Der türkische Premierminister Davutoğlu hat während seines Besuchs im nordirakischen Arbil konkrete Schritte in der Öl- und Sicherheitspolitik angekündigt. Türkische Spezialeinheiten sollen fortan Peschmerga ausbilden.

Der türkische Premierminister Ahmet Davutoğlu ist am Freitag im Rahmen seines Irakbesuches auch mit dem Präsidenten der kurdischen Regionalregierung (KRG), Massoud Barzani, zusammengetroffen. Dabei standen sicherheits- und militärpolitische Fragen aber auch energiepolitische Angelegenheiten im Vordergrund der Gespräche. Die Kurdenregion im Nordirak teilt seit dem überfallartigen Vormarsch des „Islamischer Staat“ (IS) fast seine gesamte Südgrenze mit der Terrororganisation.

Der türkische Premierminister betonte das Engagement seiner Regierung bei der Flüchtlingsproblematik in der Region und besonders im Irak. „Die Türkei wird ihre Brüder nicht im Stich lassen“, betonte Davutoğlu gegenüber dem Kurdenführer und wies auf die Zahl der kurdischen Flüchtlinge in der Türkei hin, die vor dem IS dorthin geflohen waren. „Wir haben in Dohuk Lager mit einer Kapazität von insgesamt 35.000 Menschen errichtet“, erklärte der Premierminister.

Al-Jazeera zufolge sei der Besuch „positiv“ gewesen und es sollen auch „konkrete Schritte“ vereinbart worden sein. Die beiden Regierungen haben demnach eine engere militärische Zusammenarbeit im Kampf gegen den IS beschlossen. Spezialkräfte der türkischen Streitkräfte (TSK), die so genannten „Braunen Barette“, sollen im Nordirak als Ausbilder ein Trainingsprogramm für die Streitkräfte (Peschmerga) der Kurdischen Autonomieregion starten.

150.000 Barrel Rohöl pro Tag in die Türkei

Premier Davutoğlu betonte, es gäbe mittlerweile „alle Arten von Unterstützung zu Gunsten der Sicherheit der (nordirakischen) Kurdenregion“. Auf der Pressekonferenz mit Barazani betonte der türkische Premierminister, die regionale Sicherheit der Kurdenregion sei auch hinsichtlich der Sicherheit der Türkei von vitaler Wichtigkeit. „Unsere Unterstützung bei der Ausbildung der Peschmerga wird weitergehen“, betonte Davutoğlu.

Die nordirakische Kurdenregion ist auch mit Blick auf die Energiepolitik der Türkei wichtig für Ankara. Eine neu errichtete Pipeline pumpt seit Mai 2014 Erdöl aus dem Nordirak in den türkischen Mittelmeerhafen von Ceyhan -trotz Beschwerden aus Bagdad. Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz in Arbil bestätigte Barazani, dass künftig 150.000 Barrel an Rohöl pro Tag aus den Feldern Kirkuks in die Türkei fließen werden. „Das ist ein massiver Schritt, da die Türkei kaum heimische Energieträger zur Verfügung hat und deshalb auf Importe angewiesen ist“, kommentierte Al Jazeera.

Die kurdischen Peschmerga hatten die Stadt Kirkuk und die umliegenden Ölfelder erst vor wenigen Monaten eingenommen, nachdem die regulären irakischen Streitkräfte sich wegen des IS-Vormarsches panikartig zurückgezogen hatten.

Einigung zwischen Bagdad und Arbil?

Barazani zufolge soll eine Einigung hinsichtlich bisher auf einem Treuhandkonto gehaltener Zahlungen für Öllieferungen aus Arbil erzielt worden sein. Bislang hatten darauf wegen der internen Streitigkeiten weder Arbil noch Bagdad Zugriff. Mittlerweile sei es aber Bagdad zugänglich gemacht worden. Beide Regierungen hatten sich im Streit um die Erdöl-Erlöse jüngst auf einen Kompromiss geeinigt

Der Irakbesuch des türkischen Premierminister sollte auch dazu dienen, die langjährigen Probleme zwischen Ankara und Bagdad aus der Welt zu schaffen.