Die erste Ausgabe des französischen Magazins Charlie Hebdo nach dem Terroranschlag von Paris kommt in Deutschland voraussichtlich erst am Wochenende in den Handel. „Es werden nach Deutschland nach derzeitigem Stand 10 500 französischsprachige Exemplare von ‚Charlie Hebdo‘ geliefert, die am Samstagmorgen in den Kiosken sein werden“, sagte ein Sprecher des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger am Dienstag in Berlin. Die Nachfrage werde diese Menge nach jetzigem Stand wohl „bei weitem“ übertreffen.

Die neue Charlie Hebdo kommt in Frankreich bereits an diesem Mittwoch heraus und wird nach Angaben aus Branchenkreisen vermutlich auch im deutschen Bahnhofsbuchhandel etwas früher als an den klassischen Verkaufsstellen zu haben sein. In der Bundesrepublik war das Satireblatt bisher nur in sehr kleinen Mengen nachgefragt worden. Nun rechnen die Händler mit einer großen Zahl von Solidaritätskäufen.

Auch in Frankreich kommen so viele Exemplare auf den Markt wie nie. Der Verlag kündigte eine Auflage von drei Millionen Exemplaren an. Charlie Hebdo erscheint sonst mit rund 60 000 Exemplaren.

Dar al-Ifta: Titelblatt von Charlie Hebdo ist „rassistisch“

Ägyptische Islamgelehrte haben die erste Ausgabe nach dem Terroranschlag von vor einer Woche scharf kritisiert. Die wichtige religiöse Einrichtung Dar al-Ifta („Haus der Rechtsprechung“) in Kairo wertete die Veröffentlichung neuer Karikaturen des Propheten Muhammad als „rassistischen Akt“.

Diese „ungerechtfertigte Provokation von 1,5 Milliarden Muslimen weltweit“ werde eine neue Welle des Hasses in der französischen und in westlichen Gesellschaften auslösen. Das sei nicht förderlich für das Zusammenleben und den Dialog, um den Muslime sich bemühten.

Das vorab veröffentlichte Titelblatt des Magazins zeigt eine Zeichnung des Propheten, der trauernd ein Schild mit der Aufschrift „Je suis Charlie“ (deutsch: Ich bin Charlie) in den Händen hält. Über der Zeichnung steht in großen Buchstaben „Tout est pardonné“ (deutsch: Alles ist vergeben).

Dar al-Ifta gilt als eine der höchsten religiösen Einrichtungen Ägyptens. Seine Rechtsgutachten (Fatwas) gelten weltweit als Leitfäden für sunnitische Muslime. (dpa/dtj)