DTJ-GASTBEITRAG

Bundestagswahlen 2017: 13% egoistische, enttäuschte Deutsche

Die rechtspopulistische Partei Alternative für Deutschland (AfD) sitzt nun im Deutschen Bundestag. „Jetzt bloß nicht wie blöd auf die AfD einhauen“, meint unser Autor in seinem Blogbeitrag. 

Gastbeitrag von Sven Wilhelm Busch

Achtung – es folgen zur Abwechslung mal ernsthafte Gedanken meinerseits. Ohne Satire! Vollkommen unsortiert – ich weiß selbst noch nicht was gleich unten steht. Wer aber „lustigen“ Content erwartet, wird bitter enttäuscht. In dem Fall – einfach weiterscrollen.

Alle Anderen – ich bin mir sicher dass etwas folgt, worüber noch zu diskutieren ist. Auch ich mit mir selbst! Das wird viel Text! Nehmt Euch Zeit und einen Notizzettel. Wer nicht öffentlich darüber diskutieren will, dem sei gesagt das ich auch via Privat-Chat oder bei einem Glas Bier nicht abgeneigt bin.

Achtung:

Ich habe in den Stunden nach der Wahl tatsächlich darüber nachgedacht, ob die Energie die ich in „Die PARTEI“ stecke nicht woanders besser aufgehoben wäre. Ob es jetzt nicht wichtiger wäre, den etablierten Parteien zu helfen die Seuche AfD zu bekämpfen. Ich habe über Ursachen zu diesem Resultat nachgedacht und mich gefragt, ob ich genug getan habe um mich um diese Ursachen, soweit in meiner Macht, zu kümmern.

Ich bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass der Deutsche an sich ein Egoist ist, der einem Anderen nicht mal den Dreck unter den Fingernägeln gönnt. Jeder hat es selbst am schwersten, und sobald einer etwas bekommt, fragt er sich „Warum der – und ich nicht?“. Bedürftige Menschen sind als „Schmarotzer“ stigmatisiert. Wie oft hört man Hartz4-Empfänger sind faul – Flüchtlinge sind nur hier um uns aus zunehmen – Krüppel „tun doch nur so“ um nicht mehr arbeiten zu müssen. Sicher auch in „Nicht-AfD-Kreisen“. Diese Vorurteile hängen in den Köpfen der Menschen. Dazu kommt: In den letzten Jahren wurden Sozialleistungen ständig gekürzt. Kommunen werden im Stich gelassen, Straßen werden zu Rumpelpisten. Währenddessen werden die Gewinne der großen Firmen immer größer, der Dax steigt und wir exportieren die ganze EU zu Tode. Jahrelang ging das gut. Der so wieso schon egoistische muss mit ansehen wie sein Leben immer schlechter wird während andere immer mehr Geld anhäufen. Immer wird gesagt „es ist kein Geld da“ um das Leben wieder besser zu machen. Bekommt dann doch mal einer etwas, etwa wegen einem Notfall wie „Flüchtlingskrise“ oder „Bank geht kaputt“ gibt es direkt Futterneid.

Die AfD hat die unzufriedenden Bürger die in den letzten Jahren gesät wurden, einfach nur noch abgeerntet. Jedes Kreuz bei der AfD wurde durch vorheriges Versagen produziert.

Statt auf die unzufriedenen Menschen zuzugehen und ihnen zu sagen „Sorry, wir haben dich aus den Augen verloren. Wir machen es jetzt besser“ werden sie sitzen gelassen und bekommen einen Stempel aufgedrückt. „Ihr seid doch alles Nazis – mit der AfD rede ich nicht!“.

Das ist in meinen Augen falsch. So wie wir von den Rechten verlangen einen Menschen nicht aufgrund seines „Moslem-Seins“ zu verurteilen, dürfen wir sie nicht verurteilen, weil sie die AfD toll finden.

