Crowdfunding: Neue Geldbeschaffungsmethode für Neue und Kleine

Crowdfunding boomt. Einem Bericht von Massolution, einem international anerkannten Marktforschungsunternehmen, zufolge werden in diesem Jahr durch die Crowdfunding-Methode nicht weniger als 2,8 Milliarden Dollar eingesammelt und investiert. 2009 lag die entsprechende Geldmenge noch bei lediglich 530 Millionen Dollar. Es existieren weltweit über 450 sogenannte „Crowdfunding Platforms“. Unternehmen und Investitionen vervielfältigen sich in diesem neuartigen Segment der Wirtschaft so schnell wie in kaum einem anderen Segment.

Mit Kickstarter und indiegogo sind zwei der zwei größten Unternehmen nennen. Beide Unternehmen kommen aus den USA und sind weltweit Marktführer im neuen Business. Doch auch der deutsche Markt zieht schon seit längerer Zeit mit. Die Zahlen der deutschen Crowdfunder bestätigen im Übrigen auch ein großes Interesse an dieser fixen Finanzierungsmethode in Deutschland.

Es gibt mittlerweile zwei Anbieter in der Bundesrepublik, die mit Beträgen im siebenstelligen Bereich arbeiten. Über die Firma Seedmatch wurden bis dato bereits 3,44 Millionen Euro in diverse Projekte investiert, denen die Türen herkömmlicher Geschäftsbanken verschlossen geblieben waren. Ihr schärfster Konkurrent Innovestment versorgte bisher 16 Start- Ups mit Geld privater Anleger. Hier flossen 1,24 Millionen Euro in die Kassen der Unternehmen.

Nachdem Ende 2010 bereits zwei kleinere, erfolgreich finanzierte Projekten für einen gelungenen Auftakt gesorgt haben, kann das Jahr 2011 als das eigentliche Startjahr für Crowdfunding in Deutschland im großen Stil betrachtet werden. Insgesamt stehen auf den Plattformen wie seedmatch, Innovestment, inkubato, mySherpas, pling, Startnext und VisionBakery 30 verschiedene Projektkategorien zur Verfügung. Einige setzen ihren Schwerpunkt dabei sogar auf künstlerische und kreative Projekte.

Worum geht es eigentlich?

Crowdfunding setzt sich aus den englischen Wörtern crowd („Menge, Menschenmasse“) und funding („Finanzierung“) zusammen. Im Deutschen hört man auch gelegentlich das Wort Schwarmfinanzierung, welches allerdings nicht zuletzt auf Grund seines gewöhnungsbedürftigen Klanges weniger gebräuchlich ist. Hauptsächlich wird diese Form der Finanzierung von aufstrebenden Start-Ups bevorzugt. Anwendbar ist Crowdfunding aber auf fast alles. Es lassen sich Projekte, Produkte, die Umsetzung von Geschäftsideen und vieles andere mit Eigenkapital in Form von stillen Beteiligungen finanzieren. Die Kapitalgeber kommen aus allen Gesellschaftsschichten und müssen in der Regel keinerlei Voraussetzungen für eine Beteiligung erfüllen. Meist sind es aber Internetnutzer, die aktiv werden, da zum Crowdfunding meist im World Wide Web aufgerufen wird, nicht zuletzt auch über soziale Netzwerke wie facebook.

Schnelligkeit und Einfachheit ist der Schlüssel zum Erfolg

Das Prinzip ist simpel. Stimmen das Konzept und die Idee, dann stellen interessierte Konsumenten und Anleger kleine Beträge für das Projekt zur Verfügung. Die Investition wird gebündelt und vom Crowdfunding-Unternehmen für das Start-Up eingesammelt. Wer investiert, erhofft sich im Anschluss daran eine lukrative Rendite oder Dividendenauszahlung.

Ein großes Plus stellt hierbei die enorme Flexibilität der Methode da. Wer sich für das Konzept interessiert, investiert kurzerhand einen kleinen Betrag. Es gibt keine Banken und kaum Beschränkungen. Für Start-Ups ist es immer noch schwierig, trotz großer Idee und Konzepte, von ihrer Bank einen Kredit zu günstigen Konditionen oder überhaupt einen Kredit zu bekommen. Die Geschäftsbedingungen mancher Banken reihen Neugründer von vornherein in die Ausschlusskriterien für die Vergabe eines Kredits ein.

Anleger scheinen in einer Zeit voller wirtschaftlicher und politischer Unsicherheiten hingegen lieber in etwas Handfestes investieren zu wollen. Wertpapiere, Gold und die meisten anderen Möglichkeiten zur Investition erscheinen kaum noch sicher und erfolgversprechend. Aus der Not heraus und dem Wunsch, mehr aus dem Vorhandenem herauszuholen, entstand das Crowdfunding.

Start-Up „Honestly“ macht es vor

So sorgte das Karlsruher Startup „Honestly“ vor knapp zwei Monaten mit der “größten Crowdinvesting-Aktion aller Zeiten” für Aufmerksamkeit. Die Existenzgründer wollen 400.000 Euro einsammeln. Erstaunlich war auch, wie schnell sich das Unternehmen im August 2012 über Crowdfunding schon einmal finanzieren konnte. Innerhalb von drei Stunden hatte man es damals geschafft, eine Summe von nicht weniger als 100.000 Euro einzunehmen.

Crowdfunding ist nicht nur ein lustiger Trend voller heißer Luft. Es ist eine interessante Innovation, die eine gute Finanzierungsalternative für junge Start-Ups bietet. Unsummen an Kapital zu sammeln wird zwar schwierig, wenn man viele kleine Geldbeträge wie ein Puzzle zusammensetzen muss, doch diese brauchen Start-Ups auch nicht. Ihnen geht es eher darum, den ersten Schritt machen zu können.