Bildungsferne Jungen haben niedrigere Lebenserwartung

Mit flächendeckendem Einsatz von Fragebögen wollen Deutschlands Kinderärzte Krankheiten bei Minderjährigen künftig wesentlich besser vermeiden. Eltern und Jugendliche würden dabei noch vor dem Praxisbesuch gezielt nach Risiken für Krankheiten, Entwicklungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten gefragt, teilte der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte anlässlich des Kinder- und Jugendärztetags 2013 am Freitag in Berlin mit.

„Die Fragebögen sollen ausgefüllt vorliegen, wenn das Kind zur Untersuchung geht”, sagte Verbandspräsident Wolfram Hartmann der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Zwingen könne die Eltern niemand, aber die Ärzte würden dafür werben, weil es für die Kinder gut sei. Die Mediziner sollen dann bei ihren Untersuchungen auf die gemachten Angaben zu sprechen kommen.

Den Anfang machten 350.000 Kinder und Jugendliche, die bei der Barmer GEK versichert und in einen entsprechenden Vertrag eingeschrieben sind. Insgesamt sind allein bei dieser größten Ersatzkasse 1,3 Millionen Minderjährige versichert. Mit 5.900 Kinderärzten mache bereits ein Großteil mit, teilte Barmer-GEK-Vize Rolf-Ulrich Schlenker mit. Deshalb sei zu erwarten, dass künftig immer mehr Familien von dem Angebot Gebrauch machten. Die Kinder- und Jugendärzte hoffen auf weitere teilnehmende Kassen.

Das herkömmliche Programm der Vorsorgeuntersuchungen sei völlig überholt. Die Kinder- und Jugendärzte hätten es komplett überarbeitet. „Das Ziel ist es, Krankheiten zu verhindern und nicht nur frühzeitig zu erkennen”, sagte Hartmann.

Ein Kernanliegen bei dem noch bis zu diesem Sonntag andauernden Kongress ist es, die Chancen für Kinder aus Migrantenfamilien zu verbessern. „Insbesondere die Jungen, die aus bildungsfernen Familien stammen, haben eine zehn bis elf Jahre niedrigere Lebenserwartung als Kinder aus deutschstämmigen Mittelschichtfamilien”, sagte Hartmann. „Wenn Deutschland es mit Kinderrechten ernstnimmt, dann muss hier etwas geschehen.” (dpa/dtj)