Sowohl die Türkei als auch die USA unterstützen nach wie vor die syrische Opposition. Gleichzeitig sind beide Länder vom Problem extremistischer Kämpfer betroffen, die aus dem Westen ins das Bürgerkriegsgebiet einreisen - und dort hin zurückkehren.

Der scheidende US-Botschafter in der Türkei, Francis J. Ricciardone, gab am Donnerstag sein Abschiedsbankett, das vom Türkischen Außenwirtschaftsverband in Istanbul ausgerichtet wurde. Dabei verlor er einige interessante Worte zum Thema der nationalen Sicherheit.

Schwerpunkte der Zusammenarbeit zwischen den Ländern würden dabei die Situation in der Ukraine, Syrien, dem Irak, dem Iran im Zusammenhang mit dem Atomprogramm und die Suche nach einer dauerhaften Lösung für Zypern sein. Auch die Normalisierung der türkisch-israelischen Beziehungen sei unabdingbar für „Frieden und Stabilität im östlichen Mittelmeer“. Die Mittel dazu seien Diplomatie, die Vollziehung von Gesetzen (beispielsweise an den türkischen Grenzen), geheimdienstlicher Austausch und Sicherheit.

Dabei wollte Ricciardone „keine Details über geheimdienstliche Zusammenarbeit“ geben, „wichtige Kooperationen im Bereich der Nationalen Sicherheiten“ würden jedoch „weiterhin fortgesetzt“. Erst im Oktober 2013 drohte wegen der Syrienpolitik der AKP-Regierung eine Vertrauenskrise zwischen Ankara und Washington.

Kooperation der Geheimdienste

Es gibt jedoch zahlreiche Anhaltspunkte dafür, dass es vor allem mit Blick auf Syrien und das Problem ausländischer Extremisten eine intensive Kooperation zwischen türkischen und US-amerikanischen Sicherheits- und Geheimdienstabteilungen gibt. In der Vergangenheit sind bereits Tausende junger Männer als Kämpfer in das seit drei Jahren von einem Bürgerkrieg erschütterte Land aus der Türkei eingesickert. Auch hunderte türkische Staatsbürger kämpfen in Syrien auf Seiten verschiedener Oppositions-Gruppen. Die türkische Polizei ging bereits mit mehreren Razzien gegen Unterstützernetzwerke in der Türkei vor.

Kurz nachdem US-Präsident Barack Obama am 28. Mai vor der Militärakademie West Point den Oppositionsgruppen in Syrien „verstärkte Unterstützung“ versprochen hatte, verkündete die Regierung Erdoğan in Ankara am 3. Juni die Aufnahme der al-Nusra auf die Liste der „terroristischen Organisationen“.

In den meisten Fällen ist die Türkei Transitland für die Extremisten (wenige kommen auch über Jordanien). In der Türkei besteht für amerikanische und europäische Länder meist keine Visapflicht. Auf diese Weise können Staatsangehörige westlicher Staaten mit Touristenvisa in die Türkei einreisen, meist nach Istanbul, und sich in weiterer Folge auf den Weg machen, um irgendwo entlang der 910 Kilometer langen Grenze zwischen beiden Staaten nach Syrien zu gelangen.

Bislang etwa 8000 „Djihad“-Touristen

Dies hatten die USA und eine Reihe von NATO-Mitgliedsstaaten seit 2013 von Ankara erbeten, da sich die Gruppe in diesem Jahr offiziell zur Repräsentantin von al-Qaida in Syrien erklärte. Die USA wollen – manche spekulieren, um auf diese Weise Russland nach seiner Angliederung der Krim zu schaden – militärisch und geheimdienstlich in Syrien involviert bleiben, ohne jedoch Truppen zu senden. Die Türkei steht in der Syrienpolitik weiter auf der Seite des Westens, auch wenn die Begeisterung für die in letzter Zeit immer stärker in die Defensive geratene Opposition abnimmt.  

Das Problem der „Djihadisten“ betrifft jedoch in gleicher Weise die nationale Sicherheit sowohl der USA als auch der Türkei. Geheimdienstberichten zufolge haben sich seit Ausbruch der Kämpfe nicht weniger als 8000 Personen aus den USA und den europäischen Ländern auf den Weg nach Syrien gemacht.

In den meisten Fällen ist die Türkei Transitland für die Extremisten (wenige kommen auch über Jordanien). In der Türkei besteht für amerikanische und europäische Länder meist keine Visapflicht. Auf diese Weise können Staatsangehörige westlicher Staaten mit Touristenvisa in die Türkei einreisen, meist nach Istanbul, und sich in weiterer Folge auf den Weg machen, um irgendwo entlang der 910 Kilometer langen Grenze zwischen beiden Staaten nach Syrien zu gelangen. Meist überqueren sie die Grenze entweder illegal oder getarnt als Touristen, werden in Syrien trainiert und kämpfen dann für al-Nusra und ähnliche Organisationen.

Angst vor Terroranschlägen

Sofern sie nicht getötet werden, kehren sie wiederum als Touristen in die Türkei zurück und reisen zurück in ihre Herkunftsländer, ehe das Spiel nicht selten von neuem beginnt. Oft gibt es im Vorfeld keine Beweise für Verbindungen zu extremistischen Gruppen – sodass auf den ersten Blick unverdächtige Personen ihre bei al-Qaida gewonnene Ausbildung dann auch in den westlichen Staaten für Terroranschläge nutzen können. 

In der Türkei ereigneten sich bereits Terroranschläge mit Verbindung zur Syrienkrise, so etwa im türkischen Grenzort Reyhanlı. Der türkische Geheimdienst warnte erst im Januar vor neuen Selbstmordanschlägen in der Türkei und nannte die in Syrien aktive Terrorgruppe „Islamische Staat des Irak und der Levante“ als potentielle Gefahr.

Bekannte Herkunftsländer ausländischer Terroristen, die sich in den syrischen Bürgerkrieg mengen, sind neben den USA unter anderem auch Frankreich, Großbritannien, Spanien, Deutschland, Österreich, die Niederlande oder Norwegen. Die große Zahl an Personen aus westlichen Staaten, die in Syrien im Dienste radikaler Gruppen Kampferfahrung sammelt, deutet darauf hin, dass dieses Thema künftig zu einem zentralen Thema sicherheitspolitischer Kooperation zwischen der CIA und dem türkischen Geheimdienst MİT werden wird.