Berkin Elvans Fotos werden von zwei Personen hochgehalten.

Berkin war am Abend des 16. Juni gerade auf dem Weg, um Brot zu kaufen, als er im Stadtteil Okmeydanı aus kurzer Entfernung von einem Tränengasgeschoss der Anti-Krawall-Einheit der Istanbuler Polizei getroffen wurde. Seither lag der Junge im Koma, insgesamt 269 Tage. In einer Pressemitteilung hatte der Anwalt der Familie Elvan verlautbart, dass Berkin nur noch 16 Kilogramm wiege und die Widerstandsfähigkeit seines Körpers und seine Gehirnfunktionen in tiefgreifender Weise beeinträchtigt seien.

Staatspräsident Abdullah Gül rief daraufhin den Vater an, fragte nach dem Gesundheitszustand des Kindes und wünschte ihm eine schnelle Genesung. Am Dienstagmorgen teilte die Familie auf Twitter Berkins Tod mit: „Wir haben unseren Berkin heute Morgen um 7 Uhr verloren. Möge er in Frieden ruhen.“ Damit stieg die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit den Gezi-Protesten auf mittlerweile acht Personen, darunter auch ein Polizeibeamter.

Im Anschluss an die Nachricht vom Tod des Jungen versammelte sich spontan eine Menschenmenge vor dessen Sterbekrankenhaus. Als Polizeifahrzeuge außerhalb des Krankenhauses ankamen, errichteten einige Personen Barrikaden und attackierten die Fahrzeuge mit Steinen und Stöcken. Die Polizei setzte daraufhin Tränengas ein. Zur Abfeuerung von Warnschüssen kam es auch, als Personen aus der Demonstrantengruppe von einer Brücke aus Steine auf Polizeifahrzeuge warfen, die auf der E-5-Autobahn nahe Okmeydanı unterwegs waren.

Vom Twitter Account Berkin Elvan

CHP-Abgeordnete kritisiert „maßlosen“ Polizeieinsatz

Die Abgeordnete der oppositionellen Republikanischen Volkspartei (CHP), Melda Onur (Istanbul), gab gegenüber der Hürriyet an, dass sich die Menschen lediglich zu einer stillen Mahnwache vor dem Krankenhaus versammelt hätten und erst auf das Eintreffen der Polizeifahrzeuge reagiert hätten. Sie kritisierte den Einsatz von Tränengas in Krankenhausnähe und ging davon aus, dass auch Patienten der Klinik davon beeinträchtigt worden seien. Onur nannte den Einsatz der Polizei „maßlos“.

Derzeit versammeln sich Dutzende Menschen vor den Toren der forensischen Einrichtung in Istanbuls Stadtteil Yeni Bosna, wo der Leichnam des Jungen einer Autopsie unterzogen wird. Eine Untersuchung, unter welchen Umständen Berkin Elvan von einer Tränengaspatrone getroffen wurde und welche Polizisten dafür verantwortlich sind, wurde bislang nicht eingeleitet.

Die Beerdigung Berkins findet am Mittwoch statt. Er soll auf dem im europäischen Teil Istanbuls gelegenen Feriköy-Friedhof seine letzte Ruhe finden.

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