Ich erinnere mich an die Demo gegen den „Alternativen Wissenskongress“ in Witten. Ich ging rüber zu den Kongressteilnehmern und hatte ein „Bullshit“-Bingo in der Hand mit Wörtern wie „Chemtrails“. Ich fand das lustig. Bis zu dem Moment als ich merkte – die glauben da WIRKLICH dran. Da stehen intelligente Menschen, die sozial so fest im Sattel sitzen, dass sie sich teure Eintrittskarten kaufen können und die glauben an Chemtrails! Klar kann man sie „Verwirrte Aluhut-Träger“ nennen und das Problem ignorieren, aber das hilft doch nicht! Man muss mit ihnen diskutieren – auch wenn es schwer fällt. Das habe ich dann auch getan. Leider nicht sehr lange, weil die Polizei mich irgendwann rüber geschickt hat.

„Die Demonstranten müssen da drüben bleiben“

Bist du nicht auf der einen Seite, musst du auf der Anderen sein

Generell ist es in den letzten Jahren sehr schwarz-weiß geworden. Entweder man ist dafür oder dagegen.

Ich habe mit einem Kollegen zum Beispiel mal darüber diskutiert, ob Flüchtlinge in den Notunterkünften die Toilette selbst reinigen sollten, oder ob das eine externe Firma machen muss. Dei Frage ist durchaus berechtigt, finde ich. Versucht sowas aber mal öffentlich – da wird man direkt beschimpft. Entweder man findet etwas in seiner Gesamtheit gut, oder man ist dagegen. Und wer dagegen ist, ist Nazi!

Gepaart mit dem Egoismus den ich vorhin schon erwähnte, hat sich eine Art Trotz gebildet.

„Ich reinige mein Klo selber, und die kriegen das geputzt!“ – „Die haben schwere Traumata erlitten! Du Nazi!“ – „Weil ich denke die können ihr Klo selbst reinigen bin ich Nazi?!? Dann bin ich halt einer!!!“

Klingt wie Kindergarten – ist es auch. Leider im größeren Stil und unter Erwachsenen.

Ich denke, wenn wir alle – links wie rechts – mehr, statt weniger miteinander reden würden, kämen wir ein verdammtes Stück weiter! Außerdem hilft dieses kategorische Ablehnen der AfD nur. „Da! Die nehmen uns immer noch nicht ernst – lasst uns weiter gegen die da kämpfen!“ – „Guckt mal, jetzt machen die alle gegen uns ne Jamaika-Koalition, nur um uns weiter ignorieren zu können!“

Gebt den Leuten doch kein weiteres Futter, sondern versteht ihre Sorgen – auch wenn sie albern sind. Wenn kleine Kinder Angst vor Monstern im Schrank haben, guckt ihr doch auch nach ob da wirklich keine sind und „überzeugt“ die Kinder vom Gegenteil. Oder sagt ihr dann „Du bist doof – halt die Klappe und schlaf!“?

Vom Thema abgekommen…

Ich versuche noch einen Bogen zu „Die PARTEI“ zu kriegen…

Die PARTEI hat sicherlich ein Problem, da sie von vielen Menschen und auch leider von vielen Mitgliedern als „Spaßpartei“ angesehen wird. Satire an sich hat das Gleiche Problem. Satire ist da, Unsinnigkeiten aufzudecken und durch Übertreibung ad absurdum zu führen. Zumindest ist das ein Bestandteil davon. Satire muss es aber auch schaffen, den Konsumenten zum Nachdenken anzuregen. Sonst ist sie einfach nur albern oder verkommt zu einer „Show“. Ich habe dutzende Freunde, die die „Anstalt“ oder die „Heute-Show“ wahnsinnig lustig finden, aber nach der Sendung keinen weiteren Gedanken daran verschwenden was da eigentlich gerade gesagt wurde. Außer „Hö hö – die haben gesagt der Trump hat ne schöne Frisur“ bleibt nicht viel hängen. Das ist nicht Sinn der Sache. Satire muss, so seltsam das klingt, ernsthaft betrieben werden. Manche sagen „Für Satire muss man schlau sein“ – das ist zu kurz gegriffen. Denn wenn ein Anderer nicht versteht was man sagen will, hat man sich vielleicht auch scheiße ausgedrückt!

