Begeisterung und Kurzweil bei World-Media-Akademie

Dass der Journalismus in einer Krise steckt, scheint allgemein bekannt zu sein: Sinkende Auflagenzahlen und Werbeerlöse machen den Verlagen zu schaffen und im Internet lässt sich bislang kaum Geld verdienen. Die Zukunft sieht also düster aus. Etwa 40 junge Menschen, die das anders sehen, trafen sich im Mai und Juni an vier Sonntagen, um bei der World Media Akademie über Journalismus und Medien zu lernen und zu diskutieren. Veranstalter war das Medienunternehmen World Media Group, dem neben der Tageszeitung Zaman und dem Fernsehsender Ebru TV auch das Deutsch-Türkische Journal (DTJ-Online) gehört.

An den vier Veranstaltungstagen standen vielfältige Themen auf dem Programm. Spiegel-Redakteur Gordon Repinski berichtete beim ersten Termin über den spannenden, aber oft sehr stressigen Alltag eines Magazin-Journalisten.

Süleyman Bağ, Chefredakteur von DTJ-Online, sprach über die veränderten Arbeitsbedingungen für Journalisten im Internetzeitalter. „Online-Journalismus ist nicht bloß eine weitere Darstellungsform, wie Print, Fernsehen oder Radio. Es verbindet deren Elemente miteinander und verändert die grundsätzliche Arbeitsweise.“

Debatten in der Teepause

Die Veranstaltungen fanden in den Räumen der Hochschule für populäre Künste statt, die der World Media Akademie kostenfrei zur Verfügung gestellt wurden. Einer der Redner, der den Weg nach Berlin-Charlottenburg fand, war auch Georg Streiter. Der stellvertretende Regierungssprecher erzählte lehrreich und unterhaltsam von der Arbeit im Bundespresseamt, und dass viel Wert auf Details gelegt werde. „Mit einem falschen Wort kann man sich viel Ärger einhandeln“, warnte Streiter scherzhaft: Denn, ob man jemandem sein „volles“ oder sein „vollstes Vertrauen“ ausspricht, habe für die meisten Menschen im alltäglichen Leben keine Bedeutung. In seiner Position könne man damit aber für große Aufregung sorgen.

Die Motivation und der große Enthusiasmus der Teilnehmer waren an jedem Seminartag zu spüren: Nach jedem Vortrag wurden den Referenten Löcher in den Bauch gefragt, sodass einige Diskussionsrunden von den Veranstaltern abgebrochen werden mussten, damit der Zeitplan zumindest rudimentär eingehalten werden konnte. Viele Debatten wurden auch in den Tee- und den Mittagspausen zwischen Saft und Salat leidenschaftlich fortgeführt. Die vielfältigen Hintergründe der Teilnehmer bereicherten die Gespräche um verschiedene Perspektiven.

Einige Vorträge hatten einen starken praktischen Anteil. Der erfahrene Spiegel-Journalist Michael Sontheimer gab etwa Ratschläge, wie man erfolgreiche Interviews führt: „Man muss darauf achten, sich selbst zurückzunehmen, dem Partner das Wort zu geben“, so Sontheimer, trotzdem solle man als Fragensteller stets „die Zügel in der Hand“ behalten.

Ehrung der drei besten Artikel

Die Sprachtrainerin Elisabeth Schmidt-Langenberger sprach über die Kunst, einfach und präzise zu schreiben. In einem praktischen Teil formulierten die Teilnehmer die kryptischen Sätze teils erfahrener Journalisten um und waren erstaunt, wie einfach sich ein noch so kompliziert klingender Satz ausdrücken lässt.

Am letzten Veranstaltungstag appellierte der Internet-Unternehmer Coşkun Tuna dafür, dass alle jungen Journalisten bloggen sollten und gab praktische Tipps zu Technik, Vermarktung, und Geschäftsmodellen.

Drei Teilnehmer wurden im Schreibwettbewerb der World Media Akademie besonders geehrt. „Unsere Jury tat sich wirklich schwer bei der Auswahl der drei besten Beiträge. Wir hatten viele gute Artikel“, sagte Saliha Balkan, die die Prämierten auszeichnete.

Für die Juristin Hasibe Dündar, eine der Organisatorinnen der Akademie, war der Workshop ein voller Erfolg.

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Fortsetzung geplant

Der stellvertretende Direktor des Kooperationspartners Axel-Springer-Akademie, Rudolf Porsch gab den Nachwuchsjournalisten der World Media Akademie bei der Zertifikatsübergabe noch einige Ratschläge mit auf den Weg: „Unser Beruf ist der beste der Welt, doch darin kommt es auf zwei Dinge an: Man braucht ein klares Ziel und Beharrlichkeit“, sagte er bei seiner sehr persönlichen Ansprache. Auch eine hohe Frustrationstoleranz sei gerade zu Beginn der Karriere wichtig.

Nach dem letzten gemeinsamen Gruppenfoto und dem abschließenden Tortenessen kam bei vielen Teilnehmern ein wenig Wehmut auf: „Schade, dass es vorbei ist“, meinte ein Teilnehmer.

Nach der gelungenen Premiere in Berlin soll die World Media Akademie künftig einmal im Jahr in der Hauptstadt stattfinden.