Galatasaray-Anhänger tragen eine Terim-Maske. Der türkische Rekordmeister hat es in der Champions-League-Vorrunde mit schweren Gegnern zu tun.

Der türkische Meister Galatasaray Istanbul kam nicht gut aus den Startlöchern. Obwohl die Löwen nach drei Spielen noch ungeschlagen sind, kann man nicht von einem gelungenen Saisonstart sprechen. Denn der 19-malige türkische Meister hat erst fünf Punkte auf dem Konto. Nach dem 2:1-Auftaktsieg gegen Gaziantepspor folgten zwei Unentschieden in Bursa gegen Christoph Daum und in Eskişehir.

Darüber hinaus kehrte Fatih Terim auf den Nationaltrainer-Posten der Türkei zurück und muss nun zusätzlich den Spagat zwischen Süper Lig, Champions League und WM-Qualifikation schaffen. Diese Konstellation bereitet den meisten Galatasaray-Anhängern bereits jetzt Sorgenfalten. Nach den beiden Länderspielen gegen Andorra und in Rumänien erwarten den von den Fans als „Imperator“ verehrten Coach ein schwieriges Spiel gegen Antalyaspor und das Derby bei Beşiktaş. Das i-Tüpfelchen der nächsten Wochen stellt jedoch das Auftaktspiel in der Champions League am 17.9. zu Hause gegen Real Madrid dar.

Kritik an Terims Doppelfunktion

Es herrscht also viel Unruhe in und um den türkischen Titelverteidiger. Sollten auch die nächsten beiden Ligapartien sieglos gestaltet werden, dürfte der sonst unantastbare Fatih Terim unter Dauerbeschuss stehen. Zwar zweifelt niemand an der Kompetenz des „Meistermachers“ von Galatasaray, dennoch gibt es erste leise Stimmen, die Terims Doppelfunktion kritisieren und darin eine Gefahr für Galatasarays Meisterschaftschancen stehen, zumal sich die beiden Titel-Kontrahenten Fenerbahçe und Beşiktaş aufgrund ihrer Europapokalsperre lediglich auf die Süper Lig konzentrieren können. Als würde dies noch nicht reichen, drängte auch noch Top-Torjäger Burak Yılmaz in den letzten Wochen auf einen Wechsel ins Ausland. Ein Transfer ist zwar nicht zustande gekommen (u.a. waren Valencia und Lazio Rom interessiert), doch richtig glücklich scheint der Stürmer nicht zu sein.

Der Verein stärkte seinem Trainer zuletzt allerdings den Rücken und gab diese Woche bekannt, dass sein zum Saisonende auslaufender Kontrakt um zwei Jahre verlängert wurde.

Alles in allem ist der letztjährige Champions-League-Viertelfinalist gut aufgestellt und konnte bisher alle Leistungsträger halten. Mit Umut Bulut und Felipe Melo konnte der Verein zudem noch zwei Leihspieler langfristig binden. Außerdem haben die „Löwen“ mit Fernando Muslera, Wesley Sneijder und Didier Drogba drei Spieler mit Weltklasse-Format. Des Weiteren konnte Galatasaray mit Aurelien Chedjou vom OSC Lille einen kamerunischen Nationalspieler, der zu den besten Innenverteidigern der Ligue 1 gehörte, dazugewinnen. Mit dem 18-jährigen Bruma, der Galatasaray zehn Millionen Euro kostete, sicherte sich der Klub am letzten Tag der Transferperiode ein vielversprechendes Talent von Sporting Lissabon für die Offensive.

Bei der Auslosung zur Champions-League-Gruppenphase hatte Galatasaray dieses Mal nicht so viel Losglück wie in der letzten Saison. Mit Real Madrid, Juventus Turin und dem FC Kopenhagen erwartet den türkischen Meister eine Mammutaufgabe. Klarer Favorit der Gruppe ist Real Madrid, letztjähriger Halbfinalist der Königsklasse. Mit Illaramendi (23, Real Sociedad), Isco (21, FC Malaga), Daniel Carvajal (21, Bayer Leverkusen) und Casemiro (21, FC Sao Paulo) verpflichtete der spanische Vizemeister die „Stars von morgen“. Rekordtransfer Gareth Bale, den sich die „Königlichen“ ganze 100 Millionen Euro kosten ließen, ist ein Indiz für die Titelambitionen der Madrilenen, die sich nach 2002 wieder die Champions-League-Trophäe sichern möchten. Beim Auftaktspiel in Istanbul werden jedoch Gonzalo Higuain, Kaka und Mesut Özil fehlen, die allesamt den Verein verließen.

Neben Real und Juve auch Kopenhagen nicht zu unterschätzen

Das erste Gastspiel hat Galatasaray beim italienischen Meister Juventus Turin, der sich vor allem mit Carlos Tevez (Manchester City) und Fernando Llorente (Athletic Bilbao) verstärken konnte und in der Vorsaison genauso wie Galatasaray in der Runde der letzten Acht ausschied. Mit Real Madrid und Juventus Turin haben es die „Löwen“ mit zwei europäischen Spitzenvereinen zu tun und dürfen gleichzeitig nicht den FC Kopenhagen unterschätzen, der als Underdog dieser Todesgruppe gehandelt wird. Auch wenn der dänische Meister in der Liga erst einen Sieg nach sieben Spielen auf dem Konto hat, zeigten die Dänen bereits vor zwei Jahren, dass sie immer mal wieder für eine Überraschung gut sind, als sie in der Saison 2010/11 das Achtelfinale der Champions League erreichten und dort am FC Chelsea scheiterten. Schlüsselspieler des FC Kopenhagens ist der Brasilianer Claudemir.

Die Gala-Vereinsführung ist sich der Schwere der Aufgabe bewusst. Vereinspräsident Ünal Aysal sieht in der Gruppe auch eine große Chance. „Falls wir es schaffen, die Gruppe zu überstehen, könnten wir das Ergebnis aus der letzten Saison wiederholen und sogar toppen. Wir haben ein starkes Galatasaray aufgebaut, das hätten wir damit auch bewiesen. Unser Hauptziel ist das Achtelfinale. Auch letztes Jahr war die Gruppe nicht einfach, aber wir haben es letztlich geschafft. Wir werden uns anstrengen, es dieses Jahr gleichzutun. Ich bin mir sicher, dass wir das schaffen können.“