Ein Schüler der 5.Klasse meldet sich am 26.04.2013 in Laichingen (Baden-Württemberg) am Albert-Schweitzer-Gymnasium im Englischunterricht.

In den nächsten Tagen und Wochen wird es so weit sein: Die Anmeldungen der Kinder an den Schulen werden vonstatten gehen. Nicht nur die Kinder sind aufgeregt und neugierig, sondern auch die Eltern und die Lehrer. Viele Kinder werden im August 2014 zum ersten Mal die Schulbank drücken, andere Schüler werden an eine weiterführende Schule wechseln.

Viele Eltern und Schüler machen sich Gedanken und besuchen in unterschiedlichsten Schulen Tage der Offenen Tür, reden mit Schulleitern, Lehrern und Freunden über Kriterien und Sorgen bei der Auswahl der Schulen. Welche Schule ist für mein Kind geeignet? Welche Bedürfnisse hat mein Kind? Wie sind die Lehrer an der Schule? Diese und andere Fragen machen die Wahl heute nicht einfacher. In den letzten Tagen habe ich viele besorgte Eltern erlebt, die nicht wissen, wie sie sich entscheiden sollen.

Für meine Eltern war es klar: Ich werde die Schule besuchen, die unserer Wohnung am nächsten ist. Egal welche Lehrer ich bekomme, die werde ich respektieren und annehmen müssen. Die Lehrer durften nicht kritisiert und ihnen durfte nicht widersprochen werden. Auch nach der Grundschule wurde nicht viel überlegt. Ich besuchte dieselbe Grund- und Hauptschule. Neun Jahre lang. Alles andere wäre umständlich und nicht notwendig. Außerdem wäre ich aus der Sicht der Lehrer für ein Gymnasium oder eine Realschule nicht fähig gewesen. So durfte ich erst nach neun Jahren selbst entscheiden, welche weiterführende Schule ich besuchen wollte. Hat aber auch alles irgendwie geklappt.

Auf Angebote schauen, aber auch auf Freunde

Heute unterscheiden sich Schulen sehr stark voneinander. Sie unterscheiden sich sowohl in ihrem inhaltlichen Profil als auch beispielsweise in ihrem Nachmittagsangebot. Dabei kann es auch eine Rolle spielen, welche Stärken und Fähigkeiten das Kind mitbringt. Aber man sollte ebenfalls beachten, dass sich das Kind mit seinen Interessen gut aufgehoben fühlt. Die Kinder orientieren sich meistens nach den Freunden, was auch nicht unwichtig ist.

Ein moderner Unterricht sollte heute nicht nur Leistung von den Kindern fordern, sondern auch die Lebensfreude erhalten. Neue Medien, kooperative Lernformen und Projekte reichen nicht aus, um die Qualität des Unterrichts zu bestimmen. Der wichtigste Faktor sind die Lehrer. Das, worauf es ankommt, spielt sich im Unterricht ab, im Klassenraum, wo Schüler und Lehrer einander begegnen. Die Rahmenbedingungen wie Schulstruktur und Ausstattung der Schule haben nur geringen Einfluss. Gespräche mit Ehemaligen und Eltern von Kindern, die die Schule besuchen, helfen auch, etwas über deren Qualität zu erfahren.

Heutzutage macht eine gute Schule Angebote über den bloßen Unterricht hinaus. AGs, Theateraufführungen, Konzerte und Projekte gibt es schon an vielen Schulen. Die Teilnahmemöglichkeit an Wettbewerben und der Besuch außerschulischer Lernorten sind auch entscheidende Kriterien. Es kommt also darauf an, wie lebendig eine Schule ist. Je stärker Schüler ihren Schulalltag mitgestalten können, desto mehr identifizieren sie sich damit. Somit können sie auch eigene Ideen einbringen und bekommen Verantwortung übertragen. Das gilt auch für die Eltern. Eltern sind heute an den Schulen engagierter als früher.

Atmosphäre und menschlicher Umgang als entscheidende Faktoren

Der Umgang mit Vielfalt ist kein Nachteil, sondern eher ein Vorteil. Eine heterogene Schülerschaft gehört zum Alltag einer Schule. Inklusion, Integration und Individualisierung bereichern die Schulatmosphäre. Dennoch sind auch die individuelle Förderung bzw. auch Forderung ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Gibt es Angebote für schwächere oder leistungsstarke Schüler? Wie wird mit kulturellen Unterschieden umgegangen? Das sind Fragen, die heute eine Schule beantworten muss.

Als ich mich das erste Mal an einer Schule als Lehrer bewarb, war mir primär die Atmosphäre wichtig. Die Architektur der Schule, die Atmosphäre auf dem Schulhof oder im Lehrerzimmer und – ganz wichtig – die Reaktion der Menschen in der Schule auf mich. Mich beeindruckte zum Beispiel das nette Grüßen einzelner Schüler und Lehrer. Dass ich nicht einfach im Gang stehen gelassen wurde, sondern gefragt wurde, ob man mir helfen kann. Dieser erste Eindruck war für meine Entscheidung sehr ausschlaggebend. Heute weiß ich, dass diese Entscheidung die Richtige war.

Egal, wie Sie sich entscheiden, berücksichtigen Sie dabei in jedem Fall die Meinung und die Wünsche Ihres Kindes.

Es ist nämlich schön, wenn man später gerne an die eigene Schulzeit zurückdenken kann.

Suat Aytekin ist in Lübeck geboren und aufgewachsen. Über den zweiten Bildungsweg absolvierte er das Abitur und studierte im Anschluss Geschichte und Wirtschaft/Politik auf Lehramt. Zurzeit arbeitet er als Fachseminarleiter für Geschichte und PGW (Politik/Gesellschaft/Wirtschaft) am Landesinstitut in Hamburg (Lehrerausbildung).