2013 war der langweiligste Wahlkampf aller Zeiten? Darüber lässt sich streiten. Denn andererseits gab es dieses Mal auch so viel Klamauk wie nie.

A wie Achterteam: Gewagte Idee der Linkspartei für den 22. September. Weil man sich nicht auf einen Spitzenkandidaten einigen konnte, gibt es acht. Bekannt wurden nur zwei: Gregor Gysi und Sahra Wagenknecht.

B wie Bahamas-Koalition: Neueste Kreation in der politischen Farbenlehre. Schwarz für Union, gelb für FDP und blau für Alternative für Deutschland. Wie die Bahamas-Fahne. Und seeeehr unwahrscheinlich.

C wie Christlich-Liberales Bündnis: Erfolgreichste Regierung seit der Wiedervereinigung, lobt Angela Merkel. Peer Steinbrück kontert: tatenloseste aller Zeiten.

D wie Ding Dong: Klingeln, Haustür-Wahlkampf der SPD. Oder im O-Ton: „Guten Tag, mein Name ist Peer Steinbrück. Ich bin dieser neue Spitzenkandidat von den Sozialdemokraten.”

E wie Edmund Stoiber: Ex-Kanzlerkandidat von der CSU, 2013 verkleidet im Einsatz – als Biergarten-Grantler samt Zamperl für eine „Geh‘ Wählen!”-Initiative. „Meckern reicht nicht”, sagt er. Wohl wahr.

F wie Frida Kahlo: Mexikanische Künstlerin, Revolutionärin und Vorbild von Linke-Kandidatin Wagenknecht. Wagenknecht ließ sich in Kahlo-Pose für ein Leute-Magazin fotografieren. Ergebnis: umstritten.

G wie GAU: Größter anzunehmender Unfall im Wahlkampf. Hatte Grünen-Kandidat Jürgen Trittin, der bei einer Paddeltour unterging. Ganz schlechte Symbolbilder. Viel Mitleid. Mag keiner.

H wie „Hätte, hätte, Fahrradkette”: Neue Variante des Politiker-Klassikers „Auf hypothetische Fragen antworte ich nicht”, über die Parteigrenzen dieses Mal sehr beliebt.

I wie Idar-Oberstein: Ort in Rheinland-Pfalz, wo Merkels schwarz-rot-goldene Halskette angefertigt wurde, die sie beim TV-Duell trug. Auch bekannt als: „Schlandkette”.

J wie Ja zur Demokratie: Über die verschiedenen Parteien und Kandidaten lässt sich streiten, doch über eins sollten sich alle Bundesbürger einig sein: mit ihrer Stimmabgabe stützen sie die Demokratie in Deutschland.

K wie King of Kotelett: Neuerdings anderes Wort für Kanzler, geprägt von Stefan Raab im TV-Duell („Das ist doch keine Haltung zu sagen: Ich will nur gestalten, wenn ich auch King of Kotelett bin.”).

L wie Landtagswahl in Hessen: Am gleichen Tag wie die Bundestagswahl wird in Hessen der Landtag gewählt. Für alle Hessen heißt das, sich beim Kreuzchen setzen besonders zu konzentrieren, um ja die Übersicht nicht zu verlieren.

M wie Mittelfinger: Halbstarke Geste, mit der Steinbrück im „SZ”-Magazin kurz vor Schluss seinen Kommentar zu „Pannen-Peer” und anderen Spitznamen abgab. Auch im Ausland stark beachtet.

N wie Neue Scheine: Handpuppen-Werbung der „Alternative für Deutschland”, die nichts vom Euro hält – mit einer Kröte als „Kanzlette” und einem Vizekanzler namens „Fipsi”. Arg bemüht.

O wie Oggersheim: Heimat von Altkanzler Helmut Kohl, etwas in Vergessenheit geraten. Genutzt für Kaffeestunde mit FDP-Duo Brüderle und Philipp Rösler. Möglicherweise Wahlhilfe. Vielleicht auch nicht.

P wie Pippi-Langstrumpf-Lied: Eigenwillige Gesangseinlage von SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles im Bundestag („Ich mach mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt”). 1,3 Millionen YouTube-Klicks.

Q wie Quark: Peinliche Querverbindung zwischen FDP, finnischem Quarkhersteller und NPD. Griffen alle für TV-Spots zum gleichen Filmschnipsel – eine Bilderbuchfamilie auf Fahrradtour.

R wie Raute: Klassische Merkel-Geste mit den Händen, genutzt für Deutschlands größtes Wahlplakat (2378 Quadratmeter) am Berliner Hauptbahnhof. Deutschland in guten Händen?

S wie Stefan Raab: In großen Lettern erklärte die Bild-Zeitung auf ihrer ersten Seite Moderater Stefan Raab zum eigentlichen Sieger des TV-Duells zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem SPD-Herausforderer Peer Steinbrück.

T wie Tränen: Lügen nicht. Traten Steinbrück in die Augen, nachdem seine Frau Gertrud beim Parteikonvent über eine schlechte Behandlung ihres Mannes in der Öffentlichkeit geklagt hatte.

U wie U18: Probewahl von fast 200 000 Kindern und Jugendlichen am vergangenen Freitag. Ergebnis: CDU/CSU mit 27,1 Prozent vor SPD (20,5%), Grünen (17%) und Piraten (12%). FDP mit 4,6 Prozent draußen.

V wie Veggie Day: Grünen-Idee für einen fleischlosen Tag pro Woche in Deutschlands Kantinen. Von den Koalitionsparteien genutzt zur Warnung vor einer „grünen Verbots-Republik” („Fleisch ist mein Gemüse”).

W wie Wahl-o-Mat: Das Informationsangebot über die Programme der verschiedenen Parteien wird von vielen Wählern genutzt. Ismail Kul, Kolumnist bei DTJ-Online, kritisierte den Wahl-o-Mat jedoch entschlossen.

X wie Kreuz auf dem Wahlzettel: Ziel des ganzen Wahlkampfs von insgesamt 34 Parteien. Gesamtkosten von mehr als 57 Millionen Euro. Entscheidung am 22. September. Ergebnis ab 18.00 Uhr.

Y wie Yasemine Karakaşoğlu: Bildungs-Expertin im SPD-Schattenkabinett. Teilt das Schicksal von anderen Mitgliedern des „Kompetenz”-Teams: weitgehend unbekannt.

Z wie ZDF-Politbarometer: Zum ersten Mal auch in der letzten Woche vor der Wahl, an diesem Donnerstag. Angeblich wichtig, weil noch so viele Wähler unentschlossen sind. Kann trotzdem ganz anders kommen. (dpa/dtj)