Singhammer von der CSU.

Für einen Patriotismus nach US-amerikanischem Muster hat sich Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU, Foto) ausgesprochen. Das berichtet die Tageszeitung „Die Welt“ unter Hinweis auf ein Interview des Politikers in der FAZ (Donnerstag).

Johannes Singhammer forderte demnach einen neuen Patriotismus, der „jede Geringschätzung von anderen“ vermeidet. Der CSU-Politiker wolle bei Zuwanderern eine „emotionale Bindung“ an ihre neue Heimat, „die weiter reicht als der Euro oder ein sicherer Arbeitsplatz“.

Singhammer verwies auf das Beispiel USA. Dort und in anderen klassischen Zuwanderungsstaaten werde von Neuankömmlingen aus anderen Erdteilen und Kulturkreisen eine „nach oben offene Grundidentifikation“ mit ihrem Aufnahmestaat erwartet.

Nach Kabinettsvereidigung Nationalhymne singen

Deutschland dagegen tabuisiere diese Erkenntnisse, so Singhammer. Dabei sei die Bundesrepublik reif für einen „neuen Patriotismus“, der „nicht verstaubt rückwärtsgewandt“ sei. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Fußball-WM 2006.

Eine „ehrliche Integration“ auf der Basis gemeinsamer Freude am eigenen Können und des Optimismus wäre das Gebot der Stunde. Der Bundestag könne nach Singhammers Vorstellung mit gutem Beispiel vorangehen. So solle künftig nach der Vereidigung der Kanzlerin und des Bundeskabinetts die deutsche Nationalhymne gesungen werden.

Nachdem die CSU zu Jahresbeginn eine Debatte über Zuwanderung aus Anlass der seit 1. Januar geltenden vollen Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus den EU-Ländern Rumänien und Bulgarien angestoßen hatte und sich mit ihrer Warnung vor einem möglichen „Zuzug in die Sozialsysteme“ Populismusvorwürfen ausgesetzt sah, scheint die Partei diesem Eindruck nun gegensteuern zu wollen.

„E Pluribus Unum…“

Der Denkansatz der CSU scheint der vielfachen Beobachtung Rechnung zu tragen, dass Einwanderer zwar oft die Rechtssicherheit anstreben, die ein deutscher Pass verleiht, aber Schwierigkeiten dabei haben, eine emotionale Bindung zu Deutschland aufzubauen. Dies hat zum einen seinen Grund in Zurückweisungen seitens der Mehrheitsbevölkerung, zum anderen aber oft auch in der Tabuisierung des Nationalstolzes in weiten Teilen der deutschen Gesellschaft. Dieser ist beispielsweise getreu der Mahnung des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk, „Türke, sei stolz, arbeite und habe Vertrauen“, ein elementares Ziel der Schulbildung in der Türkei.

In den USA, wo am Montag das legendäre „Super Bowl“-Finale im American Football stattfand, erregte übrigens Coca Cola mit einem Werbespot Aufsehen, der das „E Pluribus Unum“-Nationsverständnis der USA, auf welches auch Singhammer anspielt, illustriert. Dort wurde zum Zeichen der Multinationalität der amerikanischen Nation das berühmte patriotische Musikstück „America the Beautiful“ in sieben in den USA verbreiteten Sprachen gesungen.