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Corona-Infos auf Türkisch und Co.: Staatliche Seiten fallen durch

In Berlin hat man den Eindruck, dass für die Übersetzung Google Translator genutzt wurde. Screenshot: berlin.de

Wie können sich Menschen, die kaum Deutsch sprechen, weil sie beispielsweise erst kürzlich nach Deutschland gekommen sind, auf dem aktuellen Stand über die Corona-Regelungen halten? Correctiv und der SWR stellen den Bundesländern in dieser Angelegenheit ein schlechtes Zeugnis aus.

Die Corona-Kommunikation der meisten Bundesländer für Menschen ohne oder mit wenig Deutschkenntnissen weist große Defizite auf. Zu diesem Schluss kommt eine gemeinsame Recherche von Correctiv und des SWR. Demnach können sich hunderttausende Menschen in Deutschland kaum über die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie und aktuelle Auflagen informieren. Das betreffe insbesondere Menschen, die kürzlich aus ihren Heimatländern nach Deutschland geflohen sind und gar nicht oder kaum deutsch sprechen. Die meisten Veröffentlichungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus in anderen Sprachen seien „lückenhaft, veraltet, schlecht auffindbar“, heißt es in dem Bericht.

Die Angebote würden sich bei einem Vergleich der einzelnen Bundesländern zwar voneinander unterscheiden, doch ein Problem hätten sie alle gemeinsam: So habe keines der 16 Bundesländer eine klare Strategie, um mehrsprachige Informationen zur Corona-Pandemie an die betroffenen Menschen heranzutragen.

Veraltete Hinweise

Allein die Auffindbarkeit der multilingualen Angebote sei sehr problembehaftet. Nordrhein-Westfalen, in dem die meisten Türkeistämmigen leben, unterhält zwar eine eigens in türkischer Sprache erstellte Unterseite für Updates rund um das Bundesland. Nach einem Link auf die Corona-Informationsseite des Landes sucht man hier aber vergeblich. Über eine Google-Suche kommt man zwar auf eine Seite mit regelmäßigen Aktualisierungen. Doch es handelt sich meist um komplizierte Verordnungen, die nicht in einfacher Form dargestellt werden.

Außerdem würden Informationen in den meisten Bundesländern nicht regelmäßig aktualisiert. Auf einer Unterseite des Ministeriums für Integration NRW etwa irritiert ein alter Link, der teilweise schneller auffind- und abrufbar ist als Links mit aktuelleren Bezügen.

Nach einem Klick auf diesen Link gelangt man beispielsweise auf Informationen vom Frühjahr 2020. Einer Zeit also, in der die Pandemie gerade um sich zu greifen begann. Oft ist nur Allgemeines zum Virus zu lesen. Die Bundesländer verlieren aber kaum ein Wort zu aktuellen Regelungen oder Verordnungen.

Schwer zugänglich

Oft ist nicht einmal klar, ob die Corona-Informationen in unterschiedlichen Sprachen dargestellt werden. So beispielsweise in Bayern. Auf der speziell für den Corona-Katastrophenschutz eingerichteten Unterseite des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Sport und Integration fehlt es an Hinweisen, wie man an die Infos in unterschiedlichen Sprachen kommt. Selbst mit einer umfangreichen Google-Suche gelangt man nicht auf die türkischen Seiten der Landesregierung. Stattdessen ist ein türkischsprachiger Dienst des Bayerischen Rundfunks BR auffindbar. Lediglich auf der Webseite des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus sind Hinweise in unterschiedlichen Sprachen zu finden, die erklären, wann Schüler:innen die Schule nicht besuchen sollen. Tägliche Updates? Fehlanzeige.

Ein Screenshot der Corona-Webseite des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Sport und Integration. Dort sind keine Hinweise auf mehrsprachige Informationen zu finden.

Berlin: Aktuell, aber zu kompliziert

In Berlin werden zwar aktuelle Hinweise in unterschiedlichen Sprachen zur Verfügung gestellt, doch einige sind hier zu unübersichtlich und zu detailliert dargestellt. So wird eine aktuelle Verordnung vollständig übersetzt und das auch fehlerfrei, doch die ist sehr lang und nicht für jeden sofort verständlich. Auch wenn Berlin mit der Webseite gegenüber vielen anderen Bundesländern glänzen kann, fehlen hier einfachere Darstellungen, die sofort ersichtlich werden und von jedem verstanden werden können.

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