Berlinale Werbung in Berlin

Der türkische Film mag in diesem Jahr noch keinen Platz im Hauptwettbewerb zu haben, aber die Berlinale 2014 wird als das Jahr mit der größten Anzahl an türkischen Filmen im Wettbewerb in Erinnerung bleiben.

In der Reihe „Panorama“ präsentiert der Gegenwartskünstler und Regisseur Kutluğ Ataman seinen Film „Kuzu“ (Das Lamm), fast schon ein Favorit auf dem Festival und wegen seines schwarzen Humors bereits vielfach diskutiert. Gefilmt in einem Dorf in der Nähe der Provinz Erzincan in Ostanatolien zeigt der Film eben nicht das zu erwartende türkische Provinzdrama, mit lockerem Erzählstil und ewig langen Kameraeinstellungen, in denen der Blick des Hauptdarstellers minutenlang melancholisch den Horizont entlang schweift. Nein!

Das Drama im Kleinen

„Kuzu“ zeigt die Geschichte einer Familie mit zwei Kindern, die versucht, in einem ökonomisch unterentwickelten Gebiet über die Runden zu kommen. Die Mutter (Nesrin Cavadzade) müht sich, für ihren kleinen Sohn eine würdige Beschneidungsfeier auf die Beine zu stellen, um die Redlichkeit ihrer Familie gegenüber den Dorfbewohnern unter Beweis zu stellen. Doch aufgrund einer Reihe von überzeugend dargestellten und humorvollen Brüchen in der Handlung laufen die Planungen der Mutter aus dem Ruder und münden in eine hintersinnige Rebellion, aus der alle heuchlerischen Dörfler – ihr Mann eingeschlossen – ihre Lehren zu ziehen haben.

Ruhe, wo keine Ruhe ist

Der in der Reihe „Forum“ laufende Film „Kumun Tadı” (Seaburners) von Melisa Önel versetzt uns in den Nordwesten des Schwarzen Meeres, in eine türkische Küstenstadt. Der Film beschäftigt sich mit seinen beiden Hauptakteuren Hamit (Timuçin Esen) und Denis (Mira Furlan) mit dem Thema Mobilität und Immobilität und dem Gefühl der Stagnation. In einem Seitenstrang der Erzählung geht es um illegale Immigranten, die auf eine Gelegenheit warten, nach Europa zu kommen. Lover Hamit entpuppt sich als Menschenschmuggler, dessen Verhalten Denis nicht versteht. Am Schluss steht die Katastrophe.

Auf der Suche nach der neuen Identität

„Mavi Dalga“ (Die blaue Welle) von Zeynep Dadak and Merve Kayan hat im letzten Jahr beim Filmfestival „Altın Portakal“ („Goldene Orange“) in Antalya drei Auszeichnungen, einschließlich der Auszeichnung für den besten Erstlingsfilm erhalten. Er beschreibt Höhen und Tiefen im Leben der 16-jährigen Deniz, den Übergang von der unbeschwerten Jugend ins Erwachsenenalter mit all seinen Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten.

Leben in einer verkehrten Welt

Der Film „Were Dengê Min“ (Folge meiner Stimme) von Hüseyin Karabey erzählt die Geschichte der kleinen Jiyan, die sich Sorgen um ihren Vater macht, der von der Polizei verhaftet wurde, weil er angeblich ein Aufständischer sei. Er soll erst wieder freigelassen werden, wenn die Familie sein Gewehr abgegeben hat. Allein, er hatte nie eines besessen. Also begibt sich die kurdische Großmutter Berfé in die Berge auf der Suche nach einem Gewehr. Atemberaubende Landschaften, Prüfungen und Drangsale in einer Umgebung, die vom Militär beherrscht wird. Intelligent und anrührend erzählt, ganz in der Tradition mündlich weitergegebener Geschichtenerzählung.

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