Auch die Moscheen erscheinen im Ramadan in einem besonderen Licht. Oft werden sie geschmückt und dekoriert. Auf dem Foto ist die Scheich-Zayed Moschee in Abdu Dhabi/VAE zu sehen. Quelle: Pixabay

Der Ramadan ist schon ein paar Tage alt, viele Muslim:innen verzichten derzeit tagsüber u.a. aufs Essen und Trinken. Doch das Fasten besteht aus vielen weiteren Aspekten. Wir haben eine Art Ramadan-Lexikon zusammengestellt, in dem wir einige Begriffe* rund um den islamischen Fastenmonat vorstellen. 

A – ALLAHS WOHLGEFALLEN: Die Absicht beim Fasten ist es, das Wohlgefallen Gottes zu erlangen und die innere Einkehr. 

B – BISMILLAH: Bismillah (dt: im Namen Gottes), arabische Formel, die mit einer Ausnahme am Anfang jeder Koransure steht. Muslim:innen sprechen sie vor Beginn nahezu jeder Aktivität aus, z.B. vor dem Essen. 

C – CORONA: Der Ramadan findet in diesem Jahr zum zweiten Mal unter Corona-Auflagen statt. Muslim:innen können die Moscheen nur in einem beschränktem Umfang nutzen. Gemeinsame Fastenbrechen mit Freunden und Familie, die zum festen Bestandteil des Ramadans gehört, sind wieder tabu. 

D – DATTEL: Die Dattel gehört traditionell zum Fastenmonat Ramadan. Die süße Frucht ist ein guter Energielieferant für den ganzen Tag. Traditionell brechen Muslim:innen das Fasten mit einer Dattel. 

E – EID: Eid al-Fitr, das Ramadanfest – oder auch Zuckerfest, wie es im Volksmund genannt wird – bildet den Abschluss des Fastenmonats. Es findet in den ersten Tagen des Folgemonats statt und dauert drei Tage an. Da der islamische Kalender sich nach dem Mondkalender richtet, rotiert das Fest von Jahr zu Jahr und kann somit zu allen Jahreszeiten stattfinden. Der Tag wird festgelegt, wenn die Mondsichtung erfolgt. Dadurch kommt es in einigen Ländern gelegentlich zu unterschiedlichen Festlegungen des Termins. Das Eid al-Fitr verbringt man in der Familie und mit Freunden. Regelmäßiger Begleiter der Festtage sind verschiedenste Gerichte und vor allem Süßspeisen. Am ersten Tag des Fests darf ein/e Muslim:in nicht fasten.

Fasten, Gebete, Hafiz

F – FASTEN: Das Fasten (arab. sawm, türk. oruç) im Monat Ramadan gehört zu den Grundpfeilern des Islam. Gesunde und mündige Muslim:innen fasten im Ramadan von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Dabei verzichten sie auf Essen, Trinken, Rauchen und intime Nähe. Das Spenden und Solidarität mit bedürftigen Menschen ist ebenfalls ein wichtiges Merkmal der Fastenzeit. 

G – GEBETE: Im Fastenmonat Ramadan gibt es neben dem obligatorischen, täglich fünfmal stattfinden Gebet weitere optionale Gebete, wie beispielsweise das Tarawih, das im Anschluss an das letzte Tagesgebet verrichtet wird. 

H – HAFIZ: Hafiz sind die „Behüter:innen“ des Korans. Sie haben den ganzen Koran, dem im Ramadan eine besondere Bedeutung zukommt, memoriert und vor einer Lehrerin oder einem Lehrer als Prüfung vorgetragen. Somit werden sie zu Beschützer:innen des Korans und erhalten eine Lehrbefugnis. Sie tragen den Koran zu diversen Anlässen vor und lehren die Kunst der Koranrezitation. Mit der Lehrbefugnis wird man in eine Kette von Namen aufgenommen, die bis zu einem Prophetengefährten zurückgeht. Schließlich war und ist der Koran, neben dem schriftlichen Festhalten, stets in den Gedächtnissen vieler Muslim:innen präsent. 

Iftar, Koran, Lailat al-Qadr

I – IFTAR: Das Iftar, also Fastenbrechen, findet an jedem Ramadantag mit dem Sonnenuntergang statt. Dann kommt die Familie am Esstisch zusammen und bricht gemeinsam das Fasten. Der Tradition nach sollte man das Iftar mit einem Glas Wasser und einer Dattel beginnen, bevor man zu den Hauptgerichten übergeht. Diese Iftar finden meist in großer Runde mit verschiedensten traditionellen Gerichten statt. Der Fastende darf solange essen und trinken, bis die Sonne wieder aufgeht. Ärzte empfehlen, den Magen nicht übermäßig zu belasten, da dieser sich während des Ramadan verkleinert. Anschließend beginnt ein neuer Fastentag.

K – KORAN: Der Ramadan gilt als Monat des Korans. Im Ramadan erhielt der ehrenwerte Prophet die erste Offenbarung und wieder in einem anderen Ramadan wurde die Verkündung des Korans abgeschlossen. Außerdem wird in keinem Monat so viel Koran gelesen wie in diesem Monat. Der Koran ist das Vorgetragene und bezeichnet die nach dem Islam letzte Schrift-Offenbarung Gottes. Er ist das Wort Gottes, das über Seinen Gesandten die Menschheit erreichte. Die Koranverse wurden von 610 bis 632 n. Chr. in gewissen Abständen und zu diversen Anlässen offenbart, sie wurden zugleich schriftlich und mündlich festgehalten und gesammelt. Bereits wenige Monate nach dem Ableben des Propheten wurden die Koranverse erstmals zusammengetragen. Der Koran enthält 6.236 Koranverse. Die fünf Grundthemen im Koran sind die Einheit bzw. Einsheit Gottes, die Prophetie, die Auferstehung, die Gerechtigkeit bzw. Ausgeglichenheit und der Gottesdienst. 

