Die Regierungschefs Antonis Samaras und Ahmet Davutoğlu im Gespräch während des dritten Treffen des Höchsten griechisch-türkischen Regierungsrats seit 2010.
Auf dem dritten Treffen des Höchsten griechisch-türkischen Regierungsrats seit 2010 haben Athen und Ankara ihre Absicht erklärt, ihre Beziehungen normalisieren. Als Hebel dazu soll die Wirtschaft dienen.

Griechenland und die Türkei wollen im Verkehrs- und Energiebereich enger kooperieren und ihre Konflikte abbauen. Dabei wollen beide auch zur Lösung der Zypernfrage beitragen. Dies ist das Ergebnis eines zweitägigen Treffens der Regierungschefs Antonis Samaras und Ahmet Davutoğlu, das am Samstag in Athen zu Ende ging. Bei dem Zusammenkommen handelt es sich um das dritte Treffen des sogenannten Höchsten griechisch-türkischen Regierungsrats seit 2010. An diesem nahmen insgesamt 18 Minister sowie mehr als 400 Unternehmer der beiden Nachbarstaaten teil.

Samaras versicherte, Griechenland unterstütze einen Beitritt der Türkei zur EU. Ankaras EU-Mitgliedschaft würde „riesige Vorteile“ für das Nachbarland mit sich bringen. Davutoğlu erklärte, beide Staaten seien Teile eines gemeinsamen geografischen Raumes. Wichtig für den Abbau von Spannungen sei, darüber zu sprechen. Die Türkei sei „das Tor des Ostens“ und Griechenland „das Tor des Westens“, hieß es.

Davutoğlu und Samaras: „substanzielle Meinungsverschiedenheiten“ zu Zypern

Davutoğlu und Samaras räumten ein, dass es in einigen Fragen „substanzielle Meinungsverschiedenheiten“ gebe. Dies betrifft vor allem die Hoheitsrechte in der Ägäis sowie die Zypernfrage. Zypern ist geteilt: Der griechische Teil gehört als eigenständiger Staat zur EU, der nach einer türkischen Militärintervention geschaffene türkische Teil wird nur von der Türkei anerkannt. Vor Zyperns Küsten wurden Erdgasfelder entdeckt, um deren Ausbeutung gestritten wird. Zuletzt hatten die Spannungen um die Ausbeutung des Rohstoffvorkommens im östlichen Mittelmeer zugenommen. Ankara veranlasste in diesem Kontext neue Direktiven für die türkischen Seestreitkräfte. Auch Israel und Ägypten schalteten sich auf Seiten Griechenlands in den Streit ein.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Ankara riefen der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu und sein griechischer Amtskollege Evangelos Venizelos vergangene Woche zur Wiederaufnahme der Wiedervereinigungsgespräche auf, welche die griechisch-zyprische Delegation im Oktober infolge der Unstimmigkeiten bezüglich der Bohrrechte in den Gewässern vor der Insel abgebrochen hatte. (dpa/dtj)