Der Fernsehturm am Alexanderplatz.

Die deutsche Hauptstadt wird sich hervorragend entwickeln – so stellt es jedenfalls das „Szenario 2030“ der Industrie- und Handelskammer und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Aussicht. Und auch wenn es sich mit 2030 um einen langen Prognosezeitraum handelt: Die Analysten bewerten die Ergebnisse als „realistischen Weg“. Berlin werde sich schon bald als überdurchschnittlich wachsende Metropole mit einer innovativen und international wettbewerbsfähigen Industrie- und Dienstleistungswirtschaft etablieren, so die These.

Mit Verlaub: Berlins gegenwärtige sozioökonomische Entwicklung gehört zu den spannendsten in ganz Europa. Direkt nach der Wiedervereinigung wurde der Stadt von allen Seiten eine besonders hohe wirtschaftliche Dynamik prognostiziert. Doch wie wir schmerzlich feststellen mussten, sah die Realität zunächst anders aus. Der unmittelbar einsetzende Strukturwandel ließ die Wirtschaftsleistung Berlins einbrechen und führte zu hoher Arbeitslosigkeit.

Außenwahrnehmung sagt immer noch anderes aus

Seit 2005 jedoch holt Berlin das in den Jahren zuvor versäumte Wachstum auf. Besonders erfreulich ist dabei der deutliche Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Dieser positive Prozess spiegelt sich bislang allerdings weder in Berlins Außenwahrnehmung wider, noch in den wenigen existierenden Studien, die eine Wachstumsprognose für die nächsten zehn bis 15 Jahre wagen.

Bis 2020 könnte Berlins Wirtschaftsleistung immerhin den Bundesdurchschnitt erreichen. Und bis 2030 dem Rest des Landes sogar enteilen. Und besonders erfreulich für die lange Zeit strukturschwache Hauptstadt: „Im Jahr 2030 wird die Region Berlin-Brandenburg als attraktiver regionaler Wirtschaftsraum weltweit geschätzt.“

Offensichtlich sind verschiedene Faktoren, welche die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung Berlins maßgeblich positiv beeinflussen könnten, bis dato gar nicht oder nur unzureichend analysiert worden. Hierzu könnten unter anderem gehören: die hervorragende Berliner Forschungslandschaft, die hohe Dichte an qualifizierten Fachkräften, die zahlreichen vielversprechenden Unternehmensgründungen, der Hauptstadtbonus, die besondere Lebensqualität, welche Berlin als Zentrum urbanen Lebens bietet und die wirtschaftliche Dynamik, die durch die anhaltende Einwanderung geschaffen wird.

Berlin muss attraktiv für Zuzügler bleiben

Am wichtigsten ist aber: Berlin muss weiterhin für Zuzügler attraktiv bleiben, denn der Fachkräftemangel bleibt auch in Deutschlands größten Stadt nicht aus. Wichtig ist, dass vor allem die Potenziale im Bildungssektor effizient genutzt werden. Auch der Bereich der Forschung muss vorangetrieben werden. Die kulturellen Ressourcen der Bundeshauptstadt nehmen dabei eine besondere Leuchtturmfunktion ein.

Auch sprechen die noch frei verfügbaren Flächen in und um Berlin für eine künftige Expansion, denn auch das wird in der Regel als wichtiger Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Städten angesehen.