Silk-Road
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Die Wiederauferstehung des Seidenstraßen-Projekts erschien, als es während der 1990er Jahre erstmals initiiert wurde, noch als Utopie. Mittlerweile jedoch befinde es sich auf dem Wege der Verwirklichung, meint der frühere Präsident Rumäniens, Emil Constantinescu.

„In jener Zeit war die Seidenstraße eine Utopie, aber jetzt ist sie Realität; auch pragmatisch gesehen eine Realität“, erklärte Constantinescu gegenüber Hürriyet während seines Besuchs im Rahmen des 18. Eurasischen Wirtschaftsgipfels, der von der Marmara Group Foundation organisiert wurde.

Constantinescu meinte, die Idee der Wiederauferstehung der Seidenstraße, des historischen Korridors, der Europa und Asien, vor allem China, verbunden hatte, sei vom ehemaligen georgischen Präsidenten Eduard Schewardnadse ins Spiel gebracht worden.

Um die Idee in die Wirklichkeit umzusetzen, wäre es notwendig gewesen, global zu denken und lokal zu handeln, betonte Constantinescu, und verwies darauf, dass Schewardnadse damals die ehemaligen Präsidenten von fünf Nationen – ihn selbst, Constantinescu, Süleyman Demirel aus der Türkei, Haydar Aliyev aus Aserbaidschan und Nursultan Nasarbajew aus Kasachstan – an einen Tisch gebracht habe.

„Wenn wir nur bilaterale Beziehungen aufbauen, aber regionale nicht beachten, wird das Projekt scheitern“, mahnt der Ex-Präsident und fügte hinzu, dass die Türkei und Rumänien sich als dessen treibende Kräfte nicht nur innerhalb der Region, sondern auch im globalen Kontext erwiesen hätten.

Im Rahmen des Gipfels hielt Constantinescu auf der „Sitzung der weisen Männer“, einer Sondersitzung im Rahmen des Gipfels, an der 13 frühere Präsidenten eurasischer Länder teilnahmen, eine Rede mit dem Titel „Kulturelle Diplomatie und Frieden in der globalisierten Welt“. Darin sagte er, die Türkei und Rumänien wären zwei Brückenländer, die verschiedene Teile der Welt zusammenbringen würden, was wiederum sie selbst zu einem bedeutenden Teil der weiteren transeurasischen Region mache.

Constantinescu: Türken genießen in Rumänien großes Vertrauen

Rumänien selbst, so Constantinescu, weise eine doppelte Identität auf. Die Walachei war ein Teil des Ostens und Transsylvanien eine „typisch mitteleuropäische Region“. Die Lage Rumäniens war besonders wichtig hinsichtlich seiner Beziehungen zur Türkei.

„Rumänien ist wie eine Brücke zwischen der östlichen Ökonomie, Philosophie, Mentalität und jener von Zentral- und Westeuropa. Das ist auch für unsere Beziehungen zur Türkei wichtig“, betonte Constantinescu. Die Türkei selbst definiere ihre Wichtigkeit für Europa vor allem durch ihre Brückenfunktion zwischen Europa und Asien.

Obwohl es zahlreiche Kriege zwischen Rumänien und dem Osmanischen Reich gegeben habe, hätten Rumänen ein großes Vertrauen in die Türken, erklärte Constantinescu, da diese sich stets an gegebene Versprechen und Verträge gehalten hätten. Dieses Vertrauen sei Konsequenz einer „geschichtlichen Neugier“, so der frühere Präsident. Und heute würden türkische Investoren in Rumänien eine freundliche Atmosphäre vorfinden, in der sie ernsthafte Geschäfte machen könnten.

Eurasischer Wirtschaftsgipfel als visionärer Zugang zu neuer Seidenstraße

Constantinescu erklärte, die Idee eines Eurasischen Wirtschaftsgipfels sei ein visionärer Zugang zu künftigen Beziehungen zwischen den Ländern Mitteleuropas und Zentralasiens. Die Türkei läge dabei in der Mitte und habe eine Schrittmacherrolle.

Der Eurasische Wirtschaftsgipfel wird jedes Jahr unter aktiver Beiziehung nationaler und internationaler Entscheidungsträger und Experten in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Energie, Soziologie und Sicherheit organisiert und verfolgt das Ziel, die Unternehmer, Politiker und Akademiker der jeweiligen Länder zusammenzubringen.