Die Polizei in Ankara hat am Mittwoch mehrere Lkws gestoppt, die sich auf dem Weg zur Druckerei der pro-säkularen Tageszeitung Cumhuriyet befanden. Nach Angaben des Blattes folgte die Durchsuchungsaktion einem Beschluss der Redaktion der Zeitung, eine Auswahl an Karikaturen der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo abzudrucken, die vor einer Woche zum Ziel eines terroristischen Anschlags geworden war.

Die Polizei habe grünes Licht für die Auslieferung der Zeitung gegeben, nachdem sie sich davon überzeugen konnte, dass das Titelblatt der am Mittwoch erscheinenden jüngsten Ausgabe des Blattes nicht abgedruckt wurde, auf dem sich eine Karikatur des Propheten Muhammad befindet.

In ihrer Mittwochausgabe druckte die Zeitung eine vierseitige Auswahl von Cartoons und Beiträgen aus Charlie Hebdo als Zeichen der Solidarität ab. Man ließ dabei jedoch solche außen vor, die Muslime als beleidigend empfinden könnten. Zwei Kolumnisten verwendeten jedoch kleine Schwarzweißbilder des Charlie-Hebdo-Titelblatts als Avatare für ihre Kolumnen.

„Als wir diese Ausgabe vorbereitet hatten, haben wir die religiöse Freiheit der Gesellschaft und religiöse Empfindlichkeiten respektiert“, erklärte Cumhuriyet-Chefredakteur Utku Çakırözer.

„Nach eingehenden Beratungen haben wir uns dazu entschlossen, das Titelblatt nicht mit rein zu nehmen“, ergänzte Çakırözer. Auf die Avatare der Kolumnisten ging er dabei nicht ein.

Unter den abgedruckten Karikaturen befindet sich einige, die Papst Franziskus oder den französischen Präsidenten François Hollande darstellen, sowie eines, das auf ein Massaker von Boko Haram in Nigeria Bezug nimmt.