kraft ohnehin nicht mehr in der Lage, die Rohstoffe zu fördern. Wenn die Türkei einen Anteil an den Energieressourcen vor seiner Küste haben möchte, muss sie sich mit Israel einigen. Eine enge Kooperation mit dem jüdischen Staat scheint mittlerweile auch wieder möglich. Das sehen auch die türkischen Staatsführer so, denn seit der Entschuldigung Israels für das Unglück auf der „Mavi Marmara“ steht einer gemeinsamen Zusammenarbeit nichts mehr im Weg. Nun warten sie auf Israels Initiative.

Zypern und Israel sind sich bewusst, dass, wenn sie die Türkei von der Ausbeutung des Erdgasfeldes fernhalten, dies für sie ernsthafte Folgen haben kann. Die Türkei möchte sich, wenn es um lukrative Energieträger geht, nicht wie ein Spielball behandeln lassen und drohte mit einer Blockade des Projektes. Selbst eine militärische Intervention will die Regierung nicht ausschließen.

Laut Abdullah Gül, dem türkischen Präsidenten, will die Türkei auch Europa mit Gas aus dem östlichen Mittelmeer verlinken und würde so zu einem wichtigen Transitland der Region werden. „Es wäre die einfachste und kostengünstigste Möglichkeit, wenn alle mit uns kooperieren und nicht versuchen, uns zu umgehen“, fügte er schließlich hinzu.
Mit der Einbeziehung der Türkei in den Förderprozess könnten sich die Feindseligkeiten und Ressentiments, welche die Beziehungen zwischen den Ländern lange hatten, am Ende auflösen. Stattdessen könnte sich eine freundschaftliche Beziehung und Kooperation, basierend auf dem gemeinsamen Streben nach Wohlstand in der Region, etablieren.