Während die Ausgangssperre in Cizre in der Provinz Şırnak anhält, nehmen die Meldungen über Todesfälle zu.

So soll am Wochenende ein drei Monate altes Baby durch Scharfschützen erschossen worden sein, als es sich für kurze Zeit im Garten des Hauses befand. HDP-Abgeordneter Faysal Sarıyıldız erklärte gegenüber Cumhuriyet, die Familie habe das Mädchen in der Tiefkühltruhe lagern müssen, da es im Krankenhaus keine Kapazitäten mehr gebe.

Der Vater des Babys, Burhan İnce, schildert den Fall so: „Meine Frau, meine Tochter und meine Schwester gingen über die Treppen außerhalb unseres Hauses ins Erdgeschoss. Dann wurde das Feuer eröffnet. Meine Tochter wurde getroffen. Wir haben die Polizei angerufen. Sie sagten, wir sollten das Baby in eine weiße Fahne hüllen und nach draußen bringen, der Krankenwagen sei unterwegs. Mein Vater nahm das Kind. Er und meine Großeltern gingen raus an die Stelle, an die der Krankenwagen kommen sollte. Dann wurde noch mal geschossen.“

Niemand habe ihn angerufen und nach dem Zustand des Mädchens gefragt. Auch seine Mutter sei vor wenigen Tagen von einer Kugel tödlich getroffen worden. Wer geschossen habe, wisse er nicht.

Wie verzweifelt die Menschen in Cizre und Umgebung sind, beweist der Hilferuf eins Onkels des Kindes, der um Frieden wirbt. Als die Schüsse fielen, habe es keine Gefechte gegeben. „Ich bin bereit zu sterben, wenn keine Kinder mehr sterben sollen. Wir wollen Frieden. Wie lange soll das noch so weitergehen?“

Seit Wochen halten die Auseinandersetzungen im Südosten der Türkei an. Die Armee begründet die Maßnahmen mit dem Kampf gegen die Terrororganisation PKK. Hunderte Terroristen sollen bislang getötet worden sein, auch Soldaten und – wie der Fall des Babys zeigt – Zivilisten starben im Kugelhagel.