L – LAILAT AL-QADR: Die Lailat al-Qadr ist die heiligste Nacht des Islam. Sie bildet am 27. Tag des Ramadans den Höhepunkt des Monats. Übersetzt heißt sie „Nacht der Vorherbestimmung“ oder „Nacht der Allmacht“. In dieser Nacht begann die Offenbarung des Koran. Im Koran wird in der Sure „Suratu’l-Qadr“ über die Bedeutsamkeit dieser heiligen Nacht berichtet. An Lailat al-Qadr verbringen Muslim:innen die Nacht oft in Moscheen, um gemeinsam zu beten. Dem islamischen Glauben zufolge sollen alle Wünsche und Gebete in dieser Nacht erhört werden. Zwar wird diese Nacht offiziell am 27. Tag datiert. Doch empfohlen wird, die letzten zehn Tage des Ramadan jeweils wie ein Lailat al-Qadr zu verbringen.

Muqabala, Ramadan, Sahur

M – MUQABALA: Die Muslim:innen treffen sich bei einer Muqabala in einer Moschee und rezitieren dabei aus dem Koran. Der Imam sitzt vorn, die Betenden ihm zugewandt. Sie öffnen den Koran und lesen mit. Genau wie der Erzengel Gabriel und der Prophet es damals taten. Zu Corona-Zeiten verlagern viele Moscheen die Lesungen ins Digitale und übertragen sie online.

R – RAMADAN: Der Monat Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders. Er ist der meist verehrte und gesegnete Monat des islamischen Jahres. Im Mondkalender beginnen die Monate, wenn die erste Mondsichel gesichtet wird. Da der islamische Mondkalender etwa 11 Tage kürzer ist als das Sonnenjahr, wandert der Ramadan durch die Jahreszeiten. Der/die Gläubige wird deshalb in seinem/ihrem Leben mit dem Fasten in den kurzen Wintertagen, aber auch, wie in diesem Jahr, in den langen Sommertagen konfrontiert. Übersetzt bedeutet Ramadan übrigens „der heiße Monat“. Das Fasten beginnt mit der Morgendämmerung und endet bei Sonnenuntergang. Hierbei müssen die Fastenden auf Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr verzichten.

S – SAHUR: Das Sahur ist neben dem Iftar im Fastenmonat Ramadan eine wichtige Mahlzeit. Es ist quasi das Vorfastenfrühstück. Bevor die Sonne aufgeht, stehen viele Muslim:innen noch einmal zum Sahur auf und frühstücken, um den Tag über gestärkt zu sein. Mit dem Gebetsruf für das Morgen-Gebet darf nichts mehr zu sich genommen werden. Empfohlen wird, zehn Minuten vorher mit dem Essen und Trinken aufzuhören. Die Gebetszeiten sind festgelegt und können speziellen Ramadan-Kalendern (sog. Imsakiye, im weitesten Sinne vergleichbar mit einem Adventskalender) entnommen werden.

Tarawih, Zakat, Zahnmiete

T – TARAWIH: Das Tarawih-Gebet ist neben den fünf Pflichtgebeten am Tag im Monat Ramadan ein zusätzliches Gebet. Dieses findet im Anschluss an das letzte Gebet am Tag statt. Der Tradition nach begeben sich die muslimischen Frauen und Männer in die Moscheen, um dort mit den Mitgläubigen das Gebet zu verrichten. Es steht ihnen frei, das Gebet auch zu Hause zu verrichten. Der Begriff „Tarawih“ kommt im Koran selbst nicht vor. Das Tarawih-Gebet besteht aus wahlweise 20 oder acht Gebetsabschnitten und wird nicht am Stück, sondern in der Regel in fünf (oder zwei) Teilabschnitten verrichtet. Das besondere: Das erste Tarawih findet am Abend vor dem ersten Fastentag statt, das letzte am vorletzten Abend des Ramadan.

Z – ZAKAT: Die Zakat (Almosen) ist die dritte Säule im Islam. Das Spenden an die Armen ist somit verpflichtend für jede/n Muslim:in. Die Zakat muss ebenfalls an Muslim:innen gespendet werden. Möchte man jedoch eine freiwillige Spende vornehmen (sadaka), so kann diese auch von Nicht-Muslim:innen empfangen werden. Als Grundlage zur Berechnung dient das Vermögen eines/r Gläubigen. Die Zakat wird im Ramadan verteilt.

Z – ZAHNMIETE: Im Osmanischen Reich wurden zum Ramadan kleine Münzen im Reis versteckt. Diejenigen, die die Münzen beim Essen zuerst fanden, durften sie behalten. Sie waren eine Art Schadensersatz für die Zähne der Gäste, die sich beim Essen abgenutzt hatten.

* Bei den aufgeführten Begriffen handelt es sich nur um eine Auswahl. Als Quelle wurde u.a. das Sharing Ramadan-Heft des Forum Dialog genutzt. Auf unserer Facebook-Seite teilen wir regelmäßig Beiträge, in denen wir einzelne Begriffe noch mal gesondert vorstellen.