Das Ramadan-Fest: Ein fester Bestandteil Deutschlands

Die Muslime in Deutschland bewiesen in den vergangenen Tagen und Wochen nun das Gegenteil und bestätigten damit indirekt die Aussage Christian Wulffs vom 3. Oktober 2010, als dieser sagte, der Islam gehöre mittlerweile zu Deutschland. Denn längst sind Begriffe wie „Ramadan“, „Fasten“, „Zuckerfest“ auch unter der deutschen, nichtmuslimischen Bevölkerung keine Fremdwörter mehr und werden gemeinsam gefeiert. So auch in Berlin.

Das dreitägige Ramadanfest, das unmittelbar im Anschluss an den Fastenmonat gefeiert wird, im Volksmund auch „Zuckerfest“ genannt, ist eines der bedeutendsten religiösen im Islam, ähnlich wie Ostern oder Weihnachten für die Christen.

An diesen Feiertagen besuchen Muslime ihre Verwandten, Freunde und Bekannten, aber auch Schwache und Kranke, beschenken sich gegenseitig und laden einander zum Essen ein. Alte Streitigkeiten werden beigelegt, Verwandtschafts- sowie Freundschaftsbande erneuert und verfestigt. Doch auch im außerfamiliären Rahmen werden Freundschaften und Beziehungen geknüpft. Anlässlich des Ramadans luden in den letzten Wochen viele Moscheen und Vereine zum gemeinsamen Fastenbrechen und Feiern ein.

Vom 25. Juli bis 19. August fand in Berlin zum fünften Mal das Kulturfest statt, auf dem Künstler zum Thema „Die Nächte des Ramadan“ auftraten und zum Abschluss das „Ramadanfest auf der Karl-Marx-Straße“ feierten.

Am 8. August wurde in Berlin-Wedding das abendliche Fastenbrechen begangen, das unter dem Motto „Dialog zwischen Nachbarn“ stand. Daran nahmen sowohl Vertreter der Beyazit-Moschee, als auch Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde Nazareth sowie Integrationssenatorin Dilek Kolat von der SPD teil.

Nicht nur in Berlin wurde ordentlich gegessen und gefeiert, auch in anderen deutschen Städten wie in Dortmund. Dort lockte das „Festi Ramazan 2012“ viele Besucher an. Auf einer Fläche von 30.000 Quadratmetern wurden 30 Tage lang ab 16 Uhr Veranstaltungen für Klein und Groß angeboten.

Doch das gemeinsame Miteinander beschränkte sich nicht nur auf das Fastenbrechen während des Ramadan. Auch während des Ramadanfestes boten sich viele Gelegenheiten, zusammenzukommen. So lud an diesem Sonntag das „Haus der deutsch-arabischen Jugend“ auf dem Emsserplatz zum gemeinsamen Feiern ein.

Deutsche, Türken, Araber, Kurden, Albaner, Bosnier, Muslime wie Nichtmuslime kamen vielerorts zusammen und auch einige Politiker bewiesen, dass die Tradition des Ramadanfestes in Deutschland angekommen und willkommen ist.

Klaus Wowereit, der regierende Bürgermeister Berlins, gratulierte den Muslimen zum Ramdanfest. Es sei ein Fest des Friedens und der Versöhnung, mit dem Neuanfang beginne.

In der Pressemitteilung von Bundespräsident Joachim Gauck anlässlich des Festes hieß es: „Ich freue mich darüber, dass das Fest des Fastenbrechens in Deutschland immer mehr zu einem selbstverständlichen Teil des Lebens wird, das nicht nur von muslimischen Bürgern wahrgenommen wird. Ich weiß und ich finde es gut, dass es in vielen Familien, Nachbarschaften, in Institutionen und Vereinen gemeinsame Iftar-Essen gibt, zu denen auch Nicht-Muslime eingeladen werden, und gemeinsames Fastenbrechen, in dem sich gemeinsame Lebensfreude ausdrückt.“

Es bleibt zu hoffen, dass sich weitere Politiker noch stärker zu den Muslimen in Deutschland bekennen, und das auch nicht nur im Ramadan.

Suzan Çalışkan