
Türkei: Bildungsministerium macht Ensar-Wettbewerb an Schulen bekannt
Das türkische Bildungsministerium hat einen religiösen Schülerwettbewerb der umstrittenen Ensar-Stiftung landesweit an Schulen bekannt gemacht. Es geht um 3,5 Millionen TL an Preisen.
Die Ensar-Stiftung, die 1979 gegründet wurde und sich der „religiösen und moralischen Bildung“ verschrieben hat, wird einen landesweiten Online-Wissenswettbewerb in der Türkei durchführen. Der „Sana-Emanet-Online-Wissenswettbewerb“ wendet sich an Schülerinnen und Schüler der Mittel- und Oberstufe. „Sana Emanet“ steht für „Dir anvertraut“. Der Wettbewerb soll dazu dienen, Jugendliche mit islamischen Werten und Vorbildern vertraut zu machen.
Anmeldung über die Webseite der Stiftung
Wie „Cumhuriyet“ berichtet, hat das türkische Bildungsministerium (MEB) mit einem offiziellen Schreiben vom 23. September 2026 allen staatlichen und privaten Schulen des Landes die Wettbewerbsbedingungen bekannt gemacht. Teilnahmeberechtigt sein sollen Schüler der 5. bis 8. Klassen sowie der Vorbereitungsklassen und der 9. bis 12. Klassen.
Die Anmeldung soll ab dem 1. November 2026 über die Webseite der Ensar-Stiftung möglich sein. Die Wettbewerbe selbst finden für die Mittelstufe am 6. Februar 2027 und für die Oberstufe tags darauf statt. Das Gesamtpreisgeld beträgt 3,5 Millionen TL (ca. 63.000 Euro). Außerdem sind Umra-Reisen (kleine Pilgerfahrt nach Mekka), Computer, Smartphones, Tablets, E-Scooter und Geldpreise ausgeschrieben.
Prämiert werden nicht nur Schüler. Auch Lehrkräfte und Schulleiter der drei bestplatzierten Schüler erhalten Preise. Für den Sieger erhalten die Pädagogen je 20.000 TL (362 Euro), für den Zweitplatzierten 15.000 TL und den Drittplatzierten 10.000 TL.
Ensar-Stiftung wegen früheren Missbrauchsskandals umstritten
Die Teilnahme soll der MEB zufolge freiwillig und kostenlos sein. Schulen sowie Bildungsdirektionen auf Bezirks- und Provinzebene sollen die Durchführung kontrollieren. Ensar muss dem Ministerium anschließend einen Bericht vorlegen.
Die Grundlage für den Wettbewerb sind die Bücher „Hadisten Hayata 40 Konu“ (sinngemäß „40 Themen – Vom Hadith ins Leben“) für die Mittelstufe und „Kur’an’dan Hayata 40 Konu“ („40 Themen aus dem Koran für das Leben“). Der Wettbewerb ist damit an die entsprechenden Angebote des Religionsunterrichts gekoppelt.
Dass die Ensar-Stiftung mit der Durchführung des Wettbewerbs betraut ist, ruft mancherorts Irritationen hervor. Ensar war vor zehn Jahren in einen Skandal verwickelt, als bekannt wurde, dass unter anderem in Wohnheimen der Stiftung in Karaman 45 dort untergebrachte Kinder Opfer sexuellen Missbrauchs wurden. Die Regierung in Ankara hielt dennoch weiterhin ihre schützende Hand über die Stiftung.
Wie hat dir dieser Artikel gefallen?
Das könnte dich auch interessieren

Zweiter Angriff innerhalb von zwei Tagen: Mehrere Tote bei Angriff an Schule in der Türkei
2 Min.
Studie in der Türkei: Staatliche Instrumentalisierung schadet dem Islam
3 Min.
„Keine Beweise“: US-Außenministerium entlastet festgenommene Türkin
2 Min.
Türkischer Erdbeben-Experte Görür: „Wir müssen eines endlich akzeptieren“
3 Min.Kommentare (0)
Kommentiere diesen Artikel
Weitere Beiträge aus dieser Kategorie

Skandale und Politik: Druck auf deutsch-türkische Eliteschule in Istanbul wächst
4 Min.
Universität Münster schafft erste Fakultät für Islamische Theologie in Westeuropa – Ausbau mit Signalwirkung
4 Min.
