Mit 16 Jahren wurde Berivan Elif Kılıç aus der Provinz Diyarbakır zwangsverheiratet, mit 28 entkam sie der von Gewalt geprägten Ehehölle. Nun ist sie Bürgermeisterin und verteidigt die Rechte der Frauen wie auch das Ansehen der Religion.

Die Kommunalwahlen der Türkei haben vielerorts für Überraschungen gesorgt. Die prokurdische Partei für Frieden und Demokratie (BDP) hat in Kocaköy, einem Bezirk der Provinz Diyarbakır, mit 76,5% überlegen die Wahl gewonnen. Eine der Bürgermeisterinnen wird damit Berivan Elif Kılıç. Die Erfolgsgeschichte wurde der Kandidatin dabei nicht in die Wiege gelegt: Kılıç wurde im Kindesalter verheiratet und war in ihrer Ehe häuslicher Gewalt ausgesetzt.

Besonders ist außerdem, dass Kılıç als Kandidatin der als sozialistisch geltenden BDP ein Kopftuch trägt. Ihren Erfolg sieht Kılıç nun auch als Anlass, diffamierenden Behauptungen über die Religion entgegenzutreten. So sagte sie wörtlich: „Ich wurde mit 15 Jahren verlobt. Mit 16 wurde ich mit meinem Cousin verheiratet. Mit 17 bekam ich mein erstes Kind und mit 28 habe ich mich scheiden lassen. Im Moment habe zwei Kinder und lebe seit fünf Jahren mit meiner Familie zusammen. Mein Leben hatte sich verändert, als sie mich von der Schule genommen hatten und verheirateten. Ich habe in meiner Ehe nur häusliche Gewalt erlebt. Als ich für meine Kinder geweint habe, habe ich das auch für die anderen Kinder gemacht.”

„Mir wurde gesagt, dass meine Mutter und meine Großmutter auch häuslicher Gewalt ausgesetzt waren, deshalb würde ich das auch so hinzunehmen haben. Dies wurde als Schicksal aufgefasst. Ich habe aber die Frauen aufgefordert, ihre Rechte einzufordern. Sie haben auch versucht, die Religion zu missbrauchen. Im Islam stehe der Mann über der Frau, haben sie gesagt, deshalb habe der Mann das Recht, die Frau zu schlagen und sie zu Hause einzusperren, wenn er es möchte. Eine Frau dürfe sich nicht scheiden lassen, haben sie auch gesagt. Der Islam ist aber eine Religion der Barmherzigkeit und des Gewissens. Es ist keine Religion der Unterdrückung und Tyrannei. Ich konnte es nicht hinnehmen, dass mein Ehemann mich misshandelt. Ich war schon immer ein Dickkopf gewesen, das wurde mir auch immer gesagt. Als ich mein Recht in Anspruch genommen habe, habe ich auch versucht, den anderen Frauen ein gutes Vorbild zu sein.“