DTJ Online

Bilderkrieg in und um Aleppo: Was hat es mit dem kleinen Omran auf sich?

Das Bild des kleinen Omran aus Aleppo ging um die Welt. Es ist so herzzerreißend und bewegend, dass die Stimmen, die nach den Hintergründen der Veröffentlichung dieser neuen Bildikone fragen, schnell als herzlose Verschwörungstheoretiker eingestuft werden. Medienkritische Profis erinnern sich jedoch sofort an das CIA Red Cell Paper, dass das Aufbringen emotionaler Geschichten von Frauen und Kindern zum Zwecke der Kriegspropaganda diskutiert.

Deshalb muss man der Frage nachgehen, warum dieses Bild jetzt so viel Resonanz erhält und wo es genau herkommt. Der kleine Junge wird in dem zu sehenden Filmausschnitt, den der AMC – Abkürzung für „Aleppo Media Center“ – in Youtube hochgeladen hat, einem Sanitäter gereicht. Dieser setzt den blutverschmierten und staubigen Jungen in einen Rettungswagen. Der Sanitäter ist dabei vollkommen sauber. Dennoch wird er wenige Tage später in Interviews berichten, dass er den Jungen aus den Trümmern eines zerbombten Hauses gerettet habe.

Wer Bilder und Filme aus dem Aleppo Media Center kennt, dem ist auch der Fotograf Mahmoud Raslan bekannt – wie beispielsweise der Berliner Künstlerin Ursula Behr. Unsere Mainstream-Medien scheinen jedoch weniger in der Lage, die Videoclips des AMC vernünftig zu recherchieren und zu hinterfragen. Volker Schwenck von der ARD erweckt sogar den Eindruck, er kenne die Personen vor Ort genau – er bezeichnet sie fälschlicherweise als „Bürgerreporter“.

Das ist eine fatale Fehleinschätzung, denn diese gehören zum Teil zu Kreisen sogenannter „Rebellen“, die auch „zu assadfreundliche“ Kinder ermorden. Es kursiert ein Video im Netz, das diesen Akt zeigt. Und es kursieren Videos und Pressefotos im Netz, die zeigen, dass derselbe Fotograf – Mahmoud Raslan – sich gerne strahlend mit diesen Gruppen selbst ablichtet.

HeutePlus ist da dezidiert und vorbildlich einen anderen Weg gegangen als die meisten anderen Medien: Man betont sachlich, dass man die genaue Herkunft des berührenden Fotos nicht einzuordnen weiß – und auch nicht recherchieren kann, mangels Kollegen vor Ort und mangels sicher geprüfter Internetquellen. Diese Distanz würde man sich öfter wünschen, wenn aufgrund von Teilinformationen vorschnell auf eine vermeintlich ganze Wahrheit geschlossen wird.

Immerhin, wenn auch spät, bringen auch die Süddeutsche Zeitung und die Berliner Morgenpost, dass der für den AMC tätige Fotograf Mahmoud Raslan mindestens irritiert und kritisch betrachtet werden müsse. Weiter geht das französische Réseau Voltaire, das eine Verbindung zwischen dem AMC und dem US-amerikanischen InCoStrat herstellt. Das Unternehmen für Innovative Kommunikation und Strategie hat sich auf folgende Länder spezialisiert: Syrien, Jordanien, Irak, Libyen, Jemen und Pakistan. Ein Schelm, wer geostrategische Pläne dabei denkt.

Die mobile Version verlassen