Bundesamt sieht Trendwende bei Zuwanderung vom Balkan

Nürnberg – Nach dem starken Anstieg von Flüchtlingszahlen aus Serbien und Mazedonien zeichnet sich inzwischen eine leichte Entspannung der Lage ab. Zum Jahresende sei die Zahl der Asylanträge von Serben und Mazedoniern stark zurückgegangen, berichtete der Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Manfred Schmidt (Bild), in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Es gibt eine Trendwende, das kann man klar an den Zugangszahlen sehen.“

Nach Schmidts Angaben hatten in der Woche vom 5. bis 11. Dezember nur noch 240 Serben und Mazedonier in Deutschland Asyl beantragt. Damit sei die Zahl der Erst- und Folgeanträge weiter gesunken. Im Vergleich zur letzten Oktoberwoche habe die Zahl damit „nur noch bei einem Fünftel gelegen“, berichtete der Chef der Nürnberger Bundesbehörde in einer vorläufigen Flüchtlingsbilanz für 2012. Auch die Zahl der Flüchtlinge aus den übrigen Balkanstaaten sinke. In den ersten elf Monaten hatten 8163 Serben und 4433 Mazedonier Asyl beantragt (jeweils Erstanträge).

Entspannt habe sich die Lage auch dadurch, dass im letzten Quartal wieder mehr Asylsuchende aus dem westlichen Balkan freiwillig in ihre Heimatländer zurückgekehrt seien. „So stieg die Zahl der freiwillig ausgereisten Personen von 224 im Oktober auf 716 im November“, berichtete Schmidt unter Berufung auf die Internationale Organisation für Migration. Allein die Zahl der aus eigenem Entschluss rückkehrenden Mazedonier habe sich im November mit 429 mehr als vervierfacht.

Deutlicher Anstieg der Asylanträge
Insgesamt ist 2012 die Zahl der Asylanträge (Erstanträge) bis Ende November um 43,3 Prozent auf 59 441 gestiegen. Der Anstieg gehe zum Teil auf das Konto von Flüchtlingen aus den westlichen Balkanstaaten, vor allem aus Serbien und Mazedonien. „Aber auch aus anderen Ländern ist die Tendenz steigend“, sagte Schmidt.

Besonders stark gestiegen ist die Zahl der syrischen Flüchtlinge. Mit 2417 Erstanträgen und einem Zuwachs von 132,6 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum rangieren Flüchtlinge aus Syrien inzwischen auf Platz fünf. 95 Prozent werden laut Schmidt anerkannt oder erhalten einen Abschiebeschutz.

Bei den Fluchtrouten spielte die grüne Grenze zwischen Griechenland und der Türkei auch 2012 eine große Rolle. Sie werde häufig von Flüchtlingen aus dem Mittleren Osten und Nordafrika gewählt. Immer weniger Menschen entschieden sich hingegen für den Fluchtweg über das Mittelmeer, so das Bundesamt. Zum einen vereitele immer häufiger die EU-Grenzschutzagentur Frontex eine Flucht auf dieser Route. Zum anderen habe es sich herumgesprochen, wie gefährlich die Flucht über das Mittelmeer sei. Flüchtlinge aus dem Irak und Pakistan wiederum kämen häufig auf dem Luftweg nach Deutschland. (dpa)