Von Verhältnissen wie im Silicon Valley sind Berliner Start-Ups noch weit entfernt. Während in New York mit 4,5 Milliarden US-Dollar und in Kalifornien gar 26 Milliarden US$ (nach 22 Mrd. im Jahr 2013) an Investitionen in Neugründungen flossen, nimmt sich die Bundeshauptstadt dagegen mit 950 Millionen Euro (umgerechnet 1,1 Mrd. US$) bescheiden aus. Allerdings hat man mit diesem Wert bereits durchaus zu London aufschließen können, wo im Vorjahr der New York Times zufolge ingesamt 1,4 Mrd. US-Dollar an Investitionen in Start-Ups geflossen waren.

Die Berliner Morgenpost berichtet, dass Berlin dem Marktforschungsunternehmen CBInsights zufolge damit eine Steigerungsrate von 140 Prozent gegenüber dem Jahr 2013 erreicht habe, und darüber hätten gerade Berliner Start-Up-Erfolgsgeschichten, die international für Furore gesorgt hatten, für einen zusätzlich Schub an Interesse gesorgt.

So waren mit Rocket Internet und dem Online-Modehändler Zalando zwei herausragende Akteure aus der Berliner Start-Up-Szene an die Börse gegangen. Der Essenslieferdienst Delivery Hero soll ihnen diesen Schritt demnächst gleichtun, darüber hinaus konnte man sich in der Bundeshauptstadt über spektakuläre Verkäufe im dreistelligen Millionenbereich (Sociomatic: 200 Millionen Euro, Fyber: 150 Millionen Euro) und jenen reichweitenstarker Unternehmen (SoundCloud: 250 Millionen Nutzer, Wooga: 50 Millionen Nutzer) freuen.

Investoren in aller Welt blieb diese Entwicklung auch nicht verborgen. Allerdings setzen diese primär auf Unternehmen, die sich bereits über eine gewisse Zeit hinweg auf dem Markt behauptet haben. Ein Beispiel dafür ist etwa Delivery Hero, das in mehreren Etappen während des Vorjahres nicht weniger als 500 Millionen Euro an Wagniskapital und damit etwa die Hälfte der gesamten Investitionssumme auf sich vereinigen konnte.

Start-Up muss klares Geschäftsmodell erkennen lassen

Die Erfolgsaussichten von Start-Ups auf der Jagd nach Wagniskapital lassen sich den bisherigen Erfahrungen nach in der Weise einschätzen, dass die Voraussetzung für Fremdkapital meist ein klar erkennbares Geschäftsmodell ist, darüber hinaus idealerweise ein Fokus auf Geschäftskunden und eine hohe Wertschöpfung. Bei Start-Ups, die nur auf einzelne Kunden fokussiert sind, ist diese niedriger und damit auch die Bereitschaft von Kapitalgebern, zu investieren.

Innovativität und internationale Ausrichtung sind ebenfalls Schlüsselfaktoren. Berlin verfügt über zahlreiche Start-Ups aus der Finanzsparte und der Werbetechnologie. Diese können auf diesem Gebiet auch zum Teil beachtliche Erfolge bei der Einbringung von Risikokapital verbuchen.

Neues Gründerzentrum am Schlossplatz

Ein weiterer Pluspunkt für den Gründerstandort Berlin wir das German Tech Entrepreneurship Center (GTEC) sein, zu dessen Gründungspartnern namhafte Unternehmen wie RWE und Henkel und zahlreiche Stiftungen und Wirtschaftskanzleien gehören. Das Zentrum wird am Berliner Schlossplatz entstehen und neben dem GTEC werden die Berliner Startup Academy und das US-amerikanische AcceleratorunternehmenTechstars residieren. Das neue Gründerzentrum soll Start-ups, internationale Konzerne, Universitäten, Accelerators, Venture Capital Fonds undBusiness Angels zusammenbringen, um Gründer beim Aufbau ihrer Unternehmen effektiv zu unterstützen.

Vom 28. bis 30. Januar findet mit der Startup Safary Berlin übrigens der „Tag der offenen Tür” für die Startup-Szene statt. Im Mittelpunkt sollen dabei beispielsweise Themen wie E-Commerce, Funding oder Social Entrepreneurship stehen.