Gaza-Stadt: Eine palästinensische Mitarbeiterin des Gesundheitswesens zieht eine Impfdosis mit dem russischen Corona-Impfstoff Sputnik V in eine Spritze. Foto: Mohammed Talatene/dpa

Die Auslieferung der Corona-Impfstoffe wächst von Woche zu Woche rasant. Die EU ist unter den Top 3-Empfängern, die Türkei an siebter Stelle.

Thomas Cueni, Generaldirektor des internationalen Pharmaverbands IFPMA, wehrte sich im Gespräch mit der Journalistenvereinigung ACANU in Genf gegen Vorwürfe, die Industrie liefere eher an reiche Länder als an das von den Vereinten Nationen aufgesetzte Solidarprojekt Covax, das Impfstoffe für alle Länder, auch mit kleinen und mittleren Einkommen, kauft. Das berichtete die IFPMA am Dienstag unter Verweis auf eine Aufstellung der Datenplattform Airfinity.

In der Woche bis 22. Februar blieb nach diesen Angaben der Impfstoff von Biontech/Pfizer mit gut 82 Millionen Dosen der meist ausgelieferte. Das waren plus vier Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Die chinesische Firma Sinovac lieferte 74,4 Millionen (plus 46), Astrazeneca 55 Millionen (plus 22) und Moderna fast 50 Millionen (plus zehn Prozent). Am rasantesten legte das Mittel der chinesischen Firma Sinopharm zu: um 286 Prozent auf knapp 30 Millionen Dosen. Der Sputnik V-Impfstoff verblieb bei 8,3 Millionen Dosen. Im Gesamtjahr dürften zehn Milliarden Dosen produziert werden, schätzte James Robinson von der „Koalition für Innovationen in der Epidemievorbeugung“ (CEPI).

Nicht nur reiche Länder

Die meisten aller bislang ausgelieferten Impfdosen gingen in die USA: gut 26 Prozent. Mit 14,7 Prozent lag dahinter China, gefolgt von der EU mit 12,6 Prozent, Indonesien mit gut 5,8 Prozent und Großbritannien mit knapp 5,8 Prozent, wie der Verband berichtete. Abgesehen von China seien im Großen und Ganzen die meisten Dosen an die am schwersten betroffenen Länder und Regionen gegangen, sagte Cueni. Dass Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen nicht zum Zuge kämen, stimme nicht. Auf den nächsten Plätzen folgten Indien, Brasilien, die Türkei, Russland, Israel und Marokko.

Regierungen, die früh bestellt und bezahlt hätten und das Risiko eingegangen seien, bei Versagen der Firma viel Geld zu verlieren, würden auch zuerst beliefert, sagte Cueni. Covax habe erst im Dezember Verträge abgeschlossen. Dennoch werde die Zusage von zwei Milliarden Impfdosen an Covax in diesem Jahr aller Wahrscheinlichkeit nach übertroffen.

dpa/dtj