Fußball: Handover zum DFB-Pokalfinale. Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer Borussia Dortmund, Dortmunds Bundesligaspieler Nuri Sahin, Frankfurts Bundesligaspieler Alexander Meier und Fredi Bobic, Geschäftsführer Sport bei Eintracht Frankfurt, stehen am 05.05.2017 während der traditionellen Übergabe des DFB-Pokals in Berlin hinter dem Pokal. Das Endspiel im DFB-Pokal bestreiten am 27.05.2017 in Berlin die Bundesliga-Vereine Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund. Foto: Soeren Stache/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Erst zwei Stunden war Thomas Tuchel offiziell Mitglied der Twitter-Gemeinde, da setzte er schon seinen ersten Knaller-Tweet ab. «Ich bin dankbar für zwei schöne, ereignisreiche und aufregende Jahre. Schade, dass es nicht weitergeht», schrieb der Fußball-Trainer am Dienstag bei dem Kurznachrichtendienst und kam seinem bis dato Arbeitgeber zuvor. Borussia Dortmund zog wenig später mit einer 188 Wörter langen Pressemitteilung nach: Die Trainersuche beim Bundesligisten, der in der kommenden Saison auch dank Tuchel Champions League spielt, ist damit eröffnet.

Nur drei Tage nach dem Pokalsieg in Berlin erklärte der BVB die Zusammenarbeit mit dem Fußball-Lehrer für beendet. «Wir bedanken uns bei Thomas Tuchel und seinem Trainerstab für die sportlich erfolgreiche Arbeit beim BVB, die am vergangenen Samstag im DFB-Pokalsieg in Berlin gegen Eintracht Frankfurt ihren verdienten Höhepunkt fand», hieß es am Dienstag in einer Mitteilung des Clubs. «Für seine berufliche Zukunft wünschen wir Thomas Tuchel nur das Allerbeste.»

Zu einem Nachfolger, der schnell gefunden werden muss, wollte sich der BVB nicht äußern. Ob der seit einiger Zeit gehandelte Lucien Favre wirklich erster Anwärter ist, bleibt offen. Der Schweizer steht bei OGC Nizza noch bis zum 30. Juni 2019 unter Vertrag.

Damit geht ein langer Streit zu Ende, der das Vereinsklima zunehmend belastet hatte. Zuletzt gab es unterschiedliche Auffassung zwischen Trainer und BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bei der Frage, ob die Champions-League-Partie gegen Monaco nur einen Tag nach dem Sprengstoffanschlag auf den Teambus hätte ausgetragen werden dürfen. Das angespannte Verhältnis von Tuchel zu Spielern soll den Ausschlag für die Trennung gegeben haben.

Nuri Sahin köntte ein Grund für Tuchels Rauswurf sein

Die Misstöne ließ auch der ersehnte Gewinn des DFB-Pokals mit dem 2:1 am vergangenen Sonntag im Finale gegen Eintracht Frankfurt nicht verstummen. Vielmehr legte BVB-Kapitän Marcel Schmelzer gegen Tuchel nach wegen der Ausbootung von Nuri Sahin, der in Berlin trotz der Verletzung seines Mittelfeldkollegen Julian Weigl nicht mal im Kader stand: «Ich war geschockt. Nuri ist ein toller Fußballer, ein toller Mensch. Wir stehen hinter ihm.»

Auch Nuri Sahin war beim Pokalfinale sichtbar schockiert über die Tuchel-Entscheidung. Bei seinem ersten Pokalgewinn mit Borussia Dortmund hat Thomas Tuchel dem Voll-Borussen einen Korb verpasst. Mit schwachen Begründungen wie, Eintracht Frankfurt würde mit hohen Bällen spielen und da bräuchte er kopfballstarke Spieler, ist Tuchel nach der Pokalpartie den Reporterfragen konsequent ausgewichen.

Noch vor wenigen Wochen, am Rande der Tuchel-Watzke Krise, hatte der Vereinsvorstand mit Nuri Sahin eine Vertragsverlängerung beschlossen. Mit dieser Aktion hatte die Geschäftsführung belegt, wie sie sich in der Trainer-Krise positioniert. Somit könnte die Nicht-Aufstellung von Nuri Sahin im Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt als Ultimatum verstanden worden sein. Dieses mögliche Ultimatum von Tuchel ging nun nach hinten los.

Nuri Sahin strahlte bislang stets Ruhe und Bescheidenheit aus. Bei einer aktuellen Sportstunde im ZDF noch vor wenigen Wochen zeigte sich der Borusse glücklich mit der Vertragsverlängerung. Seine Rolle auf und neben dem Spielfeld ist derweil bekannt. Seine Beziehung zum Vereinspräsidium und zu den Mitspielern, insbesondere seine Führungsrolle bei jungen Spielern wird in Dortmund sehr geschätzt. Möglicherweise konnte Thomas Tuchel nie einen solchen Draht zu allen Ebenen im Verein aufbauen und geriet in einen Autoritätskonflikt. Spekulationen, denen man nun kaum noch nacheifern wird. Tuchel geht, Sahin bleibt ein Borusse.

Von Roland Leroi und Heinz Büse, dpa/dtj