Catania: Syrische und ägyptische Flüchtlinge ertrunken

Erneutes Flüchtlingsdrama vor sizilianischer Urlaubskulisse: Sechs Migranten sind am Samstag bei Catania im Osten der Mittelmeerinsel ertrunken, weil sie nicht schwimmen konnten. Die jungen Männer, darunter ein Teenager, hatten nach Angaben der Behörden vor der Küste das mit insgesamt etwa 100 Migranten übervolle Fischerboot verlassen und das Ufer zu erreichen versucht – an einem der beliebtesten Strände Catanias. Ihr Boot war nur rund 15 Meter von der rettenden Küste entfernt auf eine Sandbank aufgelaufen.

Die Überlebenden gaben an, sie stammten aus Ägypten und Syrien. Das beliebte Strandbad wurde wegen des Flüchtlingsdramas für das Wochenende geschlossen. „Mehr als eine Notwendigkeit ist das ein Akt, der von Herzen kommt”, sagte der Betreiber. Die Stadt am Ätna rief zur Trauer um die jungen Toten auf. Die Staatsanwaltschaft von Catania ermittelt derweil und sucht die kriminellen Schleuser, die die Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Italien gebracht haben.

Ein Teil der überwiegend minderjährigen Flüchtlinge, darunter Frauen und Kleinkinder, hatte das aufgelaufene Fischerboot im Morgengrauen verlassen. Die 94 Überlebenden wurden von der Polizei zuerst in den nahe dem Strand gelegenen Hafen Catanias gebracht.

Dort herrschte riesiger Touristentrubel. Drei Kreuzfahrtschiffe mit zusammen 12.500 Passagieren hatten festgemacht. Bei Catania erhebt sich der Vulkan Ätna, die Hauptattraktion der Insel Sizilien.

Auf der Flucht vor dem Tod

Bei heiklen Überfahrten nach Europa mit oft wenig seetauglichen Booten kommen immer wieder Migranten um. Erst in den vergangenen Tagen hatten Flüchtlinge aus Somalia berichtet, bei ihren Fahrten auf zwei Booten seien insgesamt fünf Flüchtlinge an Entkräftung gestorben. 102 Migranten aus Eritrea und dem Sudan hatten tagelang auf einem Schiff vor Malta ausharren müssen, bis sich La Valletta und Rom darauf einigten, dass sie in Syrakus an Land gehen konnten.

In der vom Wetter her ruhigeren Sommerzeit nehmen die Versuche der Migranten, von Afrika aus Europa zu erreichen, dramatisch zu. Zehntausende wollen jährlich von afrikanischen Küsten aus nach Europa gelangen, da sie sich dort bessere Lebenschancen versprechen. Die größte Einwanderergruppe in Italien sind Rumäner (ca. 997.000), gefolgt von Albanern (ca. 491.000) und Marokkanern (ca. 457.000).

Auch in der Tükei steigt die Anzahl der Flüchtlinge, vor allem aus Syrien, weiterhin rasant. Laut der türkischen Katastrophenschutzbehörde (Afet ve Acil Durum Yönetimi Başkanlığı, AFAD) beträgt die Anzahl der syrischen Flüchtlinge in der Türkei mittlerweile 194.908.

Ebenso steigt die Einreise von Flüchtlingen aus dem Nahen Osten und Nordafrika nach Deutschland. Bis 2014 werden bis zu 900 Flüchtlinge, größtenteils aus dem Irak, erwartet. (dpa/dtj)