In meinen Augen ist die PARTEI vor Allem eine Protestpartei. Protest gegen den derzeitigen Politik-Apparat. Nicht gegen die AfD, nicht gegen die CDU oder gegen die Grünen. Auch nicht gegen die Linke oder sonst wen. Nicht mal gegen die V³-Partei. Sondern gegen diesen Apparat als Gesamtes.

Ich habe aber in Die PARTEI auch die Möglichkeit den Apparat gleichzeitig zu kritisieren, zu verändern und zu nutzen. Ohne dass ich Rücksicht auf „mögliche Koalitionspartner“ nehmen muss, oder dass ich Angst haben muss jemanden zu verärgern. Durch die Satirefreiheit können wir weiter gehen als Andere. Das ist ein Luxus. Ein Luxus, den ich in keiner anderen Partei bekommen kann. Die Freiheit, (fast) alles tun zu können. Das ist für mich ein starkes Argument mich eben in dieser Partei zu engagieren. Ich kann ich sein und muss mich nicht verbiegen.

Manchmal gelingt es die PARTEI recht gut Satire einzusetzen um einen Misstand zu beheben – wie bei dem Geld-Verkauf. Unsinn im Parteienfinanzierungsgesetz behoben! Zack!

Meistens klappt es weniger gut und die PARTEI wird als Klamauktruppe angesehen.

Sicher – die PARTEI hat wenig Inhalt und wird, sollte sie mal ernsthaft was zu sagen haben, Probleme bekommen. Aber das ist auch gar nicht der Anspruch. Was nutzt ein tolles Wahlprogramm ohne Chance es umzusetzen? Wir sind Realisten – keine Träumer!

Wenn die Anderen ihren Job ordentlich machen würden, könnte sich die PARTEI auflösen. Dieses Szenario wäre mir sogar am liebsten. Ordentliche Politik, die man nicht durch den Kakao ziehen muss.

Nicht wie blöd auf die AFD einhauen

Jetzt hab ich irgendwie nen halben Roman runtergerattert und ich glaube, ich habe nur 2 Themen richtig angeschnitten.

1. Bitte – haut jetzt nicht wie blöd auf die AfD ein! Das hilft nicht. Hört zu was diese Menschen zu sagen haben und helft den Anhängern. Nicht beim Flüchtlingsheime anzünden, sondern beim Verstehen warum die Flüchtlinge hier sind und dass sie auf die Regierung sauer sein sollten – nicht auf die anderen Opfer selbiger. Nehmt ihnen die Sorgen die sie haben und lacht nicht verächtlich über „besorgte Bürger“.

2. Setzt euch bitte mit Satire auseinander. Empört Euch nicht wenn wir übertreiben und denkt bitte auch darüber nach, nachdem ihr fertig gelacht habt. Satire ist kein Spaß, sondern hat einen ernsten Kern. Satire soll aber durchaus Spaß machen, denn Lachen erzeugt Freude und Freude potenziert sich ungemein in dunklen Zeiten.

Da gibt es ein Interessantes Experiment mit 10-Cent Stücken… Aber heute nicht mehr. Bis hierher liest eh keiner…

Wenn ihr aber doch bis hierher gelesen habt, möchte ich euch zunächst danken. Egal ob ihr mir ganz, in Teilen oder gar nicht zustimmt. Sicher haben manche Sätze Euch auch aufgeregt. 

Ich habe mir einfach mal was von der Seele geschrieben, das hilft MIR ungemein. Und ganz im Ernst – darum geht es doch, oder? Ich bin Egoist – wie alle Deutschen.

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