NSU-Trio
NSU-Trio

Auf eine makabre Entdeckung machte kürzlich ein Blog aufmerksam, die über die sozialen Medien prompt die Runde machte: Und zwar tauchten Fahndungsfotos der mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos – zum Teil sogar mit ihren echten Namen – in zwei Fernsehproduktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf.

Am 20. Februar 1998 hatte das Landeskriminalamt Thüringen das Schwarzweiß-Fahndungsbild von Uwe Mundlos veröffentlicht. Nach dem Trio Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe wurde wegen des Verdachts auf „Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens im Bereich Jena” gefahndet. Die drei waren kurz zuvor untergetaucht. Die Bilder der Verdächtigen wurden, wie „Spiegel Online“ berichtet, daraufhin von der „Ostthüringer Zeitung” veröffentlicht, später stellte das BKA den Fahndungsaufruf auf seine Internetseite, so steht es im Bericht der Schäfer-Kommission, die vom Thüringer Innenministerium eingesetzt worden ist, um die Arbeit der Sicherheitsbehörden im Zusammenhang mit dem NSU zu überprüfen.

Die Dreharbeiten zur „Tatort“-Folge „Bestien“, in der es thematisch um das Thema Selbstjustiz ging, dauerten von Ende April bis Anfang Juni 2001 Dazu wurden nach Angaben der damaligen Produktionsleiterin „Phantasieakten” aus Archivmaterial händisch zusammenkopiert, irgendwie muss das Foto von Mundlos dort hineingeraten sein. Die Praktikantin habe das Bild für das Foto eines Mitarbeiters gehalten, denn solche würden üblicherweise zu solchen Zwecken verwendet.

Zum Zeitpunkt der Erstausstrahlung der „Tatort“-Folge hatte der NSU bereits vier Menschen ermordet.

Böhnhardt als Mujahid in Kairo

Der „Tatort“ im Jahre 2001 blieb aber nicht der einzige Auftritt der 2011 unter mysteriösen Umständen in einem Wohnwagen in Eisenach ums Leben gekommenen Nazi-Terroristen.

Am 10. März 2004 strahlte das ZDF eine Folge der Serie „Küstenwache” aus, die den Titel „Gegen die Zeit“ trug. Was dabei noch pikanter ist: Uwe Böhnhardt (unter dem Aliasnamen „Christian Köster“ abgebildet) und Uwe Mundlos (mit Realnamen genannt) tauchten dort als vermeintliche in Kairo aufhältige „radikale Islamisten“ der „Radikal Islamischen Gruppe“ (RIG) in der Fake-Akte auf. Unter ihnen eine – für „Islamisten“ unüblich – unverschleierte Frau, die allerdings nicht Beate Zschäpe darstellte und einen anderen Namen (nämlich den einer bekannten TV-Moderatorin) trug als den, der in der Serie verwendet wurde.

Die entsprechende Stelle befinde sich heute nicht mehr auf dem Sendeband, sondern wurde bereits vor einiger Zeit, nachdem es einen ersten entsprechenden Hinweis gab, entfernt, berichtet SPON.

Wie der „Freitag“ herausfand, wurden allerdings in den Fakeakten die genauen Geburtsdaten der NSU-Terroristen, obwohl diese nicht auf den Fahndungsaufrufen aus dem Jahre 1998 aufgetaucht waren.

Besondere Pikanterie: Die Arbeit des Küstenwache-Teams wird in der Folge von einem Beamten des LKA behindert, der das Vergehen eines Soldaten aufklären soll und dessen Akte beim Bund ursprünglich unter Verschluss stand. Die reale Fahndung nach dem echten Trio wegen des Bombenbaus endete 2003.