Es ist bald soweit. In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf findet in Kürze das Campfire Festival, ein Festival für Journalismus und digitale Zukunft statt. Bei diesem wichtigen Event für gelebte Demokratie und Zivilgesellschaft nimmt auch der Deutsch-Türkische Journalismus und Recherche e.V. mit einem Projekt für Pressefreiheit teil. „Sei meine Stimme“ lautet das Motto des Vereins auf dem diesjährigen Campfire Festival.

Es waren zwei schreckliche Jahre. Seit dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 in der Türkei ist nichts mehr so, wie es einmal war. Ohnehin hatte sich die Lage der Demokratie, der Menschenrechte und der Pressefreiheit seit mehreren Jahren in eine aussichtslose Richtung entwickelt. Doch die türkische Regierung, die für den Kurswechsel von der Demokratie, hin zur Diktatur verantwortlich ist, nutzte den gescheiterten Coup, um noch rigoroser gegen Andersdenkende und freiheitsliebende Journalisten vorzugehen. Deutschland zählt zu den wenigen Ländern außerhalb der Türkei, die diesen Trend so hautnah zu spüren bekommen.

Zahlreiche deutsche Staatsbürger wurden in der Türkei verhaftet, die bekanntesten Gesichter waren in diesem Zusammenhang der WELTN24 Korrespondent Deniz Yücel, der mit seiner beeindruckenden Haltung den willkürlichen Maßnahmen der türkischen Politik, trotzte, sowie die deutsch-türkische Übersetzerin Mesale Tolu, die zum Symbol verhafteter Mütter und die mit ihnen im Gefängnis sitzenden Kindern wurde. Während der Haftzeit von Deniz Yücel und Mesale Tolu war die Aufmerksamkeit in Deutschland auf diese Umstände konzentriert. Seit ihrer Freilassung ist dieses Thema wieder Stück für Stück aus der Öffentlichkeit zurückgedrängt worden. Und das, obwohl beide Journalisten sich mehrfach, ja, fast täglich für ihre Kolleginnen und Kollegen in türkischer Haft stark machen. „Doch, allein ein Deniz Yücel und eine Mesale Tolu können unmöglich für genug Aufmerksamkeit sorgen“, hat sich Süleyman Bag vom Deutsch-Türkischen Journalismus und Recherche e.V. (dtjr e.V.) gedacht. Um die noch inhaftierten Journalistinnen und Journalisten in türkischen Gefängnissen zu unterstützen, hat der Vereinsvorstand des dtjr e.V. ein Projekt in die Welt gerufen. „Sei meine Stimme“ heißt sie.

„Sei meine Stimme“

Das Projekt wird neben Süleyman Bag von Resul Özcelik betreut. Mit diesem StartUp-Projekt will der Verein Aufmerksamkeit für alle inhaftierten Journalisten in der Türkei machen. „Mehr als 140 Autoren, Publizisten und Reporter sitzen noch immer hinter Gittern“, drückt Resul Özcelik sein Entsetzen aus. Viele von ihnen seien längst in Vergessenheit geraten. Vor allem solche, die zu ethnischen oder religiösen Minderheiten gehören. Auch solche, die eben keinen Bezug zu Deutschland, oder zu irgendeinem anderen westlichen Land haben. „Sie haben keine Stimmen“, so Özcelik. Deshalb, so der Projekt-Verantwortliche, wolle man mit diesem Projekt allen inhaftierten Journalisten mit der eigenen Stimme eine Stimme verleihen.

Pressefreiheit für alle – OHNE WENN UND ABER

Dem Projekt-Team von „Sei meine Stimme“ sei in den letzten Monaten bitter aufgefallen, dass einige Journalistinnen und Journalisten fast vollständig in Vergessenheit geraten sind. Doch Süleyman Bag vom Deutsch-Türkischen Journalismus und Recherche e.V. glaubt, dass sie „es den inhaftierten Journalistinnen und Journalisten nicht nur schuldig sind, sondern es die historische Aufgabe von uns, heute an sie zu erinnern und ihnen eine Stimme zu verleihen“.

„Sei meine Stimme“ beim Campfire Festival

Beim diesjährigen Campfire Festival vor dem Landtag in Nordrhein-Westfalen wird das Projekt „Sei meine Stimme“ vorgestellt. Durch die Unterstützung der GLS Treuhand wird das Projekt in einem Workshop präsentiert.

Ziel des Workshops ist es die Teilnehmer über folgende Themen zu informieren und zu sensibilisieren:

1) Die Kontrolle der Medien in der Türkei und ihre Auswirkung auf Deutschland

2) Exil-Journalisten und ihre Medienprojekte in der neuen Heimat

3) Meinungsfreiheit: Bedeutung und Rolle für eine funktionierende Demokratie

4) Wenn die andere Meinung zur Straftat wird: Inhaftierte Journalisten in der Türkei anhand von Fallbeispielen