Bundespräsident Gauck Bundespräsident hat die Massaker an Armeniern als Völkermord bezeichnet. Ankara will Gauck das nicht vergessen und vergeben.
Bundespräsident Gauck Bundespräsident hat die Massaker an Armeniern als Völkermord bezeichnet. Ankara will Gauck das nicht vergessen und vergeben.

Die Aussagen von Bundespräsident Joachim Gauck zum „Völkermord“ an den Armeniern stürzen Deutschland in eine diplomatische Krise mit der Türkei. „Das türkische Volk wird dem deutschen Präsidenten Gauck seine Aussagen nicht vergessen und nicht verzeihen“, erklärte das Außenministerium des EU-Beitrittskandidaten am späten Freitagabend in Ankara.

Gauck hatte die Massaker im Osmanischen Reich an bis zu 1,5 Millionen Armeniern im Ersten Weltkrieg erstmals klar als Völkermord bezeichnet. Er setzte sich damit über Bedenken hinweg, diese Einordnung könnte die Beziehungen zum Nato-Partner Türkei beschädigen. Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs lehnt die Bezeichnung Völkermord ab.

Die Regierung in Ankara reagierte entsprechend scharf. Gauck habe keine Befugnis, der türkischen Nation eine Schuld anzulasten, die den rechtlichen und historischen Fakten widerspreche, hieß es in der Mitteilung des Außenministeriums. Die Regierung warnte vor „langfristigen negativen Auswirkungen“ auf das deutsch-türkische Verhältnis.

Erdoğan: „Zuerst müssen sie die dunklen Punkte ihrer eigenen Geschichte bereinigen“

Präsident Recep Tayyip Erdoğan wies am Samstag alle Staaten zurecht, die von Völkermord sprechen. Speziell Russland, Frankreich und Deutschland sollten sich um ihre eigene Geschichte kümmern, sagte er laut der Nachrichtenagentur Anadolu. „Zuerst müssen sie, einer nach dem anderen, die dunklen Punkte ihrer eigenen Geschichte bereinigen.“

Das türkische Außenministerium hatte dem französischen Präsidenten François Hollande dessen Teilnahme an einer Gedenkzeremonie in Armenien vorgehalten, die Ankara als „Verunglimpfung der türkischen Identität, Geschichte und Gesellschaft“ einstufte. Die Russen erinnerte die türkische Regierung an eigene „Gräueltaten und Vertreibungen“ im Kaukasus, in Zentralasien und Osteuropa während der vergangenen hundert Jahre.

Der Bundestag hatte sich am Freitag Gaucks Bewertung der Gräueltaten an den Armeniern angeschlossen. Redner aller Fraktionen teilten diese Einschätzung. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) meldeten sich nicht selbst zu Wort. Auch das österreichische Parlament äußerte sich zu den Ereignissen von 1915, was zu diplomatischem Ärger führte.