Screenshot der Facebookposts von Madlen Vartian

Nächstenliebe ist sowohl im Christentum, als auch im Alevitentum eine der wertvollsten Tugenden. Auch Sunniten schreiben sie groß. Das was die Nächstenliebe ausmacht ist, dass sie universell Anwendung findet ohne zu selektieren. Das scheint Madlen Vartian, stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Armenier in Deutschland e.V. und Sprecherin des Christlich-Alevitischen Freundeskreises in der CDU (CAF), wohl gründlich missverstanden zu haben. In einem Facebook-Kommentar offenbart sie ihre Meinung zu Sunniten und „dem Islam“ im Allgemeinen.

Vartian teilte den Bericht eines Nachrichtenportals über einen Kirchenbrand in Bethlehem, für den ersten Indizien zufolge Extremisten beschuldigt werden. Über dem Bericht schrieb Vartian aber noch folgenden skandalträchtigen Kommentar:

„Ich glaube nicht an die Aufteilung zwischen ‚Moderaten‘ und ‚Extremisten‘, denn im Ergebnis trägt die überwiegende Mehrheit der Sunniten – ob Araber, Türken oder Kurden – den Christenhass und die Zerstörung von Kultur und Zivilisation in sich. Im wahrsten Sinne des Wortes wächst kein Gras, wo dieses Pack lebt. Die Welt mag sie untertreibend „Islamisten“ nennen, ich nenne es – aus der 1400-jährigen Erfahrungsgeschichte meines Volkes – sunnitischer Islam. Ein anderes Gesicht kennen wir nicht! Die gekauften Hunde in Europa mögen für dieses Pack bellen wie sie wollen!“

Wie nicht anders zu erwarten war, verursachte die Tirade bei vielen Nutzern augenblicklich Empörung. Eine Userin, die offensichtlich ebenfalls armenische Wurzeln hat, wandte sich an Vartian und bezichtigte sie, mit ihrem Post den Straftatbestand der Volksverhetzung zu erfüllen. Vartians Reaktion auf ihre Kritikerin fällt ebenso schroff aus, wie der ursprüngliche Post: Sie bescheinigt ihr fern jeden Niveaus ein „beschränktes Hirn“, spricht ihr gar den Verstand ab. Noch verstörender jedoch: Sie bezichtigt sie, eine „Pseudo-Armenierin“ zu sein, nimmt sich also das Recht, zu entscheiden, wer zum Volk der Armenier gehört und wer nicht – anscheinend auf der Grundlage ihres Hasses auf eine bestimmte Konfession. Die betroffene Userin ließ Vartian daraufhin durch sachlichen Ton und demonstrative Unbetroffenheit auflaufen.

Über ihren harschen Ton verwundert riefen andere User sie dazu auf, sich in einem milderen Ton zu üben. Prompt wurden sie ebenfalls Opfer von Beleidigungen und Diffamierungen. Journalisten, die sich gegenüber dem Islam und den Muslimen in einem sachgerechteren Ton und einer korrekten Wortwahl ausdrücken, bezeichnete die Juristin kurzerhand als „gekaufte Hunde“.

Reaktionen aus der CDU: „Hetzerisch, rassistisch, menschenverachtend“

Die Landtagsabgeordnete der Christlich Demokratischen Union Serap Güler äußerte sich  gegenüber DTJ eindeutig zu Vartians Post: „Ali Yıldız, ebenfalls Mitglied des CAF hat mir versichert, dass das weder die Meinung, noch die Position des CAF ist. Das ist erfreulich, denn diese Äußerung ist einfach hetzerisch, rassistisch und menschenverachtend. Die Tatsache, dass Vartian Rechtsanwältin ist, setzt dem ganzen noch die Krone auf. Kurz: Ein absolutes No-Go!“

Fatih Köylüoğlu, CDU-Politiker aus Siegburg, fordert sogar eine öffentliche Entschuldigung und den Rücktritt Vartians als Sprecherin des Christlich-Alevitischen Freundeskreises. Köylüoğlu befürchtet die Gefährdung demokratischer Grundwerte und prangert islamophobe und antisemitische Hetzparolen der armenischen Anwältin an. Antisemitische und islamophobe Tendenzen unter dem Deckmantel der Demokratie seien für die freiheitlich demokratischen Grundwerte Gift und würden den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden. „Die verbale Entgleisung von Madlen Vartian ist unzumutbar und und unserer werteorientierten und weltoffenen Partei nicht würdig. Ihre diffamierenden und klischeebeladenen Äußerungen haben einen volksverhetzenden Charakter. Die Entwicklung des Vereins und das Gedankengut sind besorgniserregend. Es bedarf an politischen und rechtlichen Maßnahmen“ sagte Köylüoğlu gegenüber DTJ.

Noch am selben Tag machte Vartian einen Rückzieher uns löschte den Post von ihrer Seite. Stattdessen prangt jetzt ein Statement an der Stelle, in dem sie klarstellt, dass die Reaktionen auf ihren Post sie nicht überrascht hätten und sie sie in einem „längeren Beitrag“, der Ende der Woche erscheinen soll, „im Einzelnen noch dezidiert kommentieren“ werde. Das Statement schließt mit den fast wie eine Drohung klingenden Worten „Nichts für zartbesaitete, dünnhäutige Seelen…“. Warum sie den Post direkt wieder gelöscht hat, wenn sie doch auf die Reaktionen vorbereitet gewesen war, bleibt sie schuldig zu erklären.

Madlen Vartian ist in ihrer Funktion als Sprecherin gegenwärtig die Stimme des CAF. Es stellt sich die Frage, ob die Juristin weitere verfassungswidrige Gedanken hegt und inwieweit ihr Kommentar als Volksverhetzung gelten kann. Laut der Internetseite www.alevitentum.de basiert die Moral des Alevitentums auf folgenden Worten ihres wichtigsten Lehrers Hacı Bektaş Veli: „Beherrsche deine Zunge, deine Hände und deine Lende!“ Anscheinend hat sich der Christlich Alevitische Freundeskreis der CDU eine Sprecherin gewählt, die zumindest die ersten beiden Tugenden nicht vorweisen kann.